Spreitenbach/Dietikon
Wegen Limmattalbahn: Dietiker Flugzeuge starten neu in Spreitenbach

Die Modellfluggruppe Dietikon musste ihren Heimatflughafen beim Rangierbahnhof verlassen – einen neuen Flugplatz hat der Traditionsclub in Spreitenbach an der Hardackerstrasse gefunden. Am Namen ändert sich vorerst nichts.

Hans-Caspar Kellenberger
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Walter Schärer, Präsident der Modellfluggruppe Dietikon, auf dem neuen Flugplatz in Spreitenbach.

Walter Schärer, Präsident der Modellfluggruppe Dietikon, auf dem neuen Flugplatz in Spreitenbach.

Severin Bigler

2019 verlor die Dietiker Modellfluggruppe ihren Heimatflughafen im Gebiet «Müsli» beim Rangierbahnhof Limmattal. Die Stadt Dietikon hatte dem Verein damals auf Ende Jahr gekündigt, da genau an diesem Ort das Depot der Limmattalbahn erstellt wird.

Doch der Bau des Depots bedeutete noch lange nicht das Ende für die 1941 gegründete Modellfluggruppe. Die Mitglieder suchten einen neuen Standort für ihren Flughafen und fanden diesen nun auf Aargauer Boden in Spreitenbach. Der neue Flugplatz liegt nördlich der Autobahn und des Rangierbahnhofs, mehr oder weniger vis-à-vis vom alten Platz.

Austritt aus dem Kartell der Ortsvereine Dietikon

Der Austritt aus dem Kartell der Ortsvereine Dietikon ist wegen des Umzugs nun bereits vollzogen. «Es bringt nicht viel, in Dietikon dabei zu sein, wenn wir ab jetzt in Spreitenbach fliegen», sagt Vereinspräsident Walter Schärer.

Noch trägt die Modellfluggruppe die Stadt Dietikon im Namen.

Noch trägt die Modellfluggruppe die Stadt Dietikon im Namen.

Severin Bigler

Weil der Verein seit 1941 «Dietikon» im Namen trägt, möchten die 55 Mitglieder der Modellfluggruppe den Namen auch künftig behalten. «Wenn die Gemeinde Spreitenbach aber den Wunsch äussern würde, machen wir die Namensänderung natürlich», sagt der Geroldswiler Präsident des Dietiker Vereins.

Noch müssen einige Auflagen erfüllt werden

Im Mai 2020 hat der Gemeinderat zudem die Baubewilligung für den Flugplatz ausgesprochen – allerdings mit mehreren Auflagen. Neben der Baubewilligung brauchte es auch noch eine weitere Bewilligung. Denn das Land gehört den Spreitenbacher Ortsbürgern, die es an zwei Bauern verpachtet haben, die es wiederum an die Modellfluggruppe unterverpachtet haben. Diese Unterpacht musste der Spreitenbacher Gemeinderat ebenfalls absegnen – dies geschah im April 2020.

Weil einer der beiden Bauern verstorben ist, gilt der Unterpachtvertrag nur noch bis August 2021. Ein neuer Vertrag ist noch nicht in Aussicht, dafür müssen die Modellflieger zuerst mit der Erbgemeinschaft verhandeln.

Der Flugplatz der Modellfluggruppe Dietikon befindet sich neu in Spreitenbach an der Hardackerstrasse. Bald können hier die Flugzeuge wieder starten.

Der Flugplatz der Modellfluggruppe Dietikon befindet sich neu in Spreitenbach an der Hardackerstrasse. Bald können hier die Flugzeuge wieder starten.

Severin Bigler

Ende April 2021 hat der Verein damit begonnen, die Startbahn auf dem Feld bei der Hardackerstrasse herzurichten. Unter anderem wurde neuer Rasen gesät. Auch bekam der Verein die Zustimmung des Kantons dafür, eine Rasenmäherbox aufzustellen. Für zwei gelbe Materialkisten fehlte jedoch die Zustimmung. Der Verein platzierte sie dennoch auf dem Flugplatz, weil die Materialien am alten Ort in Dietikon nicht mehr gelagert werden konnten.

Da die Flugpiste ausserhalb des Baugebiets in der Landwirtschaftszone liegt, sei eine Zustimmung des Kantons zwingend erforderlich, sagt die Bauverwaltung in Spreitenbach auf Anfrage. Der Verein wird nun aufgefordert, entweder ein Gesuch für eine Projektänderung einzureichen oder die Kisten zu entfernen. Demnächst werde dem Verein das dafür notwendige Schreiben zugestellt, heisst es von der Bauverwaltung.

Der Stein des Anstosses: In dieser gelben Kiste lagert die Modellfluggruppe ihre Utensilien. Aber laut den Behörden ist die Kiste illegal.

Der Stein des Anstosses: In dieser gelben Kiste lagert die Modellfluggruppe ihre Utensilien. Aber laut den Behörden ist die Kiste illegal.

Severin Bigler

Sobald die Modellfluggruppe die Auflagen erfüllt – sprich: die Kisten entfernt oder bewilligen lassen – hat, dürfen die Flieger wieder abheben. «Die Kisten werden natürlich entfernt. Uns lag immer viel daran, ein gutes Verhältnis zur Gemeinde zu haben», sagt Schärer.

«Dieser Ort hier ist der einzige im Limmattal, wo man noch fliegen kann»,

ist sich Präsident Schärer sicher. Die Vereinsmitglieder hatten lange keinen neuen Platz für den Start und die Landung ihrer Modellflugzeuge gefunden. «Das Feld für die Startbahn und der Luftraum sind einzigartig. Zudem hat der Platz eine gewisse Grösse», sagt Schärer weiter.

Das Flugfeld liegt weit entfernt vom Wohngebiet und störe sicher niemanden. Lärm sei in der heutigen Modellfliegerei mit Elektroantrieben sowieso kein Thema mehr sei. Als Verein habe man nur gute Absichten. Die nächsten Flächen, auf denen überhaupt eine Landebahn für Modellflugzeuge gebaut werden könnte, wären erst in weiter Ferne, tief im Aargau zu finden. Die Vereinsmitglieder wollen aber nicht für jeden Flug über 40 Kilometer fahren. «Das wäre nicht sehr ökologisch», sagt Schärer.

Modellfliegen inspiriert Menschen in ihrer Berufswahl

Die Modellfluggruppe Dietikon ist auch Mitglied des Schweizerischen Modellflugverbands (SMV) und des Aeroclubs, ein Verband für alle Berufe und Sportarten im Aviatik-Bereich. «Fliegen ist anspruchsvoll. Wir bringen Menschen dazu, es beruflich machen zu wollen. Piloten brauchen wir auch in 20 Jahren noch, trotz CO2», sagt Schärer. Der Verein bekomme laufend Anfragen von Jugendvereinen aus Spreitenbach. Sie rennen bei Schärer offene Türen ein. «Wir wollen natürlich kein Seniorenverein sein», sagt Schärer.