Baden
Stadtammann Geri Müller äussert sich an einem Vortragabend zu Syrien

Der Stadtammann und Nationalrat der Grünen Geri Müller, der emeritierte iranische Professor Farsin Banki sowie der Badener Einwohnerrat Yahya Hassan Bajwa referierten über die Konflikte und mögliche Lösungen in Syrien, Iran und Pakistan.

Jérôme Jacky
Merken
Drucken
Teilen
Farsin Banki (l.) referiert über die Lage im Iran, während Geri Müller und Yahya Hassan Bajwa interessiert zuhören.Emanuel Freudiger

Farsin Banki (l.) referiert über die Lage im Iran, während Geri Müller und Yahya Hassan Bajwa interessiert zuhören.Emanuel Freudiger

EMANUEL PER FREUDIGER

Immer wieder äussert sich Geri Müller, Stadtammann von Baden, Nationalrat der Grünen und Mitglied der Aussenpolitischen Kommission zum Konflikt zwischen Israel und Palästina. 2009 hielt er eine Rede an einer Kundgebung gegen israelische Militärschläge im Gazastreifen.

Am Montag nun hielt Müller im Rahmen eines Vortragabends in der Aula der Kantonsschule Baden ein Referat über den arabischen Frühling. Neben Müller referierten der emeritierte iranische Professor für Philosophie Farsin Banki sowie der Badener Einwohnerrat Yahya Hassan Bajwa über die Situation im Iran beziehungsweise Pakistan.

Ein Kampf um Ressourcen

Für Geri Müller hätten die Konflikte in und mit muslimischen Ländern einzig das Ziel, der westlichen Welt die Tore zum Öl zu öffnen. «Eine Studie von BP zeigt, dass in Saudi-Arabien, in den Emiraten und im Iran die grössten Ölvorräte in den Böden lagern», sagt Müller. So erklärt er sich das rege Interesse an diesen Ländern. Als Beispiel nennt Müller den Sturz von Muammar al-Gaddafi in Libyen: «Als kein Öl mehr nach Europa und in die USA floss, fiel Gaddafi.»

Auch die Unruhen in Syrien, Exportland von Erdöl, würden von westlichen Mächten unterstützt: «Die Dschihadisten werden über Saudi-Arabien mit Waffen aus den USA beliefert.» Auch seien etliche Geheimdienste von westlichen Mächten in Syrien aktiv. Deshalb ist es für Müller klar, dass auch Frankreich, England, die USA sowie Saudi-Arabien eine Schuld trifft. «Es ist nicht möglich, in dieser Angelegenheit von Gut und Böse zu sprechen», sagt er.

Iran ist nicht gleich Islam

Im Referat von Farsin Banki wurde deutlich, dass der Konflikt zwischen dem Iran und der westlichen Welt nur verstanden werden könne, wenn man die Geschichte des Irans kennt. «Der Iran diente während des Kalten Krieges als Bollwerk gegen den Kommunismus», erläutert Banki. Deshalb sei der Staat, wie viele muslimische Länder, von den USA bewusst gefördert worden. Als die Sowjetunion 1989 zusammenfiel, wurde das Bollwerk gegen den Kommunismus nicht mehr benötigt.

Bankis These ist: «Der Iran und dessen Bevölkerung werden nun nur noch auf den Islam reduziert. Wir Iraner sind aber auch Freund, Vater und Ehemann in einem Vielvölkerstaat, der nicht nur aus Muslimen besteht.»

Am Beispiel von Pakistan versuchte Yahya Hassan Bajwa aufzuzeigen, was passiert, wenn Fundamentalisten im Staat die Oberhand gewinnen. Anhand von Beispielen zeigte er auf, wie Machthaber durch das Verbot gewisser Religionsgruppen ihre Macht stärkten. Trotzdem gebe es für Pakistan Hoffnung. «Demokratie kann nicht mit Bomben in ein Land gebracht werden», sagt er. Nur durch Bildung, vor allem für Frauen und Mädchen, könne sich die Lage ändern.