Baden
Stadt Baden schlägt Mietobjekt als Ersatz für «Royal» vor

Der Stadtrat Baden äussert sich zur Frage, wo nach dem allfälligen Abbruch des ehemaligen Kinos Kultur stattfinden könnte.

Pirmin Kramer
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Das «Royal» ist gemäss kantonaler Denkmalpflege das älteste Kinogebäude im Aargau. AZ/Archiv

Das «Royal» ist gemäss kantonaler Denkmalpflege das älteste Kinogebäude im Aargau. AZ/Archiv

Das «Royal» ist das älteste Kinogebäude des Kantons. Der Eigentümer wollte es 2010 abreissen und an seiner Stelle – bis zum Bau eines definitiven Projektes – vorübergehend Parkplätze errichten.

Eine Interessengruppe opponierte aber erfolgreich gegen den Abbruch; derzeit darf das ehemalige Kino im Sinne einer Zwischenlösung kulturell genützt werden.

Die Zukunft des Gebäudes ist aber nach wie vor ungewiss, wie die neuste Stellungnahme des Badener Stadtrates zeigt. «Die Frage des Erhalts des Gebäudes soll für das Konkurrenzverfahren offen gelassen werden», schreibt die Stadtregierung auf eine Anfrage von Einwohnerrat Hannes Streif (team).

Streif wollte vom Stadtrat konkret wissen, ob er gewillt sei, bei der Planung des Badener Postareals den Erhalt und die Integration des Kinos ernsthaft zu prüfen.

Ausführlicher geäussert hat sich der Stadtrat in seiner Antwort, die der az vorliegt, zum Kulturbetrieb, der derzeit im ehemaligen Kino einen Platz gefunden hat. Müsste der Kulturbetrieb, falls das «Royal» abgerissen wird, aus dem Areal verschwinden?

«Der Wegfall des als Zwischennutzung konzipierten ‹Kulturbetriebes Royal› wäre ein Verlust für Baden», schreibt der Stadtrat. Denn der Betrieb spreche ein Zielpublikum an, das in Baden und der Region kein äquivalentes Angebot finde.

Ein Kulturraum mit ähnlicher räumlicher Qualität an so zentraler Lage werde sich so schnell nicht finden lassen. «Es besteht aber die Möglichkeit, einen neuen Raum als Mietobjekt für kulturelle Nutzungen in die Projektierung einer Neuüberbauung aufzunehmen», schreibt der Stadtrat.

Die Abteilung Kultur sehe sich zwar nicht in der Funktion, einen solchen Raum zu mieten. Sie könnte aber bei der Suche eines potenziellen Nutzers Unterstützung bieten. Es liege auf der Hand, primär die aktuellen Mieter des «Royal» anzufragen.

Die vorliegende Machbarkeitsstudie weise die Möglichkeit für eine kulturelle Nutzung im ersten Untergeschoss aus. Erfahrungsgemäss funktionierten öffentliche Kulturräume in Kellern aber selten. «Ziel müsste es sein, einen Kulturraum im Erdgeschoss zu ermöglichen, was allerdings wesentlich von der Bauherrschaft und deren Zielen abhängt.»

«Vielfalt entwickelt sich in Brachen»

Der Eigentümer (Zuriba AG) war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Zur Idee des Stadtrates äusserte sich aber Einwohnerrat Hannes Streif: «Ein Blick in die Vergangenheit der Badener Kulturszene zeigt: Die Vielfalt entwickelt sich häufig in Brachen – und verschwindet mit ihnen.»

Man denke an den «Falken», die Kleiderfabrik, das «Kuba», den «Brennpunkt» und jetzt das «Royal». «Ich glaube nicht, dass die Form von Kultur, die derzeit im Royal gemacht wird, in einem modernen Gebäude aus Beton und Glas funktionieren würde. Es braucht diese vom Hunger nach Kapitalrentabilität vergessenen Orte.»

Der Verein Royal Baden schreibt auf Anfrage: «Wir haben das stadträtliche Schreiben nicht studiert, aber wenn der Stadtrat findet, der Wegfall des Kulturbetriebes im Royal wäre ein Verlust, dann ehrt uns das. Wir investieren viel Herzblut und Freiwilligenarbeit in ein hochwertiges Programm. In einem der ältesten Kinosaalbauten der Schweiz zu sein, verleiht dem Betrieb eine besondere Note und wird von Künstlern und Besuchern oft bemerkt.»

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