Seit 1968 führt die Stadt den Tageshort, der im Kornhaus in der Altstadt einquartiert ist. Mit seinen rund 100 Plätzen bietet er Kindern vom Kindergarteneintritt bis zum Ende der Primarschule eine Tagesbetreuung. Der Stadtrat will nun die Führung des Tageshorts dem Verein Tagesbetreuung Baden (TaBa) übertragen.

Grundsätzliches Ziel sei es, die ausserfamiliäre Kinderbetreuung extern und möglichst durch einen einzigen Anbieter erbringen zu lassen. So, wie es in den städtischen Leitlinien für die familienergänzende Betreuung festgehalten sei, heisst es in einer Medienmitteilung der Stadt. Für die Eltern und ihre Kinder ändert sich nichts. Auch die Tarife bleiben dieselben, heisst es weiter.

Für den Verein, der bereits die Angebote in den Quartieren Allmend, Dättwil, Kappelerhof und Rütihof mit insgesamt 165 Betreuungsplätzen betreibt, ist der Tageshort «der letzte grosse Meilenstein», wie TaBa-Vorstandsmitglied Jürg Altorfer sagt. Schliesslich sei der Verein 2013 gegründet worden, um dereinst die Tagesstrukturen für die Stadt zu führen. Einzig in den Quartieren Meierhof und Martinsberg betreibt der Verein ABB Kinderkrippen die Tagesstrukturen.

«Eigentlich hätte die Stadt die Führung des Tageshorts bereits letztes Jahr abgeben können», sagt Stadtrat Erich Obrist (parteilos), der Anfang Jahr das Amt und das Ressort Kinder, Jugend, Familie von Daniela Berger (SP) übernommen hat. Doch bis Ende 2015 ging der Stadtrat davon aus, dass der Auftrag öffentlich ausgeschrieben werden muss. «Die Unterlagen für eine Ausschreibung waren bereits ausgearbeitet. Dann stellte sich heraus, dass es keine Ausschreibung braucht bei einem nicht profitorientierten Verein», erklärt Obrist. Eine Offerte wird der Verein TaBa dennoch ausarbeiten. «Unsere Bedingungen sind, dass die Betreuungsqualität dieselbe bleibt und unsere Mitarbeitenden zu denselben Konditionen angestellt bleiben», sagt er. Jürg Altorfer: «Wir arbeiten bereits nach den Qualitätsstandards der Stadt und sind froh, wenn wir das Personal übernehmen können. Daher sollte es ein Leichtes sein, diese Bedingungen zu erfüllen.»

Eine dritte Bedingung der Stadt: Es müssen Kosten gespart werden. «Allerdings sind die Kosten mit der Miete, dem Personal und der Verpflegung relativ fix», sagt Altorfer. «Wir können aber bei der Führung der Standorte wie auch beim Personal und der Verpflegung Synergien nutzen.» So sei der Verein bei Ferienabwesenheiten oder in Krankheitsfällen flexibler, weil mehr Personal zur Verfügung stehe.

Und: Im Gegensatz zur Stadt als öffentliche Trägerschaft kann TaBa als privater Verein beim Kanton Subventionen beantragen. «Wir erhalten bereits für unsere anderen Standorte Subventionen und gehen davon aus, dass wir für den Tageshort 50 000 bis 100 000 Franken vom Kanton erhalten», sagt Altorfer. Geld, das letztlich die Stadt spart – zumindest bis 2019. «Wie es danach weitergeht, hängt von der Volksabstimmung im Juni 2016 ab», sagt Altorfer.

Vor den Sommerferien will der Stadtrat definitiv entscheiden. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass es mit der Übergabe klappen wird», sagt Obrist. Der Verein habe sich in den letzten drei Jahren als Partner der Stadt bewährt.