Baden

Spezieller Rücktritt nach Stadtrats-Wahlschlappe: «Genug von der aktiven Politik»

«Mein Ziel war der Stadtrat. Und ich hätte gerne in diesem Gremium etwas bewegt. Jetzt ist es halt nicht so.» Andrea Libardi, FDP-Einwohnerrätin

«Mein Ziel war der Stadtrat. Und ich hätte gerne in diesem Gremium etwas bewegt. Jetzt ist es halt nicht so.» Andrea Libardi, FDP-Einwohnerrätin

Zehn Jahre hat sie sich als Einwohnerrätin und Schulpflegerin für die Stadt eingesetzt. Nun will Andrea Libardi (FDP) nach Nichtwahl in Stadtrat auch nicht Einwohnerrätin sein.

Jetzt kommt sie noch, die 25. Demission im Einwohnerrat. Damit hat die Hälfte des Stadtparlamentes während der vierjährigen Amtsperiode den Hut genommen, was absoluten Rekord bedeutet. Dass sich da der Wähler nicht mehr ernst genommen fühlt, liegt auf der Hand.

Die Demission von Andrea Libardi (54) ist speziell: Sie wurde mit einem Spitzenresultat diesen Herbst in den Einwohnerrat gewählt und tritt nun die neue Amtsperiode erst gar nicht an. Sie hat offiziell und auch über die Sozialen Medien ihren Rück- beziehungsweise Nichtantritt bekannt gegeben.

«Ich werde auf Ende Jahr die aktive Politik an den Nagel hängen und meinen Platz im Einwohnerrat innerhalb der FDP weiterreichen. Zehn Jahre Einwohnerrat und neun Jahre Schulpflege waren spannend, amüsant, aber auch sehr aufwendig.»

So erklärt sich Andrea Libardi gegenüber ihren Facebook-Freunden. Freuen wird sich Stefan Jaecklin, der als Erster auf der Ersatzbank bei der FDP gleich zu Beginn der Amtsperiode nachrutscht.

Ziel «Stadtrat» verpasst

Dass sie jetzt der Politik den Rücken zukehrt, hat ihren Grund. Denn Libardis erklärtes Ziel war seit längerem der Stadtrat. «Ich hätte gerne in diesem Gremium etwas bewegt. Jetzt ist es halt nicht so», sagt sie, und lässt dabei auch etwas Frust darüber spüren, dass es nicht geklappt hat.

«Ja, ich bin enttäuscht», sagt Libardi sachlich und offen. Sie gehe jedoch im Einvernehmen mit der Partei, dessen Vorstand sie vorgängig über ihren Schritt orientiert habe. Dennoch lässt Andrea Libardi durchblicken, dass sie sich von der FDP und den andern bürgerlichen Parteien mehr Unterstützung erhofft hätte.

Eine erste herbe Enttäuschung war für sie bereits die parteiinterne Nichtnomination im Jahr 2015, als es um die Kandidatur um den frei werdenden Stadtratssitz von Daniela Berger ging. Die Parteiversammlung gab Mario Delvecchio den Vorzug, der dann an Erich Obrist (parteilos) scheiterte.

Diesmal nominierte sie die Partei, doch Libardi hatte auch mit dem Gedanken gespielt, allenfalls «wild» zu kandidieren. Bei den Stadtratswahlen erreichte sie 2605 Stimmen und lag 96 Stimmen hinter Geri Müller (team) und 314 hinter der ebenfalls nicht gewählten Karin Bächli (SP), während es Sandra Kohler (parteilos) mit über 300 Stimmen mehr schaffte.

Das war für Libardi ein herber Schlag, woraus sie keinen Hehl macht: «Ich habe damit Mühe, dass man politisch unbedarft in dieses wichtige Amt gewählt werden kann.»

Verständnis beim FDP-Vorstand

Der Vorstand sei frühzeitig über diesen Schritt orientiert worden, sagt Tobias Auer, FDP-Co-Parteipräsident. Er könne einerseits nachvollziehen, wenn sich nun Wähler an dieser Demission vor Beginn der Legislatur stossen könnten.

Doch andererseits habe er auch Verständnis für Libardis Enttäuschung über ihre Nichtwahl in den Stadtrat, nachdem sie sich als FDP-Einwohnerrätin zehn Jahre für die Stadt eingesetzte hatte. «Wenn jemand sich das Recht herausnehmen darf, als gewähltes Mitglied des Einwohnerrates sein Amt vorzeitig niederzulegen, dann Andrea Libardi», fügt Auer an.

Dass sie die Partei bei den Wahlen jedoch zu wenig unterstützte, lässt er nicht gelten: «Wir setzten klar auf ein ZweierTicket. Philippe Ramseier und Andrea Libardi hatten dieselben Möglichkeiten und Unterstützungsangebote des Vorstands.»

Andrea Libardi bereut ihr politisches Engagement keineswegs: «Es war eine sehr interessante Zeit. Ich konnte immer sagen, was ich wollte und weiss, dass ich mich damit sowohl in der Partei als auch gegen aussen manchmal ziemlich exponiert habe», sagt die FDP-Einwohnerrätin rückblickend.

Besonders gefallen habe es ihr im Einwohnerrat, wenn sich die politischen Fronten aneinander gerieben hätten, sagt Libardi, die selber selten ein Blatt vor den Mund genommen hatte und in Finanzangelegenheiten konsequent politisierte.

Nun könne sie mehr Zeit an der Orgel verbringen, sagt Libardi. Die Stadtpolitik werde sie weiter mit Interesse verfolgen. Für sie sei Markus Schneider die geeignete Führungspersönlichkeit als Stadtammann. Zurückhalten werde sie sich mit ihrer Meinung nicht, verspricht sie auf Facebook. So müsse man auch mit einer Stellungnahme via Leserbrief von ihr rechnen.

Meistgesehen

Artboard 1