Baden

Spielplan fast fertig: der neue künstlerische Direktor des Kurtheaters im Gespräch

Uwe Heinrichs vor dem fast fertigen Kurtheater Baden: Ende April ist Schlüsselübergabe.

Uwe Heinrichs vor dem fast fertigen Kurtheater Baden: Ende April ist Schlüsselübergabe.

Im Oktober wird das grösste Aargauer Theaterhaus nach jahrelanger Planungs- und Umbauphase mit einem grossen Fest endlich wiedereröffnet. Der neue künstlerische Direktor über seine Pläne.

Bis Ende April ist das Kurtheater Baden noch Sperrzone. Auch für den neuen künstlerischen Direktor Uwe Heinrichs (56). Seit September tüftelt er im noch in der Villa Langmatt situierten Theaterbüro am neuen Spielplan. Aber man kann ja von aussen schon mal auf den sanft renovierten Bau blicken und ins Schwärmen geraten ob der neuen Möglichkeiten, die sich nach der Wiedereröffnung des Traditionshauses im Oktober bieten werden.

«Das sieht ein bisschen so aus, als wäre das fliegende Haus aus dem ‹Zauberer von Oz› auf dem Dach gelandet», sagt Heinrichs. Er meint den riesigen Bühnenturm, der über dem denkmalgeschützten Bau thront. ­Darin wird sich künftig die auf Vordermann gebrachte Bühnentechnik des grössten Aargauer Theaterhauses verbergen. Nach der Eröffnung wird es mit einem doppelt so grossen Foyer und einer Probebühne deutlich attraktiver sein. «Ich kann mich da in ein wunderbar gemachtes Bett legen», erzählt Heinrichs begeistert.

Vergrössertes Foyer als zweite Spielstätte

Das neue, zur Parkstrasse liegende Foyer will Heinrichs für kleinere Theaterformate oder musikalische Abende nutzen – rund 100 Zuschauer haben darin Platz. Der neue Proberaum des Kurtheaters soll zusammen mit der im Oktober 2021 eröffneten Bühne Aarau zu einem attraktiven Co-Produktionspartner für hiesige Theaterschaffende werden. Mit dem künftigen Bühne-Aarau-Leiter Peter Kelting führt Heinrichs Gespräche über mögliche Kooperationen. Mit Heinrichs erster Saison gehen zwei Wanderbühnen-Jahre zu Ende, in denen das Kurtheater Badener Locations wie das Nordportal oder das Royal bespielt hatte. Ausgerechnet einer, der selbst mit einer Wanderbühne getourt ist, soll das Haus nun wieder fest im Kurpark verankern. Heinrichs war vor seinem Engagement in Baden neun Jahre Dramaturg beim Theater Kanton Zürich, das hauptsächlich auf Tournee geht.

Heinrichs Vorgängerin Barbara Riecke hatte das Kurtheater von 2007 bis 2016 mutig in die Zukunft navigiert. 2009 wurde es als erstes Gastspielhaus überhaupt vom Fachmagazin «Theater heute» zum Schauspielhaus des Jahres nominiert. Riecke sprach ein anspruchsvolles Publikum an, das die Perlen aus dem deutschsprachigen Theater zu schätzen wusste. Und so kommt’s, dass die viel gelobte «Faust»-Inszenierung von Nicolas Stemann, die der frisch gebackene Intendant des Schauspielhauses Zürich im letzten Jahr zur Eröffnung seiner Intendanz im Gepäck hatte, die Besucher des Kurtheaters Baden bereits 2012 zu Gesicht bekamen.

Heinrichs, der den Spielplan erst im Juni verraten will, setzt auf Kontinuität. Er will den internationalen Gastspielbetrieb fortsetzen. Dafür ist der gebürtige Rheinländer, der die Presseabteilungen des Schauspielhauses Hamburg, der Berliner Schaubühne, des Stadttheaters Bern und des Theaters Neumarkt geleitet hat, bestens vernetzt. An die fünfzig Produktionen will er jährlich zeigen, bei einem Programmbudget von ca. 700000 Franken. Stärken will er die Zusammenarbeit mit der hiesigen Theaterszene. Für die erste Spielzeit kommt das Haus aber noch ohne grosse Eigenproduktion aus. Geplant ist bis jetzt jedoch eine Kleine.

Heinrichs Biografie ist geprägt vom Spannungsfeld zwischen dem Wirken in pulsierenden Metropolen und in der Peripherie. Er hat eine Lehre zum Industriekaufmann in einer Papierfabrik absolviert. Als eine Zweigstelle jener Firma ihn nach Dortmund spülte, schnupperte Heinrichs erstmals Theaterluft, holte sein Abitur nach und landete in den 1990ern in Berlin, wo er an der Freien Universität Germanistik und Theaterwissenschaften studierte. Im aufregenden Berlin kam er in Berührung mit dem Volksbühnen-Theater Frank Castorfs, mit Christoph Marthaler und Christoph Schlingensief.

Regie-Arbeit brachte ihm Nomination ein

Der spätere Star-Regisseur und Berliner-Schaubühnen-Intendant Thomas Ostermeier lebte bei ihm damals als Student zur Untermiete. «Er war damals anfangs zwanzig und wollte unbedingt ans Theater», erinnert sich Heinrichs und lacht. «Ein schlaksiger Kerl, der Schauspieler werden wollte.» Eine befreundete Regieassistentin meinte damals: «Das wird wohl nix mit dem.»

Heinrichs bisher letztes Regie-Projekt «Boy Wonder» heimste ihm 2005 eine Theater-heute-Nomination als bester Nachwuchsregisseur des Jahres ein. Inszeniert hat er es aber nie wieder. «Vielleicht machen wir in Baden ein Revival, in einem Late-Night-Format, wer weiss.»

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