«Wir sind verzweifelt», sagt die Leiterin der Spielgruppe Dättwil, Maria Lanter. Nachdem sie jahrelang den stillgelegten Dättwiler Kindergarten Husmatt mieten konnten, wurden sie Ende Januar von der Stadt Baden informiert, dass der Kindergarten ab dem kommenden Schuljahr wieder benötigt wird.

«Die Kündigungsfrist war zwar korrekt», sagt Lanter. Die Verträge waren jeweils auf ein Jahr befristet gewesen. «Für uns jedoch kam diese Information zu spät.» Die Spielgruppenbetreiberinnen sollten nämlich jetzt die Anmeldungen für das kommende Schuljahr 2014/15 abschicken. Sie stehen aber ohne Raum da. Und einen geeigneten, gut situierten und zahlbaren Raum für die Spielgruppe in Dättwil zu finden, hat sich bisher als sehr schwierig erwiesen.

«Gestern haben wir wieder eine Absage erhalten», sagt Lanter. «Uns geht die Zeit aus.» Gesucht sei ein Raum im Zentrum von Dättwil, oder immerhin einer, der nicht an einer dicht befahrenen und für Kinder gefährlichen Hauptstrasse liegt. Für Eltern, die Kinder im Spielgruppen- wie im Schulalter haben, sei es wichtig, dass die Spielgruppe bei den Schulen in der Dorfmitte bleibt.

«Wir erwarten Unterstützung von der Stadt», sagt Lanter. 60 Kinder besuchen zurzeit die Dättwiler Spielgruppe. «Das kann den Schulverantwortlichen doch nicht egal sein.» Auf Anfrage schreibt die Abteilung Kinder Jugend Familie (KJF) der Stadt Baden, sie hätten «von Anfang an aktive Unterstützung bei der Raumsuche geleistet». Als besonders «aktiv» empfindet Maria Lanter diese Hilfe aber nicht. «Sie haben uns im Februar einen Hinweis für eine 40-Quadratmeter-Wohnung geschickt und später drei Liegenschaften angegeben, die uns bereits abgewiesen hatten.»

Auch bezüglich der finanziellen Unterstützung durch die Stadt ist Lanter enttäuscht. 1800 Franken pro Monat bekämen sie für die Miete eines neuen Raumes. «Diejenigen, die wir bisher angefragt haben, kosten aber zwischen 2500 und 3000 Franken», sagt sie. «Leider haben wir scheinbar nicht denselben Stellenwert wie die Badener Tagesstrukturen, die 3500 Franken pro Monat erhalten.»

Die KJF verteidigt sich: «Für uns sind alle Angebote wichtig», schreibt KJF-Leiter Mario Geraets und weist darauf hin, dass der Einwohnerrat über die Höhe der Unterstützungen entscheidet. «Seit Jahren besteht ein guter Kontakt zwischen Stadt und Spielgruppen.» Weil aber alle Liegenschaften der Stadt belegt seien, könnten keine Ersatzräume angeboten werden.

Maria Lanter ist überzeugt, dass die Behörden den Raummangel schon früher hätten erahnen können. Seitens der Badener Volksschule entgegnet Geschäftsleiter Alex Grauwiler aber, die Schule wisse jeweils erst Ende Januar, wie viele Kinder im Sommer in den Kindergarten eintreten würden. Die Eltern würden zum Teil private Kindergärten wählen. Schon nur ein Kind mehr oder weniger könnte für die Anzahl der Klassen ausschlaggebend sein.

Gemäss Thomas Maksymov, Leiter Liegenschaften der Stadt, habe die Abteilung Schule seiner Abteilung am 30. Januar mitgeteilt, dass ein zusätzlicher Kindergartenstandort benötigt würde. Sie hätten dann umgehend den Dachverein Spielgruppen informiert. «Korrekterweise hätte der Dachverein jedes Jahr bei der Erneuerung des Vertrags davon ausgehen müssen, dass er die Räume nur bis Ende Juni des nächsten Jahres benützen kann», sagt er.

Für Lanter hätten die Spielgruppenbetreiber dennoch nicht erahnen können, dass der Vertrag nicht verlängert würde, «die Behörden den Bevölkerungszuwachs in Dättwil hingegen schon».

Maria Lanter und ihr Team sind enttäuscht. «Die Spielgruppe in Dättwil gibt es seit 34 Jahren», sagt sie. Die Gefahr ist gross, dass es sie bald nicht mehr geben wird.