Baden/Wettingen

Spezialbiere sind im Trend: Regionale Biere erobern Zürcher Markt

Müller-Bräu-Geschäftsführer Felix Meier hat Erfolg

Müller-Bräu-Geschäftsführer Felix Meier hat Erfolg

Herr und Frau Schweizer sind experimentierfreudig und probieren hin und wieder ein Bier aus den Regionen. Das spüren die regionalen Bierbrauer und erobern den Zürcher Markt mit grossen Schritten.

Es ist ein Zeichen der Zeit: Herr und Frau Schweizer sind experimentierfreudig geworden und geben sich immer weniger mit herkömmlichen Lager-Bieren zufrieden. «Das ist definitiv der Trend», sagt Marco Wipfli, Geschäftsleiter der Wettinger Lägerebräu.

Dasselbe hört man auch bei Müller Bräu in Baden: «Wir merken, dass die Kunden immer mehr Biere haben wollen, die Geschmack und Charakter haben», sagt Geschäftsführer Felix Meier. «Die Menschen haben Freude an Aromen, über die sie reden können.»

Damit wird die eher mit der Arbeiterklasse verbundene Bierszene der mutmasslich elitären Weinszene immer ähnlicher. In Nordamerika sei dies seit längerem ein «Riesenhype», sagt Meier. «Die Schweiz folgt jetzt langsam – aber nachhaltig, da bin ich überzeugt.» Beim Ruf nach diesen speziellen, sogenannten Craft-Bieren, steht das Pale Ale derzeit an erster Stelle. Es ist gemäss Meier ein englischer Bierstil aus der Zeit der grossen Seefahrer. Den Geschmack beschreibt Müller Bräu wie folgt: «Das kräftige, orangefarbene, obergärige Bier duftet nach fruchtig-süsslichen Aromen, aber auch floralen Noten.» In Baden wird es seit November verkauft. Diesen Freitag am Tag des Schweizer Bieres wird es offiziell lanciert.

Über ein Jahr lang habe die Müller Bräu an ihrer eigenen Pale-Ale-Rezeptur getüftelt. «Wir haben 100 verschiedene Pale Ale dafür degustiert», sagt Meier. Nicht zu derb sollte es sein, sondern ausgewogen im Geschmack – und damit wohl eher massentauglich. Anders als Lägerebräu setzt Müller Bräu deshalb auch nicht auf das India Pale Ale, auch bekannt als IPA. «Das Pale Ale hat eine schöne Mittelsüsse im Gaumen. Das India Pale Ale ist bitterer und findet deshalb nicht die gleiche Breite.» Dennoch schrieb der «Tages-Anzeiger» kürzlich, in Zürich komme der intensive Geschmack bestens an. Genannt wird dort unter anderem das India Pale Ale der Lägerebräu, mit dem die kleine Wettinger Brauerei in Zürich immer mehr Fuss fasst. Marco Wipfli bestätigt: «Das Pale Ale und speziell das India Pale Ale öffnet uns die Türen in Zürich.» Es sei einfacher, sich mit diesen Trendbieren in der Zürcher Gastronomie zu behaupten als mit einem herkömmlichen Aargauer Lagerbier. Das liege am Preis: «Mit unseren Qualitätsbieren sind wir für die Gastronomen teuer als die grossen Brauereien», sagt Wipfli. Gerade für kleine Brauereien stellt der Trend zu den Craft-Bieren deshalb eine Chance dar. «Für die Grossen lohnt es sich nicht.» Oder: noch nicht. «Wir werden noch lange nicht soweit sein, dass Craft-Biere gesamtschweizerisch umsatzmässig eine gewichtige Rolle spielen. Das dauert wie vieles andere ein bisschen länger bei uns.»

In einem Monat alle Flaschen leergetrunken

Regional hingegen stehen die Craft-Biere bereits hoch im Kurs. Wipfli erzählt: «Vor zwei Jahren hatten wir das Pale Ale zum ersten Mal als Saisonbier im Angebot. Es war derart ein Erfolg, dass wir nach einem Monat ausgeschossen waren. Ein Jahr darauf dasselbe.» Seit letzten Sommer gehört Pale Ale bei Lägerebräu zum Standard-Sortiment, India Pale Ale seit letztem Herbst. «Unser Braumeister hat früher in einer Kleinbrauerei in London gearbeitet und den Trend mit Pale Ale und India Pale Ale nach Wettingen gebracht.» Und was ist gemäss Wipfli der Unterschied zwischen Pale Ale und India Pale Ale? «Unser Pale Ale hat eine feine, nach Zitrus und Litschi duftende Hopfennote.» Das India Pale Ale hingegen habe mehr Aroma und eine «knackige Bitterkeit». Um das Pale Ale für die lange Reise zu den britischen Kolonien haltbar zu machen – etwa nach Indien –, sei es stärker eingebraut und mit Hopfen versetzt worden, wird auf der Website der Lägerebräu erklärt.

Was der nächste Trend unter den Craft-Bieren wird, ist sich Wipfli sicher: «Die in Holzfass gereiften Biere.» Mit dem «Whiskey Porter»-Bier hat die Lägerebräu im März an einem internationalen Bier-Wettbewerb neben acht weiteren Bieren die Goldmedaille gewonnen. Zudem will Lägerebräu diesen Herbst ein dunkles Bier lancieren. Auch Müller Bräu plant ein dunkles Bier – und eine Pale-Ale-Offensive in Zürich, auch mit Offenausschank.

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