Baden
Stadtrat tritt bei der Velostation auf die Sparbremse

Die bewachte Velostation in Baden ist ein links-grünes Prestigeprojekt, das 830'000 Franken kosten soll. Doch der Stadtrat ist gegen eine Bewachung. Grüne sind deshalb frustriert.

Pirmin Kramer
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So wird die bewachte Velostation auf dem Südhaus-Areal beim Bahnhof Baden aussehen. (Visualisierung)

So wird die bewachte Velostation auf dem Südhaus-Areal beim Bahnhof Baden aussehen. (Visualisierung)

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Die bewachte Velostation beim Bahnhof gilt als Prestigeprojekt der links-grünen Stadtregierung. Das Gebäude soll 232 Fahrrädern Schutz vor Diebstahl und Vandalismus bieten.

Im März genehmigte der Einwohnerrat den Baukredit von 830 000 Franken und gab grünes Licht für jährlich wiederkehrende Betriebskosten von 98 000 Franken. Velo-Lobbyisten sprachen von einem überfälligen Schritt, Gegner verschmähten das geplante Gebäude als Luxusressort für Velos.

Bereits bevor das Parlament letzte Woche ein Nullwachstum bei den Ausgaben für die nächsten vier Jahre befahl, war der Stadtrat bei der Velostation auf die Sparbremse getreten. Im Budget 2015 verzichtete er auf das ursprünglich vorgesehene Betreuungs- und Bewachungspersonal. Das Parlament bestätigte diese Sparmassnahme letzte Woche knapp mit 23 gegen 21 Stimmen. Als Betreiberin war die Sozialfirma Lernwerk vorgesehen. Deren Mitarbeiter hätten Präsenz markieren, Tickets verkaufen, das Gebäude reinigen sollen.

Bea Schilling, Einwohnerrätin Grüne: «Der Entscheid bringt nur Verlierer hervor. Zudem bezweifle ich, dass die Kosteneinsparungen gross sind.»

Bea Schilling, Einwohnerrätin Grüne: «Der Entscheid bringt nur Verlierer hervor. Zudem bezweifle ich, dass die Kosteneinsparungen gross sind.»

ZVG

«Ich bin frustriert», sagt Bea Schilling (Grüne), die mit einem Postulat den Anstoss für den Bau gegeben hatte. «Insbesondere kann ich nicht nachvollziehen, warum der Stadtrat den erst vor wenigen Monaten gefällten Beschluss des Einwohnerrats nicht respektiert.»

Der Entscheid bringe nur Verlierer hervor: In erster Linie seien die Velofahrer betroffen, denn die Velostation verliere ohne die Betreuung eine wichtige Dienstleistung und somit an Qualität. Die Kürzung der Betriebskosten bedeute, dass nun leider doch keine Velostation entstehe, die den Namen Vorzeigeprojekt verdiene. «Das Aussergewöhnliche wäre gewesen, dass Langzeitarbeitslose einer Sozialfirma die Betreuungsarbeiten übernommen hätten.»

Auch diese zählen nun zu den Verlierern, sagt Schilling. Sie bezweifelt, dass die Kosteneinsparungen gross sind. «Jetzt müssen gewisse Arbeiten vom städtischen Fachpersonal gemacht werden. Das wird schnell teurer als die Lösung mit den Langzeitarbeitslosen.»

Warum setzte der Stadtrat ausgerechnet bei der Velostation den Rotstift an? Vizeammann Markus Schneider: «Wir sind mit dem Entscheid, die Velostation ohne Betreuung zu realisieren, unseren finanzpolitischen Pflichten nachgekommen.» Pro Jahr könne die Stadt Baden Betriebskosten von rund 76 000 Franken einsparen. «Der Stadtrat ist nach wie vor überzeugt, dass es in Bahnhofsnähe zusätzliche Abstellplätze für Velos braucht, die auch Schutz vor Diebstahl und Vandalismus bieten. Diese Anforderungen wird die Velostation allerdings auch ohne Betreuung und Bewachung erfüllen», sagt Schneider.

Mit dem Bau soll «so rasch wie möglich» begonnen werden.

Wer übernimmt die Aufgaben, die für die Langzeitarbeitslosen vorgesehen waren? Maria Benito, städtische Verkehrsplanerin: «Den Verkauf von Monats- und Jahreskarten übernimmt Baden Mobil. Für die Reinigung wird noch eine Lösung gesucht.» Die Bewachung durch Personal entfalle zwar, doch werde die Velostation per Video überwacht.

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