Lucie-Prozess

Staatsanwalt zieht Lucie-Urteil weiter: «Wir sind das der Gesellschaft schuldig»

Staatsanwalt Dominik Aufdenblatten beantwortet die Fragen der Journalisten.

Staatsanwalt Dominik Aufdenblatten beantwortet die Fragen der Journalisten.

Daniel H. wurde des Mordes schuldig gesprochen und sitzt eine lebenslängliche Freiheitsstrafe mit anschliessender Verwahrung ab, die allerdings nicht lebenslänglich ist. Der Staatsanwalt akzeptiert dies jedoch nicht und zieht das Urteil weiter.

Staatsanwalt Dominik Aufdenblatten akzeptiert das Urteil einer «normalen» Verwahrung gegen Lucie-Mörder Daniel H. nicht. Er zieht das Urteil weiter vors Obergericht und will damit die umstrittene Frage der lebenslänglichen Verwahrung gerichtlich überprüfen lassen.

Als Begründung für den Weiterzug gab Aufdenblatten der az an: «Daniel H. ist meiner Meinung nach ein extrem gefährlicher Täter und langfristig nicht therapierbar. Weil er zudem manipulativ ist und seine echten Motive nicht preisgibt, habe ich mich zu diesem Schritt entschieden.»

Ebenfalls müsse man die maximale Sicherheit der Öffentlichkeit gewährleisten, was nur mit einer lebenslänglichen Verwahrung möglich sei, so der Staatsanwalt.

Bereits kurz nach der Urteilsverkündung war Aufdenblatten mit dem Entscheid nicht «vollständig zufrieden». «Diese Abteilung des Bezirksgerichts Baden ist sehr erfahren, sie hat sicher ein vertretbares Urteil gefällt. Allerdings ist die Tat von Daniel H. das Extremste, was ich je gesehen habe. Deshalb bin ich der Meinung, dass hier auch die härteste Massnahme zur Anwendung kommen sollte. Und das ist nun mal die lebenslängliche Verwahrung.»

Matthias Fricker, Daniel H.s Verteidiger, ist über den Weiterzug des Urteils nicht erstaunt: «Aufgrund der Aussagen des Staatsanwalts unmittelbar nach der Urteilsverkündung war ein Weiterzug zu erwarten», sagt er.

Trezzinis: «Wir sind sehr zufrieden»

Heute Nachmittag, kurz nach 13 Uhr, erreicht die az Aargauer Zeitung ausserdem Nicole und Roland Trezzini am Telefon.

Beide wussten vom Weiterzug des Urteils noch nichts: «Das ist eine sehr schöne Neuigkeit. Wir sind damit natürlich sehr zufrieden. Nach dem Urteil waren wir enttäuscht, obwohl sich mit dem Unterschied der beiden Verwahrungsmöglichkeiten nicht viel ändert. Aber für uns ist das wichtig», sagt Roland Trezzini gegenüber der az und ergänzt: «Wir wollen, dass er nie mehr rauskommt. Wir wissen, dass diese Chance sehr klein ist, aber wenn er unter Auflage rauskommen sollte, hätten wir die ganze Zeit ein schlechtes Gefühl.»

Am Dienstagnachmittag plädierte Aufdenblatten vor Gericht auf lebenslängliche Freiheitsstrafe und anschliessender lebenslänglicher Verwahrung gegen Daniel H., die seit der Umsetzung der Verwahrungs-Initiative am 1. August 2008 ausgesprochen werden kann.

Das Gericht kam der lebenslänglichen Verwahrung allerdings nicht nach, Daniel H. soll «normal» verwahrt werden.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1