Gemeindeversammlung
Spreitenbach organisiert sich neu: So lief die «Gmeind» in der Sporthalle Seefeld

Nach Blitz-Rücktritt von Gemeindepräsident Marcel Lang: Die Bevölkerung stimmt der Trennung von Gemeindepräsidium und Verwaltungsleitung zu.

Claudia Laube
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Kein Vergleich zum Mega-Aufmarsch im Januar (links): Die Wintergmeind vom Dienstagabend in der Mehrzweckhalle Seefeld in Spreitenbach.

Kein Vergleich zum Mega-Aufmarsch im Januar (links): Die Wintergmeind vom Dienstagabend in der Mehrzweckhalle Seefeld in Spreitenbach.

Colin Frei/Britta Gut

Spreitenbach hat ein ausserordentlich bewegtes Jahr hinter sich – auch ganz ohne Coronapandemie. Zum Einen war da der Blitz-Rücktritt von Gemeindepräsident Marcel Lang nach nur 22 Tagen im Amt, zum anderen die letzte Gemeindeversammlung im Januar, die ebenso in die Dorf-Annalen eingehen wird: Rund ein Fünftel der stimmberechtigten Bevölkerung, 925 von damals 4731 stimmberechtigten Personen, hatten sich in der Umweltarena eingefunden.

Dabei ging es den meisten hauptsächlich um das Traktandum, das der Gemeinde ein neues Zentrum beschert hätte. Die Anwesenden hatten dieses aber mit grosser Mehrheit bachab geschickt. An der gestrigen Wintergmeind stand kein solch emotionales Thema auf dem mit zwölf Traktanden reich befrachteten Programm. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass gerademal 116 Stimmberechtigte den Weg in die geräumige Sporthalle Seefeld fanden.

Die Halle ermöglichte es der Gemeinde, die Wintergmeind mit Schutzkonzept durchzuführen – auch wenn sie diese deshalb um 15 Tage verschieben musste. Schon die im Januar durchgeführte Wintergmeind war zuvor verschoben worden, weil der Besucheraufmarsch im November 2019 die Kapazitäten der Turnhalle Boostock, in der normalerweise die Gemeindeversammlungen stattfinden, sprengte und deshalb abgebrochen werden musste.

Hatte im Janur noch alt Gemeindepräsident Valentin Schmid durch die Mega-Gmeind geführt, der im Anschluss danach auch gleich noch seinen Rücktritt verkündete, übernahm diese Funktion nun gezwungenermassen Vizepräsident Markus Mötteli (CVP). Er war im Frühling im Kampf um das Gemeindepräsidium dem parteilosen Marcel Lang unterlegen, der deutlich zum Nachfolger von Valentin Schmid gewählt worden war.

Um seine Gesundheit zu schützen, warf Lang aber nach kurzer Zeit im Amt bereits wieder das Handtuch. Dieser Rücktritt war sozusagen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und in der Gemeinde einen Prozess in Gang brachte: Eine Reorganisation. Bisher war der Gemeindepräsident nämlich immer auch Verwaltungsleiter, was zu einer Doppelbelastung führte.

Um das künftige Oberhaupt zu entlasten, will der aktuell auf vier Köpfe reduzierte Gemeinderat eine Verwaltungsleitungsstelle schaffen und legte den dazugehörigen Antrag den Stimmberechtigten zur Genehmigung vor.

Diese gaben klar ihren Segen: Nur einer stimmte dagegen. Der nächste Gemeindepräsident wird deshalb sein Amt neu mit einem reduzierten Pensum ausüben und dieses nach der Wahl Ende März 2021 in einem Pensum von 80 Prozent starten. Ein Antrag eines Stimmberechtigten, das Start-Pensum des Präsidenten auf 60 Prozent festzulegen, fand kein Gehör.

Steuerfuss wird auf 105 Prozent gesenkt

Zum zweiten Mal zur Abstimmung kam zudem die Auslagerung der Spreitenbacher Wasserversorgung. Der Gemeinderat hatte diese bereits an der Mega-Gmeind beantragt, weil der bisherige Brunnenmeister gekündigt hatte und auch keine Bewerbungen auf Stellenausschreibungen eingegangen waren. Doch die Mehrheit der Stimmbevölkerung hatte damals abgelehnt.

Dazu gehörte auch der im Mai neu gewählte Gemeinderat Edgar Benz (SVP), der damals «noch auf der anderen Seite des Mikrofons stand», wie er sagte als er die Vorlage der Bevölkerung vorstellte. «In dieser kurzen Zeit als Gemeinderat habe ich einen Haufen dazugelernt und einen tiefen Einblick in die Wasserversorgung erhalten», sagte er.

Die Wasserversorgung an einen externen Dienstleister auszulagern, sei für das Dorf die beste Lösung. Die Stimmberechtigten haben die Not nun ebenso erkannt und genehmigten das Ansinnen diesmal deutlich. Wie auch das Budget 2021 inklusive einem um drei Prozent tieferen Steuerfuss von 105 Prozent.

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