Die Ausgangslage vor der Obersiggenthaler Gemeindeammann-Wahl ist in mehrfacher Hinsicht aussergewöhnlich. Erstens steht noch nicht fest, wie viel der Ammann verdienen und wie gross das Pensum sein wird. Der Entscheid über eine Verwaltungsreform ist hängig und wird erst nach den Wahlen fallen. Trotz diesen unklaren Voraussetzungen sind zwei Kandidaturen eingegangen: Diejenige des amtierenden Ammanns Dieter Martin (FDP, 63), der allerdings erklärte, er werde spätestens zur Hälfte der Legislatur zurücktreten, weil er im Mai 2018 das AHV-Alter erreiche. Sein offizieller Konkurrent: Franz Mesey (Parteilos, 70), er sass zwölf Jahre lang bis 2005 für die SVP im Gemeinderat.

Zweiter Grund für die spezielle Ausgangslage: Beide Kandidaten geniessen bei den Ortsparteien wenig Kredit. Der amtierende Ammann Dieter Martin (FDP) wird nur von den Grünen ohne Wenn und Aber unterstützt. Dies, weil er sich gegen das Ostaargauer Strassenentwicklungsprojekt (Oase) aussprach und weil sein Konkurrent eine SVP-Vergangenheit hat. Seine eigene Partei, die FDP, tut sich schwer mit einer unmissverständlichen Haltung.

Mitte Juni teilte sie mit, sie «begrüsse und respektiere» den Entscheid von Dieter Martin, spätestens auf Mitte Legislatur zurückzutreten; dies schaffe die Möglichkeit von Neuwahlen für das Amt des Gemeindeammanns unter klaren Prämissen. Nach einer Unterstützung mit vollster Kraft tönte die Mitteilung nicht. Auf die Frage, ob die FDP die Kandidatur von Dieter Martin nun unterstütze oder nicht, verwies Parteipräsident Stefan Semela gestern auf die erwähnte Mitteilung, und schrieb doch noch, die FDP könne «klar mitteilen», dass die Kandidatur unterstützt werde.

Mesey wiederum, einst für die SVP im Gemeinderat, wird zwar vor allem von Mitgliedern seiner ehemaligen Partei in Leserbriefen zur Wahl empfohlen. Doch offiziell will auch die SVP keine Lanze für ihn brechen. Trotz allem geben sich beide zuversichtlich: «Offiziell empfiehlt mich zwar keine der Parteien zum Gemeindeammann, aber das ist verständlich, weil sie ihre eigenen Kandidaten in den Gemeinderat bringen wollen», sagt Franz Mesey. «Ich habe viele Gespräche geführt und bin darum zuversichtlich, dass es mit der Wahl klappen wird.» Er vertrete die Parteilosen, die grösste Wahlgruppe im Dorf. Gerade auch die Bauern im Dorf unterstützten ihn, sagt er. Obersiggenthal brauche endlich wieder eine Führungsperson, hierfür sei er bestens geeignet, sagt Mesey. Über seinen Konkurrenten Dieter Martin sagt er: «Ich glaube, er will gar nicht gewählt werden, sondern tritt nur an, um das Ruhegehalt zu beziehen. Er wird nächsten Frühling pensioniert.»

Dieter Martin sagt, er könne über diese Aussage nur den Kopf schütteln: Er übe das Amt sehr gerne aus, und es handle sich nicht um ein Ruhegehalt, sondern um eine einmalige Abgangsentschädigung bei Nichtwiederwahl von ungefähr 35'000 Franken, und diese sei ganz sicher nicht der Anreiz für seine Kandidatur. «Ich glaube an meine Wahlchance, weil ich nicht so vieles falsch gemacht habe, wie nun behauptet wird. An der finanziellen Baisse der Gemeinde trage weder ich noch sonst jemand im Gemeinderat die Schuld.»

Womöglich könnte nun ein Dritter von den Wirren profitieren. In einem Leserbrief wurde dazu aufgerufen, Linus Egger (CVP) erneut als Gemeinderat sowie neu auch als Gemeindeammann zu wählen. Falls der Ammann nach dem 1. Wahlgang noch nicht feststeht, dürfte Egger seine Kandidatur noch nachreichen. Einzige Voraussetzung: Er darf nach dem 1. Wahlgang noch nicht definitiv als Gemeinderat abgewählt worden sein. Egger selber sagt: «Zuerst muss ich als Gemeinderat gewählt werden, was bei acht Kandidatinnen und Kandidaten kein Selbstläufer ist.» Je nach Ergebnis im 1. Wahlgang würden die Parteispitzen zusammentreffen und das weitere Vorgehen diskutieren. «Für einen 2. Wahlgang werden die Karten neu gemischt. Bei einem guten Resultat im 1.  Wahlgang würde ich mir eine Kandidatur als Ammann überlegen.»