Baden
Stadtoriginal Karl Amsler: «Ich muss mich manchmal noch zügeln»

Das Badener Stadtoriginal Karl Amsler wird 80 und stellt seine Malereien in der Galerie E-Punkt aus.

Ursula Burgherr
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In Karl Amslers Wohnung zieren unzählige seiner Werke die Wände.

In Karl Amslers Wohnung zieren unzählige seiner Werke die Wände.

Mario Heller

«Happy Birthday to you» flötet es aus der Küche von Karl und Ilse Amsler in ihrer Dättwiler Wohnung. Mit Karl Amslers 80. Geburtstag am 19. August hat das aber nichts zu tun. «Unser Nymphensittich pfeift das Lied täglich», lacht der Jubilar. Die Zahl 80 bedeutet ihm wenig. «Solange ich malen kann, geht es mir gut. Dank meiner Kunst kann ich total abschalten», sagt er. An fast allen Wänden sind seine Werke zu sehen. Blumenbilder in explodierenden Farben und Landschaftsimpressionen von der Baldegg, wo ihm ein lauschiges Plätzchen als Refugium dient. «Wenn ich so alleine dasitze und male, komme ich immer wieder mit fremden Leuten ins Gespräch. Oft haben sie psychische Probleme», sagt Amsler.

Sein Blick wird traurig. «Kommunikation ist so wichtig. Aber wenn ich im Bus sitze, starren alle bloss auf ihr Handy.» Der Ur-Badener ist froh, in einer Zeit aufgewachsen zu sein, in der man noch mehr zusammenhielt als heute. «Wir hatten zwar wenig Geld, waren aber zufrieden», erläutert er. Und strahlt, wenn er an die Auftritte von Josephine Baker und Lys Assia in der alten Linde zurückdenkt: «In Baden war damals viel mehr los als heute.»

Für seine Bilder nimmt sich Karl Amsler oft berühmte Künstler wie Cézanne, Picasso oder van Gogh zum Vorbild. Er malt in ihrem Stil und setzt eigene Akzente dazu. Seine Ausstellung vom 27. August bis zum 25. September in der Badener Galerie E-Punkt heisst denn auch «Meine schönsten Vorbilder aus dem 19. Jahrhundert – Malen was mich berührt».

Karl Amsler wuchs als eines von elf Kindern in einfachsten Verhältnissen auf. Sein Vater war Kranführer bei der BBC. «Wir lebten extrem sparsam. Trotzdem waren Gäste an unserem Esstisch stets willkommen», erinnert er sich an seine Jugendzeit in Baden. Nach der Lehre eröffnete er mit seinem Bruder Arthur ein eigenes Malergeschäft. Die Anfänge waren hart, die beiden verdienten maximal 500 Franken pro Monat. Aber sie bissen sich durch und langsam stellte sich der Erfolg ein. «Mit der Zeit waren wir als Amsler-Buebe in der ganzen Stadt bekannt», meint das Geburtstagskind stolz.

Doch Arthur starb früh und Karl musste alleine weitermachen. Fassaden wie diejenige der UBS tragen seine Handschrift. Heute führt sein Sohn Adrian das Geschäft weiter und auch Enkel Kevin macht eine Malerlehre. Der einst harte «Chrampfer» kann sich seither wieder intensiver mit seiner Leidenschaft – der Kunstmalerei – beschäftigen. Zudem sitzt er täglich auf «seinem» Bänkli vis-à-vis vom Café Moser.

Wenn sich jemand zu ihm gesellt, ist meist bald ein Gespräch im Gange. Amsler ist mittlerweile ein richtiges Stadtoriginal, war an vielen Badenfahrten und in der Feuerwehr aktiv und trainierte mit 70 noch die F-Junioren des FC Baden. Das nach einem Autounfall zerschmetterte Schienbein will bis heute nicht heilen, doch der Senior lässt sich seine Lebensfreude nicht vergällen. «Ich habe noch so viele Ideen – manchmal muss ich mich richtig zügeln», gesteht er. Seine Augen funkeln. Dann schweift er ab zu seiner ältesten noch lebenden Schwester in Amerika, die Gouvernante bei Jackie Onassis war. Mit seinen Geschichten könnte Amsler Bücher füllen.

Die Ausstellung von Karl Amsler in der Galerie E-Punkt an der Haselstrasse 15 in Baden dauert vom 27. August bis zum 25. September 2015. Vernissage: 27. 8., 17 bis 20 Uhr. Öffnungszeiten: Mo bis Fr, 9 bis 17 Uhr.