Am 26. November stimmt das Badener Stimmvolk über brutto 98,5 Mio. Franken für das Sekundarstufenzentrum Burghalde ab. Der Einwohnerrat hat dem Vorhaben sowie den jährlichen Folgekosten (Betrieb, Abschreibungen) von 3,28 Mio. Franken mit 35 Ja bei 7 Nein klar zugestimmt, den Projektierungskredit genehmigte das Stimmvolk 2014 mit Dreitviertelmehrheit.

Stadtrat Erich Obrist und seine neue Ratskollegin Sandra Kohler hatten sich auf dem Smartvote-Fragebogen gegen den Baukredit gestellt. Anfang Woche darauf angesprochen, sparten sie erneut nicht mit Kritik (AZ vom 10. 10.). Dass das Kollegialitätsprinzip damit verletzt wurde, freut andere Stadträte gar nicht. «Es ist ärgerlich, wenn einzelne Stadträte ihre persönliche Meinung nach einem Kollegialbeschluss nach aussen kommunizieren. Das verletzt in der Tat das Kollegialitätsprinzip», so Stadtammann Geri Müller.

Finanziell würde ein Verzicht auf das Projekt die Stadt kaum entlasten, sagt er: «Wir müssten die Vorleistungen sofort abschreiben, wir verlören den kantonalen Beitrag und müssten trotz allem die zwei Bedürfnisse Sekundarschule und Primarschule lösen, also alles neu planen und danach bauen.»

Stadtrat steht hinter Burghalde

Um Raum für die Lernenden und Lehrenden zu schaffen und einen zeitgemässen Unterricht zu ermöglichen, müsse die Schulanlage erweitert und das Areal neu konzipiert werden, sagt auch Schulvorsteherin Ruth Müri. «Ein Sekundarstufenzentrum mit Bezirks-, Sekundar- und Realschule sowie den Sonderformen unter einem Dach bietet aus pädagogischer Sicht viele Vorteile.» So sei es eine grosse Chance für die Gemeinschaftsbildung – gerade in der Pubertät. Eine grosse Schule ermögliche es eher, dass Freifachkurse die notwendige Mindestzahl an Lernenden erreichen, «ein vielfältigeres Angebot ist dadurch möglich». Auch die Durchlässigkeit, der Wechsel zwischen den Leistungstypen, könne besser gefördert werden. Auch aus Sicht der Lehrpersonen bietet eine grosse Schule laut Müri Vorteile, was sich auf die Schulqualität auswirke.

«Die bestehenden Schulräume entsprechen nicht mehr den zeitgemässen Lehr- und Lernformen», sagt Müri. Auch die Arbeitsweise der Lehrpersonen habe sich verändert. «Für die Unterrichtsentwicklung im Lehrerteam braucht es Räume für die Zusammenarbeit.» Und ausserdem bestehe Raumbedarf für integrative Schulung, Tagesstrukturen und Schulsozialarbeit. Bei einem Nein müsste auf die Tagesstrukturen verzichtet werden. Der Stadtrat hat auch an künftige Entwicklungen gedacht. «Wenn der Kanton in einigen Jahren ein neues Modell für die Sek I beschliessen sollte, ist die Stadt Baden mit dem Sekundarstufenzentrum gut gerüstet», fügt Müri an.

Ein Nein hätte Folgen

«Für die Primarschule im Zentrum müsste zeitnah ein Standort für ein Provisorium gefunden werden», sagt Bauvorsteher und Vizeammann Markus Schneider. Gleichzeitig müssen die bestehenden Bauten der Burghalde wie auch die Pfaffechappe umfassend saniert werden. Die finanziellen Konsequenzen sind laut Schneider folgende: Die bisherigen Planungskosten von 8,8 Mio. Franken müssen im nächsten Jahr abgeschrieben werden.

«Um einen neuen Planungsprozess aufzugleisen, rechnen wir mit Kosten von 5 bis 7 Mio., wobei die Subventionen des Kantons (6,5 Mio) entfallen würden.» Allein die Sanierungen würden sich laut einem Bericht aus dem Jahr 2013 auf 30 Mio. Franken belaufen, kämen wohl heute höher zu liegen. Eine Neuplanung würde eine Verzögerung von sechs bis sieben Jahren bedeuten, warnt Schneider. Ob man die Schulanlage weiter auch für Schüler aus Ennetbaden, Birmenstorf und Ehrendingen bereitstellen könnte, sei fraglich.

Die Schülerzahlen werden steigen. In der Tannegg/Pfaffechappe gehen heute 251 Primarschüler zur Schule, in zehn Jahren werden es 564 sein. Bei der Sekundarstufe wird die Zahl von 784 (heute) auf über 1000 in zehn Jahren steigen. «Es braucht die neue Burghalde», so Schneider.

Das Kostenargument lässt er nicht gelten: «Die Kosten des Sekundarstufenzentrums sind seit Wettbewerb in derselben Grössenordnung geblieben.» Eine Kostenanalyse mit Schulanlagen aus dem Kanton Zürich zeige, dass man im Mittelfeld liege. «Das Sekundarstufenzentrum ist keine teure, sondern eine zweckmässige Anlage, die jedem Kostenvergleich mit gleichwertigen Anlagen standhält.» Einsparpotenzial bestehe noch über die Vergaben und die Überprüfung der Technik.