Baden

Stadtrats-Wahl: Profitieren die Linken von der FDP-Nomination?

FDP-Kandidat Mario Delveccio und SP-Kandidat Jürg Caflisch.

FDP-Kandidat Mario Delveccio und SP-Kandidat Jürg Caflisch.

Weil die FDP mit Mario Delveccio nicht auf eine Frau und gegen Andrea Libardi gesetzt hat, hoffen linke Parteien auf unentschlossene Wechselwählerinnen. Für diese könnte jetzt nämlich SP-Kandidat Jürg Caflisch eine Option sein.

Die Nomination von Mario Delvecchio zum FDP-Stadtratkandidaten dürfte den einen oder anderen überrascht haben. Insbesondere, weil der künftige Stadtrat mit grösster Wahrscheinlichkeit das Kulturressort, dem die Abteilung Kinder, Jugend, Familie angeschlossen ist, übernimmt. Mit Andrea Libardi hätte die FDP einerseits eine Kandidatin gehabt, die bereits in der Schulpflege Baden tätig war, in der Kommission Tagesstrukturen war, sowie an den Leitlinien Kinder- und Jugendförderung mitgearbeitet hat; andererseits hätte sie den Frauen-Bonus gehabt. Mit Libardi hätte die FDP wohl die eine oder andere parteiungebundene Wählerin gewinnen können.

«Ich bin manchmal auch zu direkt – aber das ist einfach meine Art»: Mario Delvecchio im Video-Interview.

«Ich bin manchmal auch zu direkt – aber das ist einfach meine Art»: Mario Delvecchio im Video-Interview.

Gerade für Mütter und junge Frauen, die es werden wollen, wäre Libardi möglicherweise die Frau ihrer Wahl gewesen. Für wen werden sich jene Frauen entscheiden, die weniger auf die Parteizugehörigkeit und mehr auf die Stärkung weiblicher Anliegen achten? Anders gefragt: Hat die FDP bei diesen Wählerinnen am Ende gar dem Kontrahenten Jürg Caflisch in die Hände gespielt? Immerhin war der SP-Kandidat Caflisch Leiter der Jugend - und Familienberatung im Kanton Zürich, Kinder- und Jugendbeauftragter in Basel und ist als Sozialarbeiter mit Fachhochschulabschluss Stabsmitarbeiter im Amt für Jugend- und Berufsberatung des Kantons Zürichs.

Frauen-Frage nicht zentral

Bei den linken Parteien, die sich alle hinter Caflisch stellen, war die Frauen-Frage zwar nicht im Vordergrund. Dennoch sagt Bea Schilling, Präsidentin der Grünen Baden, «es ist schade, dass keine Frau im Rennen steht». Sie bedauert, dass der Frauenanteil im Stadtrat sinken wird. Schilling will die Frage nicht nur auf Frauen beziehen, sagt aber, «Caflisch vertritt typische Gleichstellungsfragen sehr konsequent, was ihm unter Umständen Stimmen geben kann von Wählern, die eine Frau deswegen bevorzugt hätten.»

SP-Co-Präsidentin Selena Rhinisperger sagt zwar, es sei schwierig zu beurteilen, was parteiungebundene Wählerinnen wollen. Bezogen auf das Ressort sieht sie den Vorteil aber bei der eigenen Partei: «Für die SP ist es sicher nicht schlecht, denn was die Erfahrung bei Kultur-, Familien- und Jugendfragen betrifft, ist Jürg Caflisch der geeignetere Kandidat.»

Olivier Funk, Co-Präsident des Team Baden, kann sich vorstellen, dass Libardi «die Stärkung der Frauen mitgetragen hätte». Nun, da sie nicht zur Wahl antrete, sei es gut vorstellbar, dass gerade Frauen die weniger auf Parteizugehörigkeit und mehr auf das Personen-Profil achten, Jürg Caflisch wählen würden. «Gerade bei Kinder- und Jugendfragen aber auch für Familienanliegen wird er sich stark einsetzen», sagt Funk. Zwar sei Baden bei den familienergänzenden Strukturen gut aufgestellt. «Es braucht aber eine starke Vertretung im Stadtrat, die das Geschaffene erhalten wird, insbesondere, wenn es um Spardiskussionen geht.» Letztlich brauche es diese Strukturen auch, um den Wirtschaftsstandort Baden zu stärken.

Keine Gender-Strategie der FDP

FDP-Co-Präsident Tobias Auer erklärt: «Die Geschlechterfrage war nie ein Argument für oder gegen eine Nomination. Genderbezogen vermute ich zwar, dass der Frauen-Bonus unentschlossene Wählerinnen hätte anziehen können.» Aber dieser Effekt sei marginal. «Letztlich werden die allermeisten Wählerinnen sich für den besten Kandidaten entscheiden.» Conrad Munz, Fraktionspräsident der FDP, erklärt zudem: «Die FDP hat diesbezüglich bei der Nomination keine Strategie verfolgt, sondern die Parteimitglieder haben entschieden.» Mario Delvecchio bringe aber auch gute Voraussetzungen für dieses Ressort mit. «Er hat in Ipsach als Gemeinderat bereits Erfahrungen im Sozialbereich gesammelt, ist Familienvater und hat in seinem Betrieb auch mit Fragen der Lehrlingsausbildung zu tun.» All das könne er ins Ressort einfliessen lassen.

«Der beste Kandidat muss das Rennen machen»: Daniel Schneider im Video-Interview.

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SVP-Präsident Serge Demut spricht die familienfreundlichen Strukturen an: «Im kantonalen Vergleich kann man die Stadt Baden in Fragen der familienergänzenden Strukturen sicher nicht als rückständig bezeichnen.» Dies zeige, dass in Baden keine familienunfreundliche Politik betrieben werde. «Zudem denke ich, dass auch die meisten unentschlossenen Wählerinnen eine differenziertere Gesamtbetrachtung vornehmen, bei welcher in Baden andere Fragen von entscheidender Bedeutung sein dürften.»

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