Baden
Stadtratswahl: Der Bürgerblock hat einen Hoffnungsträger

Seit Dienstagabend ist klar: Mario Delvecchio steigt als FDP-Kandidat ins Rennen um den freien Stadtratssitz. Unterstützung erhält er aber auch aus der CVP und er SVP.

Roman Huber und PIrmin Kramer
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Es ist keine gewöhnliche Stadtratswahl, die am 18. Oktober in Baden stattfinden wird. Denn es geht um nicht weniger als die Frage, ob Links-grün die 2013 eroberte Regierungs-Mehrheit halten kann – oder ob die bürgerlichen Parteien diese zurückerobern können. Aus dieser Sicht ist der am Montag nominierte FDP-Kandidat Mario Delvecchio Hoffnungsträger des ganzen Badener Bürgerblocks.

CVP/SVP «voll hinter Delvecchio»

CVP-Co-Präsident Simon Binder ist zufrieden mit dem Ausgang der FDP-Nomination. «Auch persönlich betrachte ich die Nomination von Mario Delvecchio als sehr gut. Damit kandidiert ein echter Unternehmer für den Stadtrat.» Der FDP-Kandidat sei auch sehr gut vernetzt. Aus Binders Sicht stehen Delvecchios Wahlchancen gut.

«Die CVP jedenfalls wird sich voll hinter ihn stellen», erklärt Binder. Dass man damit die Gunst der FDP für Vizeammann Markus Schneider als möglichen CVP-Stadtammannkandidaten im Wahljahr 2017 gewinnen wolle, stellte Binder in Abrede: «Das sind Planspiele. Wichtig ist jetzt die Ersatzwahl und dass wir die Chance wahrnehmen, die bürgerliche Mehrheit im Stadtrat bereits mit dieser Ersatzwahl wieder herzustellen», so Binder.

Er räume Delvecchio durchaus gute Chancen ein, sagt SVP-Präsident Serge Demuth. «Ich kenne ihn als engagierten Zunftmeister und habe ihn als gut vernetzten Badener kennen gelernt.» Realistisch betrachtet dürfe die FDP kaum auf Stimmen von linken Abweichlern hoffen. Entscheidend werde darum die geschlossene bürgerliche Unterstützung sein. «Die SVP steht voll hinter Delvecchio. Für die Stadt Baden wäre seine Wahl in den Stadtrat sehr wichtig, gerade im Hinblick auf einen ausgeglichenen Finanzhaushalt», sagt Demuth.

Die GLP wird an der Versammlung am kommenden Montag entscheiden, wen sie unterstützen wird. Fraktionspräsident Sander Mallien: «Es ist meine persönliche Meinung, aber ich bin froh, dass Mario Delvecchio nominiert wurde, er war in meinen Augen der FDP-Kandidat mit dem überzeugendsten Leistungsausweis.» Aus dem Duell Caflisch gegen Delvecchio werde das Duell links-grün gegen bürgerlich. «Derzeit stehen die Chancen 50 zu 50», glaubt Mallien. Massgebend könnte aufgrund dieser Blockwahl sein, wie sich die Wähler entscheiden, die nicht in der links-rechts Frage gefangen sind, glaubt Mallien.

Hoffnungsträger für die Doyens

Grosse Hoffnungen in Mario Delvecchio setzt Alt-Regierungsrat Peter C. Beyeler (FDP): Die Position der Stadt Baden habe sich zuletzt geschwächt, nun brauche es einen Macher mit Führungsqualitäten. «In den vergangenen Monaten gab es viele Bemühungen, die bürgerlichen Parteien wieder zu vereinen, und wenn es gelingt, die Wähler an die Urne zu locken, dann sind die Chancen für Delvecchio sicher intakt.» Allerdings handle es sich nicht um eine reine Wahlentscheidung links gegen rechts, so Beyeler. «Dies vor allem, weil SP-Kandidat Jürg Caflisch ein sehr ausgeprägtes linkes Profil hat, also sehr links steht, und dies nicht nur in Verkehrsfragen.»

Als CVP-Doyen und – wie Delvecchio – Angehöriger der Zunft zur Sankt Cordula ist alt Stadtammann Josef Bürge mit der Nomination sehr zufrieden. «Mario Delvecchio habe ich als seriösen und fähigen Unternehmer kennen gelernt. Und er ist ein Charaktertyp», sagt Sepp Bürge. Er habe Delvecchio als Organisator des Ambassador-Clubs auch schon auf internationalem Parkett erlebt.

Personenwahl im Vordergrund

Sepp Bürge betrachtet die Wahlchancen für die FDP mit Mario Delvecchio als sehr gut. «Die Stadt braucht jetzt unternehmerische Führungsqualitäten, wie sie Delvecchio mitbringt», erklärt Bürge. Ob bürgerlich oder nicht bürgerlich stehe für ihn weniger im Vordergrund. Denn: «Hier geht es um eine Personenwahl. Die Bevölkerung muss wissen, dass sie Delvecchio gegenüber Caflisch den Vorzug geben muss.»

FDP-Co-Vize-Präsident Tobi Auer: «Mich freut, dass die bürgerlichen Parteien erstmals seit Jahren wieder Geschlossenheit zeigen.» Dies habe auch damit zu tun, dass Delvecchio kein sturer Parteisoldat sei. In der Fähigkeit zum Konsens sieht er denn auch den grössten Vorteil Delvecchios gegenüber Caflisch. Die grün-linke Seite hat angekündigt, sich geschlossen hinter Jürg Caflisch zu stellen. Bleibt es bei dieser Konstellation, so ist ein Entscheid im ersten Wahlgang zu erwarten. Am 4. September um 12 Uhr ist Anmeldeschluss für die Stadtrats-Ersatzwahl. Spätestens dann weiss man, ob sich noch weitere Kandidierende dazu gesellen.