Affäre Geri Müller
Stadtammann Müller und Armeechef Nef: Sind die Fälle vergleichbar?

Welche moralischen Ansprüche stellt Stadtammann Geri Müller an sich selbst? Vor Jahren kannte er in der Affäre um Roland Nef kein Pardon, da der Armeechef eine öffentliche Person sei. Müller meint: Die Fälle seien überhaupt nicht zu vergleichen.

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Geri Müller (links) kannte vor Jahren in der Affäre Nef kein Pardon.

Geri Müller (links) kannte vor Jahren in der Affäre Nef kein Pardon.

Keystone

Die drei bürgerlichen Badener Parteien CVP, FDP und SVP fordern den Rücktritt ihres Stadtammanns Geri Müller. Er selbst machte seinen Rücktritt an der gestrigen Medienkonferenz davon abhängig, ob das Vertrauen in ihn noch da sei. Dass eine moralische Integrität zumindest angekratzt ist, scheint in seinen Augen für einen Rücktritt nicht Grund genug zu sein.

Vor sechs Jahren sorgte der Fall des damaligen Armeechefs Roland Nef nach Enthüllungen der «SonntagsZeitung» für Schlagzeilen. Damals äusserte sich auch Geri Müller als Nationalrat und als Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission dazu.

«Die Armee ist die stärkste Institution in diesem Land, die Gewalt ausüben kann. Da erwarte ich vom Armeechef, dass er zu 100 Prozent sauber ist und mit Gewalt nichts zu tun hat», sagte Müller Mitte Juli 2008.

Dass es sich bei der Affäre Nef um eine anfangs private Angelegenheit handle, spielte für Geri Müller keine Rolle. Der Armeechef sei eine öffentliche Person, an die hohe moralische Ansprüche gestellt werden müssten.

Im gestrigen «Club» auf SRF1 konfrontierte «SonntagsBlick»-Chefredaktorin Christine Maier den Badener Stadtammann mit seinen damaligen Äusserungen, die damals das «St. Galler Tagblatt» wiedergab.

Geri Müllers Antwort im «Club»: «Er hat Gewalt angewendet gegenüber seiner Partnerin. Das ist das, was für mich nicht vereinbar ist. Ich habe keine Gewalt angewendet. Das ist für mich der Punkt.» Was die Gewaltandrohung angeht, sind die beiden Fälle tatsächlich nicht vergleichbar.

Rund drei Wochen später, im August 2008, forderte Müller den Rücktritt von Nef: «Der Armeechef hat auch eine Vorbildfunktion. Ein Mensch, der Chef jener Institution ist, die am meisten Gewalt ausüben kann, braucht ein reines Vorleben. Die Armee muss sich auf die Suche nach einem neuen Leader machen.»

Müller: «Irgendwann kommt alles ans Tageslicht»

Wie bei Nef ist auch bei Müller die Vorbildfunktion gegeben. Für den Badener ist die seine aber nicht so gross wie die des Armeechefs. Ein «reines Vorleben» braucht er in seinen Augen offenbar nicht als Stadtammann – ansonsten wäre er schon zurückgetreten.

Im Rahmen der damaligen Affäre sagte Geri Müller damals der «Berner Zeitung»: «Irgendwann kommt alles ans Tageslicht.»

In der jetzigen Affäre widersprechen sich Müller und die Berner Lehrerin teilweise, etwa in der Frage, welcher Art ihre Beziehung genau war und ob er sie zum Löschen der ominösen Chats und Nackt-Selfies gedrängt habe. Da steht Aussage gegen Aussage: Die Chancen scheinen gering, dass ans Tageslicht kommt, wer von den beiden die gemeinsame Geschichte zu eigenen Gunsten abgeändert hat. (pz)

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