Baden
Stadtcasino-GV: Weniger Dividende – dafür gab es mehr vom Buffet

Der 29. GV der Stadtcasino Baden AG wurde ein Rekordaufmarsch beschert. Über 520 Aktionäre mit knapp 70000 Stimmen folgten der Einladung. Den statutarischen Teil wickelte VR-Präsident Peter Blöchlinger zügig ab. Der Weg zum Buffet war damit frei.

Roman Huber
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Die Stadtcasino-GV gab dem vergrösserten Verwaltungsrat den Segen.
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Der Verwaltungsrat (v. l.): Präsident Peter Blöchlinger, Gerhart Isler, Geri Müller (Vertreter der Hauptaktionärin), Friederike Vinzenz, Jürg Altorfer, Karen Wachter, Hubertus Thonhauser; es fehlt Marc Périllard.
Stadtammann Geri Müller, Regierungsrat Stephan Attiger und Grossratspräsident Thierry Burkart sind guter Laune.
Den statutarischen Teil der GV wickelte VR-Präsident Peter Blöchlinger zügig ab.
Impressionen von Stadtcasino-GV
Rekordverdächtiger Aufmarsch: Über 520 Aktionäre kommen an die GV.
Impressionen von Stadtcasino-GV
Impressionen von Stadtcasino-GV

Die Stadtcasino-GV gab dem vergrösserten Verwaltungsrat den Segen.

Alex Spichale

Was kümmert das den Kleinaktionär? Statt 25 wurden diesmal nur 15 Franken pro Aktie aus. Über Jahre hinweg waren es 25. Vielleicht besorgte dies der Generalversammlung der Stadtcasino Baden AG den rekordverdächtigen Aufmarsch von über 520 Aktionären, die danach bei herrlichem Sommerwetter die Dividendenkürzung am exzellenten und reichhaltigen Buffet kompensieren konnten. Doch erst der Reihe nach.

Aufgeschnappt

Mit gewohnt trockenem Humor führte Peter Blöchlinger durch die Versammlung und den statutarischen Teil der GV. Und er tat dies wie gewohnt speditiv oder vielmehr in abgekürztem Verfahren. Angesichts mehrerer neuer Gesichter wurden zwar die Verwaltungsräte einzeln gewählt. Über Rechnung, Gewinnverwendung sowie Dividendenausschüttung wurde hingegen im Gesamtpaket befunden, was aktienrechtlich genau genommen nicht ganz koscher ist. Es wird ihm wohl niemand einen Strick draus drehen.

Übrigens kündigte Blöchlinger an, dass es seine zweitletzte GV sei, zumal er auf die nächste demissionieren werde. Den Termin der diesjährigen GV konnte Fussballfan Blöchlinger noch knapp ausserhalb der WM platzieren.

Illuster war der politische Aufmarsch an der GV. Nebst Grossratspräsident Thierry Burkart als höchster Aargauer erwies einmal mehr auch Parteikollege und Regierungsrat Stephan Attiger der Versammlung seine Reverenz. Und der Stadtrat marschierte mit Geri Müller, Roger Huber und Markus Schneider gleich als Dreier-Delegation auf. Ob er damit die Dividenden-Kürzung auch am Buffet kompensieren wollte? Ein schwieriges Unterfangen, reduziert sich doch für die Stadt als Mehrheitsaktionärin die Ausschüttung um rund 510 000 Franken.

Angesichts fortgeschrittener Zeit fragte Blöchlinger in die Runde, ob noch jemand ein Votum abgeben wolle. Dass es im Vorjahr deren fünf Voten gewesen seien, kam angesichts des gemütlichen Teils dabei als Drohung rüber. Tatsächlich kam denn ein Antrag aus der Versammlung. Angesichts des internationalen Tätigkeitsfeldes der Stadtcasino Baden AG möge als Versammlungssprache Hochdeutsch eingeführt werden. In einer Konsultativabstimmung sagte die GV bei 10 Ja-Stimmen klar Nein. Sogar Casino-CEO Detlef Brose, der für die Gauselmann-Gruppe 10 Prozent des Aktienpaketes vertrat, lehnte dankend ab. (-rr-)

«Wir sind in allen Bereichen besser als Zürich», sagte Verwaltungsratspräsident Peter Blöchlinger den Aktionären. Das Grand Casino in Baden sei der bessere Ort, wo mehr Freundlichkeit herrsche, wo die Gastronomie besser sei und wo es ein sehr gutes Unterhaltungsangebot gebe. Damit meinte er das «zarte, aber gedeihende Pflänzchen House of Entertainment», als das sich das Grand Casino verstärkt verkaufen will.

In seiner Tour d’horizon erwähnte Blöchlinger die Eckpunkte des Berichtsjahres. Da stand zuerst der Rückgang des Bruttospielertrages um 27 Prozent von 92 auf 67 Millionen Franken. Das Erfreuliche dabei: Das Grand Casino platzierte sich um 7 Millionen vor dem Casino Zürich.

Hallen 37 und 38 gekauft

Die Beteiligungen der Muttergesellschaft interessierten die Versammlung im Besonderen: Den überraschenden Coup landete die Trafo Betriebs AG. Sie schloss nicht nur mit 6,1 Millionen Franken besser als budgetiert (5,8) ab, sondern angelte sich von der internationalen Gesellschaft Lochreal die umgebauten Eventhallen 36 und 37 für 14,4 Mio. Franken. Damit wird der Betrieb des per 24. November erweiterten Kongresszentrums um einiges günstiger ausfallen. In Wien läuft das Konzessionsverfahren für ein Casino mit Badener Mehrheitsbeteiligungen.

«Die hierfür eingesetzten Mittel von 1,5 Millionen Franken lohnen sich Angesichts von 4 bis 6 Millionen, die dann von Wien nach Baden fliessen würden», rechtfertigt Blöchlinger den Entscheid des Verwaltungsrates. Das Casino Davos sei zwar immer noch in der Verlustzone, habe aber den Bruttospielertrag um 4 Prozent steigern können. In Sachsen-Anhalt werden zwei Casinos öffnen, bei denen Baden mit einer Minderheitsbeteiligung dabei ist.

Das strategische Ziel von Engagements im Ausland werde weiter verfolgt. Es sei aber kein neues Projekt an der Angel, so Blöchlinger. Man bereite sich zudem schon jetzt auf die Neukonzessionierung im Jahr 2022 vor. In deren Hinblick wählte die Versammlung den vergrösserten Verwaltungsrat. Dies geschah wie bei allen andern Geschäften fast einstimmig.