«Hier hört man, was man sonst nicht erfährt», pries Hauser die Überraschungsführung zu Beginn an. Wo es hingeht, verriet er aber nicht. Mit einer etwas anderen Stadtführung ist Info Baden den verborgenen Schätzen der Stadt an diesem Mittwochabend nachgegangen, mit dabei das Badener Tagblatt. Speziell an der Führung: Das Ganze war eine einmalige Sache, und wo der Rundgang durch gehen würde, wusste nur der Stadtführer – Fredy Hauser. Entworfen hat der langjährige Stadtführer die Tour selbst. «So konnten wir unseren Stadtführern die Möglichkeit bieten, unser Angebot mit ihren eigenen Ideen zu bereichern» », sagt Jacqueline Bysäth, Leiterin Info Baden.


Kapelle ist vielen unbekannt


Passend zum Thema Überraschung gab es dann noch Schauerregen, die 20 Teilnehmer, darunter auch eingesessene Badener, liessen sich aber davon nicht beirren. Gewappnet mit Regenschirmen und Wanderschuhen ging es vom Bahnhof zum letzten Überbleibsel des ehemaligen Gstühl-Quartiers. «Hier wurden Dachstühle für die Stadthäuser hergestellt», sagt Hauser. Dann hiess es: «Stägeli uf, Stägeli ab» – in erster Linie ging es aber bergauf: Am Rebberg der Cordulazunft vorbei, wo der regionale Rosenrebenwein herkommt, bis auf den höchsten Punkt der Schlossruine Stein. Dank der grauen Wolkendecke war die Aussichtplattform ausnahmsweise wie leergefegt. Neben einer fast Rundumsicht auf die ganze Stadt überraschte noch nicht viel bis dahin. Dafür wusste Hauser, weshalb der riesige Baukran neben dem Bezirksgebäude mit Stacheldraht besetzt ist. Im obersten Stock des Gebäudes befindet sich der Gefängnishof, und um jegliche Ausbruchsversuche zu verhindern habe der Kran gesichert werden müssen, so Hauser. Die erste grössere Überraschung bot sich in der Sankt-Nikolaus-Kapelle am Grat des Schlossbergs. Selbst eingefleischte Badener haben die spartanisch eingerichtete Kapelle noch nicht von innen gesehen.
Zur Freude aller gab es dann noch Spanischbrödli, die Badener Spezialität schlechthin und ein Glas Rosenrebenwein. Im Anschluss ging es wieder bergab in die Altstadt. Durch den einstigen Ehgraben, wo im Mittelalter Kot und Abfall lagen, führte der Weg zur katholischen Kirche. Dort sorgte der Besuch im Untergeschoss der Sebastianskapelle für grosse Augen. Das einstige Beinhaus ist noch heute mit Schädeln dekoriert. «Es finden auch heute noch Gottesdienste hier statt», sagt Hauser. Zum Abschluss führte Hauser die langsam durchnässte Gruppe durch eine Tür an der Oberen Halde zur «Steiesel» Werkstatt, wo einst der Stadtmauergraben durchlief. So schafft es die Bäderstadt noch immer, manch einen Kenner zu überraschen.