Ein junger Patient mit massiven Hirn- und Beinverletzungen muss innert 24 Stunden vom Akutspital in die Rehaklinik verlegt werden. Während die Organisation auf Hochtouren läuft, fährt die Ambulanz mit einer Frau in kritischem Zustand ein, deren Atmung teilweise unterstützt werden muss.

So und noch hektischer könnte ein Alltag der Rehaklinik Bellikon aussehen. Grund: «Im letzten Jahr ist die Anzahl der schwer verletzten Personen markant gestiegen», erklärt Sönke Johannes, Chefarzt der Rehaklinik Bellikon.

Diese Entwicklung fordere die Reha nicht nur personaltechnisch heraus. Wie Sönke Johannes erklärt, sind die Tarife für die Behandlung von schwer verletzten Personen nicht kostendeckend. Wieso aber gibt es immer mehr Schwerverletzte und ab welchem Verletzungsgrad gilt ein Mensch als schwer verletzt?

Immer mehr schwerverletzte Patienten in der Reha

Immer mehr schwerverletzte Patienten in der Reha

Es sterben weniger Unfallopfer

«In der Medizin sprechen wir bei einer Mehrfachverletzung von einem Polytrauma», erklärt Johannes. Patienten mit einem Polytrauma hätten an mindestens zwei Körperregionen schwere Verletzungen, «zum Beispiel am Gehirn und der Wirbelsäule oder am Brustraum und an den Beinen».

Ursachen für die steigende Zahl an Schwerverletzten gebe es verschiedene. «Die verbesserte Notfallrettung und die verbesserte medizinische Betreuung in den Akutspitälern haben zur Folge, dass viel mehr Menschen schwere Verletzungen überleben», erklärt Johannes.

Eine weitere Ursache sei, dass Patienten früher und schwerer betroffen aus den Akutspitälern in die Rehakliniken überwiesen werden. Neuerdings seien darunter auch Patienten, deren Atmung unterstützt werden müsse.

«Die Frühentlassung ist ein Trend, den wir seit einigen Jahren beobachten.» Inwiefern dabei die Einführung der Fallpauschalen in den Schweizer Spitälern (DRG) eine Rolle spiele, könne nicht nachgewiesen werden. «Im letzten Jahr hat sich jedenfalls die Zunahme an Schwerverletzten nochmals deutlich verstärkt.» Das sei ein Trend, mit dem die Rehaklinik mithalten müsse. Ein Trend, der herausfordere.

Neues Abrechnungssystem in Sicht

Patienten mit einer schweren Verletzung brauchen eine stärkere ärztliche Aufmerksamkeit, eine intensivere pflegerische Betreuung sowie mehr Therapien. «Das erfordert mehr Personal.» Um die Versorgung sicherzustellen, habe die Rehaklinik 2011 das Personal von 429 auf 441 erhöht.

Es genüge jedoch nicht, einfach mehr Personal anzustellen. «Wir sind gefordert, unser Personal effizient einzusetzen.» Dabei müsse darauf geachtet werden, welche finanziellen Auswirkungen die höheren Personalkosten hätten.

Grund: «Die Tarife für die schwer verletzten Patienten sind nicht kostendeckend», gibt Johannes zu bedenken. Als Klinik der Suva profitiere die Rehaklinik Bellikon jedoch nicht von staatlichen Subventionen. «Wir führen eine eigene Rechnung und sind gefordert, ein ausgeglichenes Betriebsergebnis vorzulegen.»

Ab 2015 sollen auch Rehakliniken ein einheitliches Abrechnungssystem haben. «Dieses richtet sich nach dem Schweregrad der Verletzung und nicht nach der Diagnose», erklärt Johannes. Zu jener Zeit wird die Rehaklinik mitten in einem grossen Umbau stecken. Wie Burga Martinelli, Mediensprecherin der Rehaklinik, mitteilt, werden Neuigkeiten in Sachen Umbau frühestens Ende Juni bekannt gegeben.