Baden
Spitzennoten und Spitzentanz – die Welt von Ambika

Baden Kantonsschülerin Ambika Mukherjee ist in den USA für ihre hervorragenden schulischen Leistungen ausgezeichnet worden. Nun hat sie grosse Chancen, an einer der Elite-Unis der Welt studieren zu können. Ihr grösster Traum: Den Nobelpreis in Physik zu gewinnen.

Ursula Burgherr
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Ambika Mukherjees Leidenschaften: Ballett und Physik. Ihr Motto: «Stetig besser werden.»

Ambika Mukherjees Leidenschaften: Ballett und Physik. Ihr Motto: «Stetig besser werden.»

Sandra Ardizzone

Die zartgliedrige 18-Jährige steht an der Treppe zur Kanti Baden und winkt. Bei der Begrüssung streicht sich Ambika Mukherjee etwas verlegen durch die schwarzen langen Haare. Dann lächelt sie zurückhaltend. Im Physiklabor taut das Eis rasch auf. Hier an den langen Experimentiertischen mit all den Geräten fühlt sich die kurz vor der Matura stehende Schülerin offensichtlich wohl. Anfang 2016 gewann sie eine Silbermedaille an der Physikolympiade in Aarau und überflügelte mit ihrem Wissen Hunderte von Konkurrenten. «Im Finale war ausser mir nur noch ein Mädchen dabei», erzählt sie und lacht. Auch in ihrer Kanti-Klasse gibt es keine Schülerin, die ein derart ausgeprägtes Interesse für Physik hat und so gute Leistungen bringt wie Ambika. Dass sich sonst meist die Jungs als Cracks in den naturwissenschaftlichen Fächern erweisen, ist für sie kein Mass: «Ich kann in diesem Gebiet genau gleichgute Arbeit leisten wie ein Mann», meint die gebürtige Inderin und lässt ihre schwarzbraunen Augen funkeln. Sie ist eine hübsche junge Frau, kokettiert aber in keinem Moment mit ihrem Aussehen. Leistungen sind ihr wichtiger als Äusserlichkeiten. Shopping, Ausgang, Make-up – alles gern ab und zu, aber eigentlich Nebensache. Ambika bezeichnet sich als selbstbewusst. Auf die Frage, wie sie ihr Selbstbewusstsein erlangt hat, meint sie: «Ich habe etwas gefunden, dass ich gut kann, bin drangeblieben und habe jahrelang hart gearbeitet. Mein Ziel ist es, stetig besser zu werden.» Das klingt ehrgeizig.

Ambika Mukherjees.

Ambika Mukherjees.

zvg

Die Musterschülerin

Ambika wurde in Kalkutta geboren. Beide Eltern stammen aus guten mittelständischen Verhältnissen, der Vater ist Ingenieur bei Ansaldo Energia und die Mutter Inhaberin der Sprachschule «English Centre» in Baden. Die bestmögliche Bildung für ihr Kind war für beide unerlässlich. Wenn Ambika sagt, dass die Eltern zwar streng waren, aber nie pushen mussten, und sie ihre Leistungen nur immer aus eigenem Willen erbrachte, glaubt man ihr. Durch ihren familiären Background ist Disziplin für sie selbstverständlich geworden. «Mein Vorbild ist Papa», sagt sie und fügt hinzu, «er hat immer hart gearbeitet, damit wir uns jedes Jahr Ferien leisten konnten. Das hat mich geprägt.» Ihre Kinderjahre verbrachte die junge Frau in Ober- und Untersiggenthal, wo der Vater ein Projekt hatte. «Wir planten die Rückkehr nach Indien, aber dann gefiel es uns hier so gut, dass wir bleiben wollten», erzählt Ambika in fliessendem Schweizerdeutsch. Gerade als sie sich eingelebt hatte, ging es 2012 wegen eines neuen Auftrags nach Connecticut, USA. 2014 kam dann der endgültige Umzug in die Schweiz zurück nach Untersiggenthal. Ambikas Traum wurde wahr: «Ich will die Matura unbedingt hier an der Kanti machen.» In den USA blieb ihr Potenzial nicht unbemerkt. Stolz packt Ambika ihr Diplom aus, dass ihr von der amerikanischen «National Society of High School Scholars» für herausragende schulische Leistungen verliehen wurde. Es ist das Eintrittsticket für eine der Eliteuniversitäten wie Harvard oder Stanford etc. angenommen zu werden. Alle Prüfungen, die dafür nötig waren, meisterte sie mit Spitzennoten. Obwohl ihr nun viele Wege offen stehen, bleibt sie auf dem Teppich: «Erst mal den Abschluss schaffen, dann schau ich weiter.» Ihr grosser Wunsch: «Karriere in einem wissenschaftlichen Beruf zu machen.» Ihr absoluter Traum: «Den Nobelpreis in Physik zu gewinnen.»

Sie hat Köpfchen und ist sportlich

Ambika ist wegen ihrer Eltern viel in der Welt herumgekommen. Obwohl sie jedes Jahr ihre Grossmutter in Kalkutta besucht, fühlt sie sich mehr europäisch als indisch. Eingewöhnungsschwierigkeiten hatte sie nirgends. «Natürlich vermisste ich Freunde, die ich wegen unserer Umzüge aufgeben musste. Aber ich machte immer schnell neue Kontakte», erzählt sie. Trotz ihrer Leidenschaft für Physik ist die Kantischülerin alles andere als ein Nerd. Seit 13 Jahren tanzt sie klassisches Ballett, heute bei Graf-Weissbarth in Brugg/Hausen. Und leitet die Frauengymnastikgruppe beim STV Untersiggenthal. 2017 wird sie in ihrem ersten Solopart in «Peterchens Mondfahrt» auf der Bühne des Badener Kurtheaters debütieren. Wie ihre Eltern ist Ambika Hindu mit internationaler Prägung. «Wir sind eine offene indische Familie. Und ich war immer ein braves Mädchen», bekundet Ambika und muss lachen, dass sie sich selber grad so bezeichnet hat. Dann steht sie auf und braust davon. Der Physikunterricht geht los. Und den will sie auf keinen Fall verpassen.