Wenn am Montagmorgen das Handy von Wimi Wittwer klingelt, ist das meist ein schlechtes Zeichen. Er ist Leiter des Jugendnetzes Siggenthal und pflegt den Kontakt zu Schulleitern, Schulhausabwarten oder Kindergärtnerinnen von Ober- und Untersiggenthal. Sie alle rufen ihn an, wenn der Sandkasten eines Spielplatzes wieder mal als Aschenbecher missbraucht wurde. «Spielplätze sind ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche, weil sie dort von der Öffentlichkeit abgeschirmt sind und gemütlich auf den Bänkli sitzen können», sagt Wittwer.

Doch leider werfen die jungen Abfallsünder ihre Zigarettenstummel oder manchmal auch anderen Müll achtlos weg. Dass man deswegen über die Jungen schimpfe, sei keine Lösung. «Wir wollen mit den Jugendlichen Arbeiten statt über sie zu fluchen», betont Wittwer.

Die Jungen würden es auch nicht böse meinen, so Wittwers Erfahrung. Die Erwachsenen seien übrigens nicht besser: «Ich habe schon oft beobachtet, wie Eltern ihre Zigi auf dem Spielplatz unbehelligt weggeworfen haben.»

Mobile Jugendarbeit empfohlen

Die Jugendkommissionen Ober- und Untersiggenthal hat eine Evaluation der Jugend- und Schulsozialarbeit in Auftrag gegeben. «Wir wollten wissen, wo wir in unserer Arbeit stehen, wie wirksam sie ist und was wir ändern oder verbessern könnten», erklärt Therese Schneider, Gemeinderätin Obersiggenthal und Mitglied der Jugendkommission.

Die Ergebnisse von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften liegen nun vor. Die Verfasser empfehlen der Jugendkommission und dem Jugendnetz, «die mobile Jugendarbeit, die sogenannte Gassenarbeit, zu intensivieren». Schneider sagt: «Die mobile Jugendarbeit könnte einen positiven Effekt auf die problematischen Treffpunkte, insbesondere auf den Schulhöfen haben.» Entsprechend wollen die Verantwortlichen Handeln. «Die Jugendkommission führt im Januar einen Strategieworkshop durch», sagt Schneider.

Dabei wollen die Kommissionsmitglieder die Ausrichtung der Jugendarbeit in der Begleitung von Jugendlichen hinterfragt und diskutieren. «Wir arbeiten dann entsprechende Lösungsvorschläge aus und legen diese, falls nötig, dem Einwohnerrat Obersiggenthal vor», sagt Schneider.

Generationenspielplatz im Test

Ein erster Schritt ist bereits getan. In einem Pilotversuch begleitet das Jugendnetz auf dem Generationenspielplatz beim Gemeindehaus Nussbaumen die Jugendlichen. «Es ist ein Projekt, das wir zusammen mit den Eltern erarbeitet haben», so Schneider. Hier sollen Jugendliche einen Begegnungsort zum Verweilen bekommen.

Die Jugendarbeiter Siggenthal werden die Jugendlichen begleiten, ganz nach der Idee der mobilen Jugendarbeit. Die Stadt Basel diente als Vorbild. «Dort wirkt sich die mobile Jugendarbeit positiv aus», sagt Wimi Wittwer. Und Therese Schneider erklärt: «Bei diesem Pilotprojekt können wir die Wirksamkeit der Arbeit prüfen, die Grenzen ausloten und schauen, wie viele Personalressourcen wir für eine mobile Jugendarbeit bräuchten.»