Baden
Spende von Herzen: Blutspenderverein Avis aus Baden wird 50

Zum 50-Jahr-Jubiläum des italienischen Blutspendervereins wurde beim Kantonsspital Baden eine Herz-Skulptur aufgestellt. Diese soll an die Helden erinnern, die Leben retten. Avis-Präsident Leo Gentile erzählt aus der bewegten Geschichte des Badener Vereins.

Tabea Baumgartner
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Die Gründer von Avis, dem italienischen Blutspenderverein Baden, 1963 vor dem alten Spital in Baden. Das Bild hängt im Vereinslokal.zvg

Die Gründer von Avis, dem italienischen Blutspenderverein Baden, 1963 vor dem alten Spital in Baden. Das Bild hängt im Vereinslokal.zvg

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An jenem Ort, wo Menschen schwer verletzt eintreffen, wo das Leben vieler an einem seidenen Faden hängt, da ist eine neue Skulptur aus dem Boden gewachsen. Im Garten des Kantonsspitals steht seit Kurzem ein Herz aus Bronze, in dem sich zwei Menschen die Hand reichen.

Die eine Hand gibt, die andere empfängt. «Dieses Monument soll all jenen eine Anerkennung zukommen lassen, die ihr Blut spenden, ob gestern, heute oder morgen», sagt Leo Gentile, Präsident des italienischen Blutspendervereins Avis (Associazione Volontari Italiani Sangue) Baden, der die Skulptur ermöglicht hat.

Warum schlossen sich Migranten aus unserem südlichen Nachbarland einst zusammen, um im Kantonsspital Baden Blut zu spenden? Die Vorgeschichte spricht von bedingungsloser Nächstenliebe: Sechs Italiener waren im Jahre 1963 am Jassen, als plötzlich ein Mann in die Beiz stürzte: «Hilfe, meine Tochter braucht Blut!», habe er gerufen.

Die Italiener zögerten nicht; sie standen auf und begaben sich sofort ins Spital, wo die Tochter des Mannes lag, um Blut zu spenden. Aus dieser spontanen Heldentat sei die Idee entstanden, hierzulande einen Blutspenderverein zu gründen.

Denn in Italien ist der Verein Avis landesweit bekannt; er organisiert dort die Blutspenden. «Wir erwarten keinen Dank. Ich gebe etwas, ohne etwas anderes zu erwarten», sagt Gentile.

Vielleicht ist es diese Heldentat, welche die Menschen im Verein zu einer grossen Familie macht, wie Gentile den Zusammenhalt beschreibt. «Wir sind kein Sportverein, in dem man zusammen trainiert und dann etwas trinken geht. Bei uns ist es die Blutspende, die uns verbindet», sagt Gentile. Eine Spende, die Leben rettet.

Doch die Spende alleine hätte den Verein nicht 50 Jahre am Leben gehalten. «Die Italiener der ersten Generation waren gerne unter sich», erklärt Gentile. «Sobald sie Feierabend oder Wochenende hatten, sassen sie zusammen.»

Spanferkelessen und Carreisen

Die Vereinsgründung bot einen Grund mehr zusammenzukommen, zu plaudern und Feste zu feiern. Spanferkelessen und Carreisen nach Italien gehören heute noch zum Genussprogramm.

Ein Wermutstropfen bleibt, wenn Gentile die Skulptur betrachtet. Aufgrund einer überalterten Vereinsstruktur wisse er nicht, ob es den Verein in 10 Jahren noch gebe. «Uns fehlen die Jungen, die guten Ideen, der jugendliche Schwung», sagt Gentile.

«Doch ich bin überzeugt, dass wir Gutes getan haben. Wir möchten, dass die Geschichte von den italienischen Blutspendern in der Erinnerung erhalten bleibt», sagt Gentile. Und wenn es den Verein irgendwann nicht mehr gebe, hoffe er, dass die Menschen nicht vergessen würden, dass ihr Blut das Leben anderer retten kann.

Gegründet wurde der Blutspenderverein Avis Baden im Jahre 1963 als erster Schweizer Avis-Ableger. Inzwischen gibt es in der Schweiz 19 Sektionen. Der Badener Verein zählt heute 180 Mitglieder, davon 125 aktive Spender.

Mit den zwei kollektiven Avis-Spendetagen sowie weiteren freiwilligen Spenden ermöglichen dessen Mitglieder jährlich 200 Blutspenden. Früher waren nur Italiener dem Verein beigetreten; heute zählen Menschen verschiedener Nationalitäten zu den Mitgliedern. Avis Baden feiert sein 50-jähriges Bestehen am Sonntag, 24. November in Ennetbaden.

Weitere Infos unter www.avisbaden.ch.