Ende 2014 hätte im Fürstentum Liechtenstein das neue Casino mit 7 Spieltischen und 150 Automaten zusammen mit einem 115-Zimmer-Hotel eröffnen sollen. Anfang Februar sprach die liechtensteinische Regierung der Vaduzerhof Holding AG die entsprechende Konzession zu. Darüber freute sich auch die Stadtcasino Baden AG, die mit 40 Prozent an der Holding und somit auch am Projekt beteiligt war. Doch die Freude währte nicht lange. Denn letzte Woche entschied der liechtensteinische Verwaltungsgerichtshof (VGH) aufgrund einer Beschwerde des unterlegenen Anwärters, dass die Konzession neu ausgeschrieben werden müsse (az vom 23. Juni). Begründung: Der volkswirtschaftliche Nutzen des Casinos und des Standorts sei wesentlich stärker gewichtet worden als die Fachkenntnisse und die Qualität des Sorgfaltspflichts- oder des Sozialkonzepts.

Theoretisch hätte gegen das VGH-Urteil am Staatsgerichtshof Beschwerde erhoben werden können. «Wir akzeptieren das Urteil und werden dieses nicht weiterziehen», sagt Projektinitiant und Holding-Hauptaktionär Wolfgang Egger. Vielmehr werde man ein neues Konzessionsgesuch einreichen. «Ich gehe davon aus, dass dies zusammen mit der Stadtcasino Baden AG passieren wird», sagt Egger. Der Unternehmer rechnet damit, dass sich das Projekt durch die erneute Eingabe um rund ein Jahr verzögern wird.

Verzögerung von einem Jahr

Die Verzögerung bedeutet für Egger und für die Stadtcasino Baden AG, dass sie nicht ab Ende 2014 mit den jährlich 100 000 Besuchern und den budgetierten 20 Millionen Franken Spielertrag rechnen können.

Für Detlef Brose, Chef der Spielbank Baden AG, ist klar: «Eine erneute Ausschreibung bietet uns die Gelegenheit, die bisher gute Qualität des Projektes nochmals zu erhöhen.» Sprich, das Projekt müsse insbesondere ein Augenmerk auf ein hochwertiges Sozialkonzept legen. «Das Projekt in Liechtenstein ist und bleibt sehr attraktiv», ist Brose überzeugt. Damit spricht er einerseits den Umstand an, dass es in Liechtenstein noch kein Casino gibt. Andererseits die Tatsache, dass Casinobetreiber im Ländle nur knapp über 20 Prozent des Spielertrages an den Staat abgeben müssen. Zum Vergleich: 2010 erwirtschaftete das Stadtcasino Baden einen Spielertrag von 105 Mio. Franken. Über die Hälfte - rund 63 Mio. Franken - flossen an die AHV.

Nicht der erste Rückschlag

Der Entscheid des VGH ist nicht die erste bittere Pille, die das Stadtcasino Baden schlucken muss. Vor rund einem Jahr, verlor es das Rennen um das Spielcasino in der Stadt Zürich. Obwohl das Badener Projekt in zwölf Punkten am besten abgeschnitten hatte, reichte es nicht für den Zuschlag. Verwaltungsrat Peter Blöchlinger sagte damals, dass «politische Gründe den Ausschlag für den Entscheid gegeben haben». Weil viele Zürcher Gäste - heute machen sie knapp die Hälfte der Besucher aus - ab diesem Oktober das Casino in Zürich besuchen werden, rechnet man in Baden beim Bruttospielertrag mit einem Rückgang von 105 Millionen Franken auf rund 72 Millionen Franken (-31,8 %).

Aus diesem Grund muss das Stadtcasino Baden seinen Personalbestand von rund 200 auf rund 150 reduzieren. «Von einer Kündigung werden aber voraussichtlich weniger als 20 Mitarbeiter betroffen sein», sagt Brose. Der Abbau erfolge durch natürliche Abgänge und Wechsel ins Anfang Mai erworbene Davoser Casino. Für Brose ist denkbar, «dass wir ehemalige Mitarbeiter des Casino Baden dereinst in Vaduz wieder anstellen, wenn das Projekt realisiert wird und die ehemaligen Mitarbeiter immer noch auf Stellensuche sind».