600 neue Wohnungen
Spreitenbach hofft auf gutbetuchte Einwohner – dank dieser Doppel-Hochhäuser

Die Gemeinde Spreitenbach erhofft sich mit dem Zentrum Neumatt eine finanzielle Kehrtwende.

Claudia Laube
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In den Hochhäusern sind keine Luxuswohnungen, aber Wohnungen für gut verdienende Menschen geplant. zvg/Visualisierung

In den Hochhäusern sind keine Luxuswohnungen, aber Wohnungen für gut verdienende Menschen geplant. zvg/Visualisierung

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Etwa 600 Wohnungen im mittleren und höheren Preissegment sind im Zentrum Neumatt in Spreitenbach geplant. Dessen Erkennungszeichen werden die zwei rund 100 Meter hohen Doppelhochhäuser sein; die künftig höchsten im Kanton Aargau. Das Zentrum soll ausserdem die umliegenden Quartiere miteinander verbinden. Dazu gehören auch Grünflächen und ein Stadtplatz – als neuer Empfangsplatz bei der künftigen Haltestelle der Limmattalbahn. Zudem soll ein Stadtpark entstehen, der in Etappen realisiert werden soll.

Bis Mitte April lagen die Unterlagen für die Teiländerung der Bau- und Nutzungsordnung BNO sowie der Gestaltungsplan Neumatt zur öffentlichen Mitwirkung auf. 9 Mitwirkende reichten dazu 60 Anliegen und Fragen ein, die zu einem grossen Teil entweder im Gestaltungsplan eingeflossen sind oder einfach beantwortet wurden.

Schnelles Wachstum

Kürzlich wurde die Bevölkerung an einem Politapéro über die Auswertung dieser Mitwirkung informiert, aber auch über das Verkehrskonzept während der bald startenden Bauarbeiten der Limmattalbahn auf Spreitenbacher Boden. «Die Veranstaltung war überdurchschnittlich gut besucht», sagte Gemeinderat Markus Mötteli (CVP) auf Anfrage. «Wir mussten sogar mehr Stühle aufstellen.»

Der Gemeinderat nahm Stellung zu den eingereichten Mitwirkungen. So waren Vorschläge und Anregungen zum Stadtplatz und -park, zu Freiräumen, Lärm und Mobilität eingereicht worden. Aber auch Fragen zu den finanziellen Auswirkungen auf die Gemeinde wurden gestellt, zum Beispiel zu Infrastruktur und Steuern.

So geht der Finanzplan 2019 bis 2023 von einem Bevölkerungswachstum von 12 000 auf 14 500 Einwohnern aus. Ob die Gemeinde bei einem solchen Bevölkerungswachstum überhaupt mit der Infrastruktur, sei es bei den öffentlichen Diensten oder beim Schulraum, mithalten könne, war die Frage eines Mitwirkenden. Mit dem Neubau des Gemeindehauses sei ein Zuwachs auf 15 000 Einwohner abgedeckt, schreibt der Gemeinderat in seiner Antwort. Mit dem Anbau beim Schulhaus Boostock und dem beabsichtigten Umbau des heutigen Gemeindehauses werde der erforderliche Schulraum zur Verfügung gestellt. Auch der Neubau einer Turnhalle sei vorgesehen.

Doch nicht nur das Zentrum Neumatt würde die Einwohnerzahl anwachsen lassen, sondern auch das Projekt «Tivoli Garten», für das aktuell zwei Baugesuche aufliegen. Zudem wurde kürzlich der «Limmatspot» mit Multiplexkino sowie die Überbauung Kreuzäcker mit dem «Hilton Hotel Garden Inn» fertiggestellt. Der Gemeinderat erhofft sich mit diesen baulichen Entwicklungen eine Kehrtwende. Es werde ein positiver Effekt auf die Steuereinnahmen und auf das Image erwartet. Denn: «Spreitenbach braucht dringend qualitativ hochwertige Entwicklungen – wie eben im Neumatt».

Dieses Projekt leiste mit rund 600 Wohnungen einen Beitrag von ungefähr 1100 Bewohnern. Die Wohnungen seien betreffend Grösse und Ausstattung gezielt darauf ausgerichtet, eine passende Zielgruppe mit mittleren bis höheren Einkommen anzusprechen. Qualität und Vorzüge der Wohnungen nehme nach oben hin zu, wie auch die Höhe der Mietpreise.

Apropos Höhe: Die Höhe der beiden Hochhäuser sorgte nur für eine einzige Eingabe. Zehn Stockwerke weniger hätten es doch auch getan, fand einer. Das hingegen findet der Gemeinderat nicht und schrieb in seiner Mitwirkungsantwort: «Ob ein Hochhaus zehn Stockwerke mehr oder weniger aufweist, ist aus der Nähe kaum spürbar.» Die neuen Doppelhochhäuser würden die Mitte von Spreitenbach anzeigen. «Anschliessend fallen die Gebäudehöhen stetig ab und bilden eine stimmige städtebauliche Silhouette.»

Kein Plan B

Die öffentliche Auflage des Gestaltungsplans Neumatt Süd ist auf den Herbst geplant. Die Teiländerung der BNO hingegen soll schon bald aufgelegt werden. Wenn alles reibungslos läuft, kann die Bevölkerung am 26. November an der Gemeindeversammlung darüber abstimmen. Deshalb wollte ein Besucher des Politapéros wissen, ob denn die Bauherren einen Plan B hätten, sollte die Nutzungsänderung von der Bevölkerung abgelehnt werden? Nein, den hätten sie nicht. Gemeinde und Bauherren, ein Fonds der Credit Suisse, hoffen darauf, dass die Bevölkerung das Potenzial des Zentrums Neumatt ebenso erkennt und der Teiländerung zustimmt.

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