WM-Tumult

Stadtrat findet Polizeieinsatz gegen «Schnäggli» verhältnismässig

Markus Widmer wurde bei seiner Velo-Jubelfahrt von der Polizei sprichwörtlich aus dem Verkehr gezogen.

Markus Widmer wurde bei seiner Velo-Jubelfahrt von der Polizei sprichwörtlich aus dem Verkehr gezogen.

Der Badener Polizei-Einsatz gegen Markus Widmer, Badens Wirt des Rebstocks, gab im Sommer weit über die Region hinaus zu reden. Jetzt zeigt sich: Der Stadtrat sieht keinen Verbesserungsbedarf bei der Polizei. Widmer selbst ist erstaunt.

Während der Fussball-WM diesen Sommer gab nicht nur die Schweizer Nati zu reden. Nein, für nationale Schlagzeilen sorgte auch ein Einsatz der Stadtpolizei Baden nach dem Spiel Schweiz gegen Ecuador Mitte Juni.

Nach dem knappen Schweizer Sieg gab auch Markus Widmer, Wirt des «Rebstocks», seiner Freude Ausdruck, indem er auf dem Velo den Schulhausplatz fahnenschwenkend umrundete.

Bekannter Beizer wird unsanft von Velo gezogen und verhaftet

Bekannter Beizer wird unsanft von Velo gezogen und verhaftet

Weil sich «Schnäggli» – unter diesem Namen kennt man ihn in Baden – dabei aus Sicht der Stadtpolizei in Gefahr brachte, riefen sie ihn herbei.

Als sich Widmer den Polizisten entziehen wollte, packten sie ihn, zogen ihn vom Velo, drückten ihn zu Boden und legten ihm schliesslich Handschellen an.

Ein Passant filmte die Szene; der Film löste heftige Proteste in der Bevölkerung aus. In der Folge kam es zu einer Aussprache, bei der sich die Stadt Baden beim Wirt entschuldigte und offiziell verlauten liess: «Die beiden Polizisten hatten unter dem Eindruck der Umstände eingeräumt, zu stark eingegriffen zu haben.»

Die Stadtpolizei wurde beauftragt, einen Bericht über mögliche Verbesserungsvorschläge zu verfassen und diesen bis im Herbst dem Stadtrat vorzulegen. Auf Anfrage der az bestätigt der Stadtrat, diesen Bericht nun erhalten zu haben.

So unsanft ging die Polizei gegen den bekannten Badener Beizer vor

Gotter: «Kein Widerspruch»

Stadtrat und Sicherheitsvorsteher Matthias Gotter sagt: «Der Stadtrat bedauert den Verlauf der Ereignisse und der darauffolgenden negativen Medienberichterstattungen.» Der gegenüber Widmer angewandte polizeiliche Zwang werde vom Stadtrat als hart eingeschätzt; der Stadtrat hätte ein weniger hartes Auftreten bevorzugt. Aber: «Der Einsatz und die Anhaltung von Markus Widmer war als Ganzes nicht unverhältnismässig.»

Aus diesem Grund würden sich auch keine konkreten Massnahmen oder Verbesserungen bei der Stadtpolizei aufdrängen. Immerhin nehme der Stadtrat von der letztlich positiv verlaufenen Aussprache mit Erleichterung Kenntnis. Aber weshalb dann ein «Sorry» an die Adresse von Widmer, wenn der Einsatz verhältnismässig war? Ortet Gotter da nicht selbst einen Widerspruch? «Nein, die Polizei empfand vielmehr einzelne Sequenzen des Zugriffes als übertrieben und hat sich für diese entschuldigt», so Gotter.

Widmer: «Will Bericht sehen»

Markus Widmer hat den Bericht zwar nicht selber zu Gesicht bekommen, zeigt sich aber erstaunt: «Bei der Aussprache wurde protokollarisch festgehalten, dass der Einsatz unverhältnismässig war, weshalb sich die Stadt ja auch bei mir entschuldigte.» Er werde die Stadt anfragen, ober er Einsicht in den Bericht erhalten könne.

Kommenden März wird Widmer erstmals als Einwohnerrat an einer Sitzung teilnehmen – er rückt für SP-Einwohnerrätin Beatrice Meyer nach. Für ihn ist die Angelegenheit vom Sommer erledigt. Widmer: «Ich werde mein Amt unbelastet und ohne schlechte Gefühle antreten.»

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