Ein Pirat ohne Säbel oder ein Cowboy ohne Revolver - für Kinder an der Fasnacht ist das kaum vorstellbar. Wie die «SonntagsZeitung» am Sonntag berichtet hat, verbieten einige Kindergärten, Kitas und Schulen Spielzeugwaffen an der Kinderfasnacht. In der Schule Herrliberg (ZH) sind Chäpsli-Pistolen und ähnliche Spielzeugwaffen sogar das ganze Jahr hindurch verboten.

Ermessenssache

Auch Schulen in der Region haben den Gebrauch von Spielzeugwaffen klar geregelt. In der Primarschule Tannegg in Baden sind Spielzeugwaffen verboten. Würde eine Klasse an einer Kinderfasnacht teilnehmen, dürften Kinder unter Umständen Spielzeugwaffen auf sich tragen. «Die Klassenlehrperson könnte dann selber entscheiden, ob Chäpsli-Pistolen erlaubt wären», erklärt Guido Arnet, Schulleiter der Primarschule Tannegg. «Da in diesem Jahr keine Schulfasnacht durchgeführt wurde, hat sich die Frage gar nicht gestellt», sagt er.

Generelles Verbot

An der Oberstufenschule in Spreitenbach werden Waffen aller Art in keiner Weise toleriert. In der Schulordnung ist festgehalten, dass weder Waffen, Waffenattrappen noch Laserpointer in die Schule mitgebracht werden dürfen. Auch in Killwangen sind Waffenattrappen während der Unterrichtszeit nicht erwünscht. «Sie können aber, wenn es das Thema zulässt, im Unterricht behandelt werden», sagt Schulleiter Urs Bolliger.

Keine Regelung bezüglich Spielzeugwaffen gibt es an der Schule Stetten. «Falls es doch plötzlich Vorfälle geben würde, müsste im Unterricht Aufklärungsarbeit geleistet werden», sagt die Schulleiterin Martina Brühl.

Dass Schulen in ihren Hausordnungen Verbote von Spielzeugwaffen festschreiben, findet Hans-Peter Schmidlin, Kinder- und Jugendpsychologe und Leiter des schulpsychologischen Dienstes des Kantons, verständlich. «Es gibt überhaupt keinen Grund, warum Kinder Waffenattrappen mit sich tragen sollten», sagt er.

Macht der ausserordentliche Anlass den Unterschied?

Dabei müsse aber ganz klar zwischen Schulalltag und ausserordentlichen Anlässen wie einer Kinderfasnacht oder einer Theaterproduktion unterschieden werden. «An solchen Anlässen sollten Spielzeugwaffen erlaubt sein», hält der Psychologe fest.

«Ein grundsätzliches Verbot ist nicht der richtige und zielführende Weg in der Gewaltprävention», sagt er. Denn Verbote, ergänzt er, würden die Faszination für Spielzeugwaffen nur verstärken. «Viel wichtiger ist es, das Kind im Umgang mit Spielzeugwaffen zu sensibilisieren», sagt Schmidlin. Auch sollten Eltern klare Regeln aufstellen, die das Kind beim Spielen mit Chäpsli-Pistolen einhalten soll.

Einen Bericht zum Thema hat Tele M1 ausgestrahlt

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