Handball, NLB

«Städtlis» Flirt mit der Nationalliga A – der Aufstieg wäre ein finanzieller Kraftakt

Voller Zuversicht: Die Badener Philipp Seitle, Seppi Zuber, Marcus Hock, Ramon Schweizer und Gian Grundböck (v.l.). ZVG

Voller Zuversicht: Die Badener Philipp Seitle, Seppi Zuber, Marcus Hock, Ramon Schweizer und Gian Grundböck (v.l.). ZVG

Der STV Baden spielt um den Aufstieg in die höchste Spielklasse – es wäre der erste seit 56 Jahren.

12, 16, 19, 22 und 24. Was für viele nicht mehr als eine beliebige Zahlenfolge ist, dürfen sich Fans und Spieler des STV Baden seit dem vergangenen Wochenende rot im Kalender anstreichen: Es sind die Daten der fünf Aufstiegsspiele, die «Städtli» im Mai gegen den RTV Basel bestreiten wird.

Ausgetragen werden die Spiele im Best-of-Five-Modus – wer als erstes drei Siege hat, spielt nächste Saison in der Nationalliga A, der höchsten Schweizer Spielklasse. Während der Klubfussball in Baden zurzeit unter sportlichen und finanziellen Nöten leidet und die Volleyballer der Kanti Baden seit Jahren ein Schattendasein in der 1. Liga fristen, sind die Badener Handballer also nur noch einen Schritt von der nationalen Elite entfernt.

So gut wie lange nicht mehr

Ob Ende Mai tatsächlich der Aufstieg in die NLA – der erste seit 56 Jahren – zu Buche stehen wird oder nicht, drei Runden vor Saisonende ist bereits klar: Diese Spielzeit wird als die erfolgreichste in die jüngere Vereinsgeschichte eingehen. Seit dem Wiederaufstieg in die NLB vor fünf Jahren schloss man die Saison jeweils im Mittelfeld der Tabelle ab.

Letztes Jahr setzten die Badener dann mit dem 3. Schlussrang ein erstes Ausrufezeichen. Christoph Blöchlinger, Präsident des STV Baden, sieht sich bestätigt, dass es sich um keine Eintagsfliege handelte: «Über weite Strecken hat die Mannschaft ihr Potenzial voll abgerufen. Man merkt, dass die Spieler auf dem Feld harmonieren.»

Gute Leistungen führen zu Erfolg, Erfolg bringt Popularität. Diese Rechnung ging auch für «Städtli» auf: Die Sporthalle Aue war mit durchschnittlich knapp 300 Zuschauern in den Heimspielen sehr gut besucht. Für Blöchlinger ist der grosse Zuspruch der Fans entscheidend: «Ein Sieg bringt dir nichts, wenn es niemanden in der Stadt interessiert, ob du gewonnen hast.»

Unterstützung wird auch gegen NLB-Dominator Basel bitter nötig sein – gegen den die Badener als klarer Aussenseiter in die Spiele gehen werden. Dennoch gibt sich Blöchlinger verhalten optimistisch: «Wir haben eine realistische Chance.»

Aufstieg ein finanzieller Kraftakt

Etwas offensiver äussert sich Björn Navarin, seit 2014 Trainer der 1. Mannschaft. «So weit weg von uns sind die Basler nicht.» Die Tagesform werde entscheiden, seine Spieler müssten aber an ihr «Leistungsmaximum» herankommen.

Im Erfolgsfall will der Bundesliga erfahrene Navarin (VfL Pfullingen 2002 bis 2006), der seinen Vertrag beim STV unlängst verlängert hat, sein Team auf die NLA vorbereiten. «Hoffnungslos verloren» sieht er «Städtli» eine Liga höher nicht. Gegen Topteams wie Schaffhausen oder Pfadi Winterthur werde es auch heftige Niederlagen absetzen. «Doch gegen Konkurrenten aus der unteren Tabellenhälfte sehe ich uns durchaus auf Augenhöhe.»

Klar ist aber auch: Ein Aufstieg wäre für den Stadtverein ein finanzieller Kraftakt. Rund 250 000 Franken sind jährlich für die 1. Mannschaft budgetiert. «Wir hätten mit Abstand den kleinsten Etat aller NLA-Klubs», sagt Christoph Blöchlinger. Gegen den Aufstieg sträuben will sich deswegen aber niemand im Verein. «Wenn die Mannschaft als Gewinner aus den Aufstiegsspielen hervorgeht, werden wir den Weg selbstverständlich mitgehen.»

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