Wettingen

Sport-Fachstelle steht auf der Kippe – Einwohnerrat entscheidet über Anlaufstelle

Jubeln sie zu früh? Die Frauen von Rotweiss Wettingen könnten dereinst von der Fachstelle profitieren.

Jubeln sie zu früh? Die Frauen von Rotweiss Wettingen könnten dereinst von der Fachstelle profitieren.

Der Wettinger Einwohnerrat entscheidet am Donnerstag über eine Anlaufstelle für Sportvereine. Obwohl es zwei Vorstösse gab, ist die Stelle unter anderem wegen den geplanten Lohnkosten umstritten. Nun kämpft der Gemeinderat Philippe Rey für das Kompetenzzentrum.

Obwohl der Einwohnerrat am Montag gerade erst eine Sitzung hatte, steht am Donnerstag gleich eine weitere an – wiederum im neu sanierten Tägisaal. Dabei wird vor allem der Antrag des Gemeinderats, eine Fachstelle Sport ins Leben zu rufen, für Diskussionen sorgen. Obwohl es zwei Vorstösse aus dem Einwohnerrat gab, die eine solche Stelle zum Thema hatten, ist sie umstritten.

Die Finanzkommission wird die Stelle zur Ablehnung empfehlen – von den sieben Mitgliedern sind vier dagegen, drei dafür. «Die vorherrschende Meinung ist, dass es keine Fachstelle Sport benötigt. Freiwilligenarbeit muss nicht verstaatlicht werden», sagt Fiko-Präsident François Chapuis (CVP). Es gäbe ja bereits jemanden, der die Sportkoordination mache, namentlich die Turn- und Sportvereinigung Wettingen (TSVW).

Philippe Rey setzt sich für die Sport-Fachstelle ein.

Philippe Rey setzt sich für die Sport-Fachstelle ein.

Gemeinderat Philippe Rey (parteilos), der für das Ressort Sport zuständig ist, sagt dazu: «Bei der geplanten Stelle geht es nur zu einem kleinen Teil um Koordination, hauptsächlich wollen wir damit der sportaffinen Gemeinde Wettingen gerecht werden und unseren über 50 Sportvereinen eine einzige Anlaufstelle, einen Mehrwert bieten.» Die Fachstelle soll ein «Kompetenzzentrum» für Bevölkerung, Vereine und Schulen sein und – unter anderem – die verschiedenen Sportakteure miteinander vernetzen und die Angebote von Bewegung und Sport in Gemeinde und Region vermarkten.

Lohnkosten warfen Fragen auf

Auch andere Gemeinden hätten solche Fachstellen, die ebenfalls nur wenig mit Koordination zu tun hätten, zum Beispiel Aarau, Baden und Bad Zurzach. Für eine Gemeinde wie Wettingen mit rund 21'000 Einwohnern und diversen Sportaussenplätzen und Sporthallen, mehreren Fussballplätzen und der renovierten Tägi-Anlage sei die Kundenfreundlichkeit heute nicht gewährleistet.

Deshalb: «Die Dienstleistungen im Bereich Sport sollen weit möglichst aus einer Hand angeboten werden», schreibt der Gemeinderat in seinem Antrag. Dabei soll sich der TSVW künftig vermehrt als Sportlobby für Sportbelange einsetzen können, statt sich hauptsächlich mit administrativen Aufgaben zu beschäftigen. «Eine integrierte Fachstelle Sport würde alle Prozesse beschleunigen und die Kundenzufriedenheit erhöhen.»

Besetzt würde die Stelle mit einer sportaffinen Person in einem Teilzeitpensum von 50 Prozent. Das im Antrag beschriebene Stellenprofil warf bei manchem Fragen auf. Voraussetzungen sind ein Mindestalter von 25 Jahren, eine abgeschlossene Berufsausbildung, idealerweise im kaufmännischen Umfeld und möglichst Erfahrungen im Bereich Jugend und Sport: «In der Privatwirtschaft würde keine Firma einem 25-Jährigen für dieses Stellenprofil diesen Lohn, hochgerechnet auf 100 Prozent sind es 100'000 Franken, bereitstellen», sagte Andrea Bova von der IG Attraktives Wettingen zu dieser Zeitung.

Die Rückmeldungen seien positiv

Das stimme so nicht, sagt Rey: «Bei den im Antrag festgehaltenen Lohnkosten handelt es sich um den maximal möglichen Betrag, basierend auf der üblichen Lohnskala für einen 46-Jährigen mit einem Bachelor­abschluss.» Wenn es am Ende eine 25-jährige Person sei, die sich am besten für die Stelle eigne, dann werde der Lohn natürlich dementsprechend auf dessen Arbeitserfahrungen und Ausbildung angepasst: «Man muss keinen Bachelor abgeschlossen haben, es ist uns vor allem wichtig, dass die Person gerne kommuniziert und leicht Verbindungen herstellen kann», sagt Rey.

Die Rückmeldungen, die er auf die Vorlage erhalten habe, seien bisher durchweg positiv: «Alle sind sich einig, dass es so eine Stelle braucht, aber Geld dafür will niemand ausgeben.» Doch gratis gäbe es das nun mal nicht. Er werde am Donnerstagabend auf jeden Fall «wie ein Sportslöwe dafür kämpfen, damit auch die zahlreichen Sportvereine in Wettingen endlich eine Anlaufstelle bekommen», bekräftigt Rey.

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