Ein Blick auf die Bevölkerungsstruktur zeigt, dass Baden für Familien zu wenig attraktiv ist. Im Wohnbereich fehlt ein ausgewogenes Angebot, damit man eine vielfältige soziale Durchmischung erreicht. Hier will der Stadtrat einhaken.

Er liess einen Gegenvorschlag zur Wohnbauinitiative der SP ausarbeiten. Allerdings erklärt der Stadtrat, dass er nur einen kleinen Beitrag für ein differenziertes Wohnangebot leisten könne.

Brisgi und Galgenbuck im Baurecht

Die Einwohnergemeinde verfügt noch im Brisgi (Kappelerhof) und im Galgenbuck in Dättwil (ca. 15% des Planungsgebietes) über eigenes Land, das für Wohnungsbau genutzt werden kann.

Diese Parzellen will der Stadtrat nicht verkaufen, sondern zur Förderung von familiengerechtem Wohnraum im Baurecht abgeben, und zwar zu einer zusätzlichen Zinsreduktion (zurzeit 0,5%) von nochmals 0,5% für Neubauten.

Für den Baurechtnehmer gilt der Grundsatz der Kostenmiete (Mietzins, der nur alle laufenden Kosten inkl. Finanzierung deckt), der Mindestanteil an Grosswohnungen (über 4 Zimmer) sowie eine Mindestbelegung der Wohnung bei der Erstvermietung. Mit dem Entwicklungskonzept Brisgi sollen wenn möglich innovative Wohnformen (z.B. für Wohnen im Alter) berücksichtigt werden.

Stadt will Stiftung gründen

Damit man auf dem Brisgi-Areal aktiv werden kann, schlägt der Stadtrat die Gründung einer öffentlich-rechtlichen Stiftung zum Bau von Wohnungen vor, die über ein Portefeuille von 10 Mio. Franken verfügen soll.

Rund 4 Mio. können aus dem Kauf der Parzellen an der St.-Ursusstrasse (Martinsbergquartier am Hang) und derjenigen gegenüber dem Feuerwehrmagazin in Dättwil resultieren; beide Parzellen haben laut Stadtrat keine strategische Bedeutung und würden sich nicht für preisgünstigen Wohnungsbau eignen. Die weiteren 6 Mio. Franken sollen aus der Stadtkasse fliessen.

Mit seiner Wohnbaustrategie will der Stadtrat seine zurückhaltende Haltung verlassen. Die Stadt hat 291 günstige Wohnungen auf dem Markt und ist an einer Genossenschaft beteiligt.

Ausserdem werden Angebote auf dem Immobilienmarkt bereits jetzt regelmässig geprüft. Die eigenen Landreserven der Stadt sind jedoch sehr beschränkt. «Mit den Massnahmen im Areal Brisgi und im Galgenbuck nimmt die Stadt dort Einfluss, wo sie auch Handlungsmöglichkeiten hat», erklärt der Stadtrat.

Finanz- und Strategiekommission haben zur Wohnbaustrategie bereits Stellung genommen. Die Massnahmen werden begrüsst. «Es ist jedoch die Frage aufgetaucht, ob die Stadt tatsächlich aktiv in den Wohnungsmarkt eingreifen soll», erklärt Reto Caprez (SVP), Vizepräsident der Finanzkommission.