Baden

Stadtratskandidat Delvecchio nervt sich über Partei-Abweichler

Mario Delvecchio möchte am 18. Oktober für die FDP den Stadtratssitz zurückerobern.

Mario Delvecchio möchte am 18. Oktober für die FDP den Stadtratssitz zurückerobern.

Der Badener FDP-Stadtratskandidat denkt darüber nach, mit einem Antrag Parteimitglieder auszuschliessen. Das langjährige FDP-Mitglied und Obrist-Unterstützer Urs Wiezel rät ihm davon ab: «Das wäre ein Schuss ins eigene Knie.»

Im «Badener Tagblatt» vom letzten Freitag prangte auf einer halben Seite das farbenfrohe Inserat «Erich Obrist in den Stadtrat Baden». Auf dem Inserat sind fein säuberlich die Namen seiner Supporter aufgeführt. Was sich bereits abzeichnete, konnte man jetzt schwarz auf weiss lesen: Obrist geniesst selbst von FDP- und CVP-Mitgliedern Unterstützung. So unterstützen etwa Lieni Fueter, Oskar Matter, Urs Wiezel, Hans Wanner (alle FDP) oder Peter Conrad (sen., CVP) den parteilosen Stadtratskandidaten Obrist.

Zwei Wochen vor den Wahlen ist für FDP-Kandidat Mario Delvecchio nun das Mass voll. Er spricht seine Enttäuschung offen aus: «Es geht mir nicht um mich, sondern um die Arbeit der jungen FDP- und CVP-Präsidenten, die mit sehr viel Leidenschaft und Herzblut einen super Job machen.»

Wenn nun altgediente Parteimitglieder aktiv im Komitee von Erich Obrist mittun würden, zeuge das nicht gerade von Respekt den jungen Parteipräsidenten gegenüber. «Man kann auch sagen, diese Parteimitglieder fallen der Parteiführung regelrecht in den Rücken.» Delvecchio präzisiert.

«Klar, in einer Demokratie dürfen Parteimitglieder auch eine von der Partei abweichende Meinung haben.» Doch wenn diese Leute dann mit Erich Obrist einen direkten Konkurrenten aktiv unterstützen würden, ginge das zu weit.

«Ich überlege mir ernsthaft, an der nächsten Partei-Generalversammlung dieses Thema anzusprechen.» Dabei könne durchaus auch ein allfälliger Parteiausschluss ein Thema sein.

Parteispitzen sehen es nicht so eng

Doch wie sehen das die angesprochenen jungen Partei-Führungskräfte selbst? «Ich habe kein Problem damit, wenn unser Mitglied und alt Stadtrat Peter Conrad Erich Obrist unterstützt», sagt CVP-Co-Präsident Simon Binder.

Es müsse vielmehr erlaubt sein, auch innerhalb der Partei seine eigene Meinung zu äussern. «Man darf das sowieso nicht überbewerten. Fakt ist, dass die Unterstützung von Mario Delvecchio bei den Bürgerlichen und auch innerhalb der CVP sehr gross ist.»

Rückblick: Nachdem Erich Obrist seine Kandidatur angekündigt hatte, gab CVP-Fraktionspräsident Peter Conrad (jun.) zu Protokoll: «Ich erachte es jetzt als richtig, wenn man die Parteibasis den Entscheid, wen wir jetzt unterstützen, fällen lassen würde. Ich habe den Vorschlag bereits gemacht, dass wir zu einer ausserordentlichen Parteiversammlung einberufen.»

Zu einer ausserordentlichen Versammlung ist es nie gekommen. Simon Binder bestätigt aber, dass es Gespräche im Vorstand gegeben hat. «Wir waren uns sehr schnell einig, dass wir an unserer Unterstützung für Mario Delvecchio festhalten, weil wir ihn für den geeignetsten Kandidaten halten.»

Auch Tobi Auer, Vizepräsident der FDP, nimmt es gelassen, dass «seine» Leute den parteilosen Kandidaten Obrist unterstützen. «Ich empfinde das überhaupt nicht als Geringschätzung unserer Arbeit gegenüber; in der FDP haben verschiedene Meinungen Platz.»

Es freue ihn natürlich, dass sich Delvecchio derart für die junge Parteispitze einsetze. «Es geht ihm nicht um die paar Stimmen, die er verlieren könnte, sondern wirklich darum, uns Rückendeckung zu geben.» Gleichzeitig betont Auer: «Ein Parteiausschluss der Abweichler ist und war absolut kein Thema im Vorstand. Für mich persönlich ist das auch völlig ausgeschlossen.»

Gelassen reagieren derweil die Kritisierten. «Stadtratswahlen sind für mich Persönlichkeitswahlen», sagt das langjährige FDP-Mitglied Urs Wiezel. Dass er nicht Mario Delvecchio, sondern den parteilosen Obrist unterstütze, habe nichts damit zu tun, dass er etwas gehen Delvecchio habe.

«In der jetzigen, schwierigen Situation erachte ich Obrist einfach als den geeigneteren Stadtrat.» Bei Legislaturwahlen sei die Sache natürlich etwas anders gelagert, da sei mehr Parteilinie gefragt.

Einem möglichen Ausschluss-Verfahren sieht Wiezel entspannt entgegen. «Ich glaube nicht, dass Mario einen solchen Antrag stellen wird beziehungsweise ich würde ihm davon abraten. Das wäre ein Schuss ins eigene Knie», so Wiezel.

Auch Peter Conrad (sen.) sieht keinen Grund für die Aufregung. «Es muss doch auch innerhalb einer Partei erlaubt sein, seine Meinung frei äussern zu dürfen.» Hätte er eine Funktion in der Partei inne, wäre die die Situation eventuell eine andere gewesen.

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