Die Stadt Zürich macht es wiederholt im grösseren Stil vor. Jetzt will sich auch die Stadt Baden im Wohnungsbau engagieren, nachdem sie sich bislang zurückgehalten und sich darauf konzentriert, das Wohnumfeld attraktiv zu gestalten. Das will sie mit einer öffentlich-rechtlichen Stiftung erreichen.

Im Brisgi und im Galgenbuck

Mit ihrer Wohnbaustrategie will sich die Stadt Baden «für ein differenziertes Wohnangebot und eine vielfältige soziale Durchmischung» einsetzen. Einerseits weist die Stadt einen extrem tiefen Leerwohnungsbestand aus, andererseits steigen die Mietpreise mit der regen Neubautätigkeit. Man stellte fest, dass die Familien insbesondere im Bereich der Innenstadt untervertreten sind.

Die Wohnbaustrategie soll vor allem das Familienwohnen fördern. Dabei konzentriert sich die Stadt auf die Wohnentwicklungsgebiete im Brisgi (Kappelerhof) und Galgenbuck (Dättwil). Dort hat die Stadt eigenes Land und kann Einfluss zu nehmen, damit diese Areale qualitätsvoll entwickelt werden können.

Kein Verkauf eigener Parzellen

Mit vier Massnahmen will die Stadt ihr Engagement beim Wohnungsbau umsetzen: Die eigenen Parzellen im Brisgi und Galgenbuck werden nicht verkauft, sondern im Baurecht an gemeinnützige Bauträger abgetreten. Die Baurechtszinsen will man reduzieren, damit Familienwohnen ermöglicht wird, wobei im Brisgi auch «innovative Wohnformen» (z.B. generationenübergreifend) geprüft werden.

Um sich zu beteiligen, soll eine öffentlich-rechtliche Stiftung gegründet werden. Mit dem Eigenkapital von 10 Mio. Franken würde die Realisierung von rund 100 Wohnungen ermöglicht. Diese Grössenordnung ist notwendig, damit das überhaupt wirtschaftlich geschehen kann und der Stiftungszweck erfüllt wird. Denkbar ist laut Stadtrat auch eine Zusammenarbeit mit andern gemeinnützigen Stiftungen oder Wohnbaugenossenschaften. 4 der 10 Mio. Franken soll der Verkaufserlös aus dem Verkauf zweier Landparzellen einbringen, die für den Stiftungszweck ungeeignet sind.

Gewinn in Stiftung

Der Stadtrat erachtet diese rechtliche Form als die beste, um seinen Einfluss geltend machen zu können. Hiermit kann er auch die Vermietungskriterien bindend festlegen. Die Stiftung verpflichtet sich ausserdem der Kostenmiete. Alle anfallenden Kosten (inkl. Neben- und Kapitalkosten) sowie Abschreibungen werden gedeckt, während ein Gewinn (Rendite) zurück in die Stiftung fliesst. Laut Tony Stalder, Leiter Abteilung Liegenschaften, können damit zwar nicht die Anfangsmieten massgebend reduziert werden. Dafür verhindert man in der Zukunft, dass bei Sanierungen die Mieten steigen. Auch eine Anpassung an die ortsüblichen Mietzinse ist nicht zwingend.

Immerhin 291 Stadtwohnungen

Die Stadt verfügt in ihrem Verwaltungsvermögen schon heute über 291 Wohnungen und ist dabei in der Baugenossenschaft Stadtbachstrasse mit rund 50 Wohnungen beteiligt, hat in der Vergangenheit schon Darlehen gesprochen und stellt – wie auch die Ortsbürgergemeinde – eigenes Land innerhalb der Bauzone nach Möglichkeit im Baurecht zur Verfügung. Verschiedene politische Vorstösse und insbesondere die Wohnbauinitiative der SP haben nun bewirkt, dass die Stadt eine neue Wohnbaustrategie ausarbeiten liess.