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Städtepartnerschaft bringt ein Stück Birmenstorf nach Argentinien

Unser Memory zeigt, wer mit wem eine Städtepartnerschaft pflegt – Fislisbach hat seine aufgeben müssen.

Carla Stampfli
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Nach zwölf Jahren wurde sie auf Eis gelegt: die Partnerschaft zwischen Fislisbach und der französischen Gemeinde Le Chambon-sur-Lignon. Während sich zu Beginn die Bevölkerung, die Vereine und die Organisationen an den Aktivitäten rege beteiligten, liess das Interesse mit der Zeit nach: Wiederholt mussten geplante Ausflüge abgesagt werden. Als Konsequenz wurde die zuständige Kommission Ende Dezember aufgelöst. Nun hat der Gemeinderat die Bewohner aufgerufen, den Kontakt weiter zu halten und aus eigenem Antrieb eine Trägerschaft zu gründen.

Doch welche Gemeinde im Bezirk Baden pflegt heute überhaupt eine Städtepartnerschaft? Mit wem und wie intensiv? Eine Umfrage zeigt, dass 6 von 26 Gemeinden Beziehungen zu anderen Ortschaften aus der Schweiz und aus dem Ausland unterhalten (siehe Tabelle).

Die grösste Distanz überbrücken Birmenstorf und Humboldt, eine argentinische Kleinstadt in der Provinz Santa Fe. Und das kam so: Im vorletzten Jahrhundert wanderten verschiedene Bürger nach Argentinien aus, um sich eine neue Existenz aufzubauen.

Deren Nachkommen haben ihre Wurzeln aber nie ganz vergessen und Birmenstorf ab und an besucht. 2001 war es dann soweit: Der ehemalige Gemeindeammann Martin Zehnder und der Gemeindepräsident Gérman Alcides Kahlow unterschrieben eine Vereinbarung. «Für mich war es eine sehr interessante Erfahrung», sagt Zehnder rückblickend. Nicht nur das Denkmal, das die argentinische Behörde eigens vor Ort errichtete, sondern auch die Gastfreundschaft, die Zehnder dort erlebte.

Von der Musik zur Partnerschaft

Während Birmenstorf die fernste Beziehung pflegt, unterhält Neuenhof mit der deutschen Stadt Holzgerlingen die älteste im Bezirk: Seit 1984 findet beinahe jährlich mindestens ein Anlass statt, entweder in der Schweiz oder in Deutschland. Im Vordergrund stehe das freiwillige gesellschaftliche und partnerschaftliche Zusammenfinden von Menschen, sagt Gemeindeschreiber Raffaele Briamonte. Nur gerade vier Jahre jünger ist die Freundschaft zwischen Spreitenbach und Bra. Regelmässig reisen Bewohner, Sportvereine und Schüler in die piemontesische Stadt und umgekehrt.

Ein paar Jahrzehnte alt ist auch die Partnerschaft von Stetten mit der deutschen Stadt Stetten bei Hechingen. Erste Kontakte seien zwischen den beiden Musikgesellschaften entstanden, sagt Gemeindeammann Kurt Diem. Heute fänden vor allem gegenseitige Besuche der Behördenmitglieder statt, ebenso werde zu Eröffnungen und Einweihungen eingeladen.

Bei der Anzahl Städtepartnerschaften hält Obersiggenthal den Bezirks-Rekord: gleich zwei, mit St. Maurice VS und Diemtigen BE. Während Erstere durch das Forum Helveticum für sprachkulturelle Verständigung entstanden ist, geht Letztere auf eine Patenschaft für Berggemeinden zurück.

In diesem Zusammenhang unterstützte auch Ennetbaden das Dörfchen Chironico TI mit finanziellen Mitteln, einmal im Jahr 1998 und einmal 2003. Im Gegensatz zu Ennetbaden behielt Obersiggenthal nach der Patenschaft jedoch Kontakt mit Diemtigen, vor allem im kulturellen Bereich etwa mit gegenseitigen Kunstausstellungen. Weil dieser aber nicht mehr so rege wie zu Beginn ist, hat die Kulturkommission dieses Jahr den Auftrag erhalten, «mögliche Optionen auszuloten, um den Austausch wieder etwas zu beleben», sagt die stellvertretende Gemeindeschreiberin Obersiggenthals, Romana Hächler.

Eine Partnerschaft zu einer anderen Aargauer Gemeinde unterhält Würenlingen mit Berikon – als einzige im Bezirk. Diese ist 1998 im Rahmen der Feierlichkeiten zu «200 Jahre moderne Schweiz» entstanden. Heute treffen sich vor allem die beiden Gemeinderäte sporadisch zum Meinungsaustausch, auch gemeinsame Anlässe finden von Zeit zu Zeit statt. «Der Gedankenaustausch zwischen den Partnergemeinden erachten wir als sinnvoll und bereichernd», sagt Würenlingens Gemeindeschreiber-Stellvertreterin, Yvonne Schifferle.

Dass eine Städtepartnerschaft bereichernd sein kann, bestätigt Martin Zehnder. Der ehemalige Gemeindeammann von Birmenstorf war selber zweimal in Argentinien zu Besuch, heute begrüsst er den katholischen Priester, Pater Bernardo, wenn dieser alle paar Jahre aus Humboldt anreist. Auch unter den Bürgern wird der Austausch gepflegt: «Zu den Festtagen werden jeweils Briefe sowie Päckli hin- und hergeschickt.» Zehnder könne es jedoch nachvollziehen, wenn das Interesse an einer Gemeindepartnerschaft mit der Zeit schwinde.

In Fislisbach hat sich seit der Bekanntmachung, die Beziehungen mit Le Chambon-sur-Lignon auf Eis zu legen, nichts getan. Ursula Peterhans, Präsidentin der aufgelösten Kommission, hat noch keine Feedbacks erhalten: Sie habe gehofft, die Meldung
würde die Bevölkerung aufrütteln. «Schade, dass das Interesse nicht vorhanden ist.» Sie würde jedoch sofort Hand anbieten, falls ein Verein entsteht. Peterhans ist überzeugt, dass auch der Gemeinderat dies unterstützen würde.

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