Als jüdische Mustersiedlung verklärt, war Theresienstadt in Tat und Wahrheit ein Konzentrationslager. Die Nazis missbrauchten es zu Propagandazwecken. Besuchern zeigte das Regime etwa künstlerisch tätige Juden in harmonischem Zusammenleben.

Was unerwähnt blieb: Auch diese Juden lebten unter widrigen Bedingungen und wurden schliesslich nach Auschwitz deportiert – getötet. In Theresienstadt gediehene Kunst, die überliefert ist, bringt Daniel Pérez nun im Rahmen seiner Masterarbeit zur Aufführung.

Es sind Lieder und Gedichte, die in der Villa Boveri erklingen, aber auch Briefe werden gelesen, die schwer zu ertragen sind.

Sehnsucht, Freiheit und Erlösung

«Die künstlerische Beschäftigung war seelische Nahrung für diese Menschen», stellt Pérez fest. Heute Abend steht er selbst auf der Bühne und interpretiert Lieder unter Begleitung verschiedener Instrumente.

Die Texte handeln von Sehnsucht, von der Freiheit, von der Erlösung. Ilse Weber schrieb: «Ich wandre durch Theresienstadt, das Herz so schwer wie Blei. Bis jäh mein Weg ein Ende hat, dort knapp an der Bastei.»

Den schweren Inhalt, der musikalischen Nachklang findet, will Pérez als Sänger versuchen nachzuempfinden. Wie nahe geht einem jungen Studenten die monatelange Beschäftigung mit diesem erdrückenden Stoff?

«Es hat mich sehr mitgenommen», erklärt Pérez und ergänzt: «Das ist erst recht ein Grund dafür, sich mit verfemten Komponisten zu beschäftigen. Die Musik der jüdischen Komponisten ist grossartig.»

Theresienstadt: Heute, 20 Uhr, Gartensaal Villa Boveri, Baden.