Wir treffen Erich Obrist im Kunstraum Baden an der Haselstrasse, wo gerade die Jahresausstellung «Safransalz & Maggikraut» gezeigt wird. Der Kunstraum feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen. 1968 wurde die städtische Galerie gegründet. Zuerst waren die Ausstellungsräume im Kornhaus, danach lange Jahre als «Galerie im Amtshimmel» im Amtshaus an der Rathausgasse untergebracht.

2008 zog der Kunstraum in das Gebäude der Regionalwerke beim Bahnhof. Der Kunstraum war 2017 mit einem Nettobetrag von rund 291 000 Franken budgetiert. Im Zuge der Sparbemühungen war er in den letzten Jahren wiederholt bedroht und wurde wegen seiner konsequent zeitgenössischen Ausrichtung kritisiert.

Erich Obrist, wo sehen Sie im neuen Jahr die grössten Herausforderungen für die Abteilung Kultur und für die Kulturstadt Baden?

Sicher einmal beim Museum Langmatt. Da müssen wir dieses Jahr Entscheidungen treffen und schauen, wie es weitergeht. Ausserdem sind wir intensiv dabei, für das Nordportal eine gute Lösung zu finden. Und wir sind beim Erhalt des Royals als Kulturlokal kurz vor einem Abschluss. Ich hoffe sehr, dass es mit dem Royal gut weitergeht.

Sind Sie optimistisch, dass das auch der Einwohnerrat so sieht?

Ja, ich glaube, das Royal ist politisch breit abgestützt. Es gibt sicher noch hier oder da etwas zu feilen. Es geht jetzt um die Sicherheitsgarantie der Miete über zwei Jahre, die durch die Stadt zu gewährleisten ist. Ich bin zuversichtlich, dass der Einwohnerrat dem Tatbeweis folgt und so die Zukunft des Royals sichert.

Wo sehen Sie sonst noch Handlungsbedarf in diesem Jahr?

Wir haben bereits mit der Kulturvermittlung im Bäderquartier begonnen. Hier dürfen wir den Anschluss nicht verpassen, wenn die Bäder in den nächsten Jahren aufgewertet werden. Die Abteilung Kultur war auch beteiligt an der Gründung des Bädervereins, der sich für ein lebendiges Bäderquartier einsetzt. Und wenn ich den Blick ein wenig weiter in die Region schweifen lasse: Wir haben Pendenzen mit dem Zwischenbericht des Kulturkonzepts festgehalten, die es aufzuarbeiten gilt.

Welche Pendenzen sind das?

Eine ist zum Beispiel, dass die Gemeinden die Kulturförderung wirklich als regionale Aufgabe ins Auge fassen. Da möchten wir den Dialog in der Region suchen.

Apropos regionale Zusammenarbeit: Wie steht es eigentlich um den Kulturweg an der Limmat?

Der Kulturweg ist ein sehr schönes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Wettingen, Neuenhof und Baden. Letztes Jahr konnten wir in Baden ein neues Kunstwerk von Christoph Brünggel einweihen. Der Stiftungsrat hat die Absicht, den Kulturweg bis ins Bäderquartier weiterzuführen. Das Ziel wäre, dass man auf dem Kulturweg bis zur Langmatt kommt.

Wir sind hier im Kunstraum Baden. Der Kunstraum besteht seit 1968 und feiert dieses Jahr sein 50-Jahr-Jubiläum. Wie sieht seine Zukunft aus?

Der Kunstraum stand bei den Spardebatten im Einwohnerrat ja öfter auf der Abschussliste der bürgerlichen Parteien. Man muss dabei sehen: Von der gesamten Kulturförderung der Stadt Baden nimmt die bildende Kunst als Sparte etwa acht Prozent ein. An den Kunstraum gehen zirka vier Prozent. Das ist ein kleiner Teil, der auch der Vielfalt geschuldet ist. Im Kulturkonzept haben wir unterstrichen, dass uns die kulturelle Vielfalt der Stadt Baden wichtig ist. Da gehören Theater, Musik, Literatur dazu, auch spartenübergreifende Projekte und eben die bildende Kunst.

Die Stadt Baden rühmt sich damit, dass sie in Rankings auf dem Platz 1 der Kulturstädte in der Schweiz liegt. Liegt das auch an dieser Vielfalt?

Wenn man zu dieser Vielfalt nicht mehr Ja sagen kann, dann wird sich das vermutlich ändern.

Aber direkt heraus gefragt: Würde es Baden nicht verschmerzen, wenn es den Kunstraum nicht mehr gäbe?

Ich bin nicht sicher. Das wäre ein schlechtes Zeichen nach aussen. Es würde ein grosser Imageschaden für die Kulturstadt Baden entstehen. Auch im Kanton würde das auf Unverständnis stossen. Das Aargauer Kuratorium unterstützt den Kunstraum mit 35 000 Franken im Jahr. Und es kommen sehr viele Besucher aus dem ganzen Kanton und aus Zürich und Basel nach Baden. Ganz grundsätzlich finde ich es wichtig, wenn notwendige Kürzungen sorgfältig und unter Berücksichtigung strategischer Überlegungen vollzogen werden.

Vor der Budgetdebatte im Einwohnerrat wurde gegen die Streichung der städtischen Beiträge demonstriert. Hat das mitgeholfen, den Kunstraum zu erhalten?

Als man kurz vor der Sitzung erfahren hat, dass es in den bürgerlichen Sparanträgen erneut um den Kunstraum geht, kamen in kürzester Zeit etwa 100 Leute vor die «Pfaffechappe» und legten ein eindrückliches Bekenntnis für den Kunstraum ab. Ich finde, es wäre sehr kurzfristig gedacht, wenn man jetzt einfach zusammenstreicht, was während 50 Jahren aufgebaut wurde.

Der im Herbst neu gegründete «Verein Kunstraum Baden» will mehr Verständnis und mehr Nähe zur Bevölkerung und Politik schaffen. Was halten Sie davon?

In Zukunft werden sich noch mehr Menschen für den Kunstraum engagieren. Das begrüsse ich. Wir in der Abteilung Kultur arbeiten nach dem Kulturkonzept und wollen den Kunstraum als wichtigen Teil der Vielfalt erhalten. Er ist fester Bestandteil der Badener Kultur – mit sehr grosser Ausstrahlung.

Woran machen Sie das fest?

Einerseits an den Besucherzahlen in Relation zu den eingesetzten Mitteln. Andererseits kamen zur Vernissage der aktuellen Ausstellung Besucher aus dem ganzen Kanton. Es war fast wie eine Vernissage im Kunsthaus Aarau. Anders als in Aarau können aber hier auch junge Künstler aus dem Aargau mit aktuellen Werken an die Öffentlichkeit treten. Der Kunstraum Baden ist ein Ort für starke Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, wie es ihn sonst zwischen Zürich und Basel nirgendwo gibt. Hier finden immer wieder phänomenale, progressive Ausstellungen statt. Das ist für eine Kleinstadt wie Baden einzigartig.

Was könnte der Kunstraum in Zukunft noch besser machen?

Es ist auch eine Aufgabe des Kunstraums, schwierigere Zugänge zur Kunst zu vermitteln. Die Leiterin des Kunstraums, Claudia Spinelli, macht sehr gute Führungen. Der Standort des Kunstraums direkt beim Bahnhof ist ideal. Wo ich noch Potenzial sehe: Zum Beispiel bei den vielen Pendlern, die hier vorbeigehen. Potenzial gibt es immer. Ich bin gespannt, wie es mit dem Kunstraum weitergeht.