Baden
Standortmarketing: Drängende Fragen nach zwei namhaften Abgängen

Innerhalb weniger Wochen ist es beim Standortmarketing zu zwei namhaften Abgängen gekommen. Sind schlechte Stimmung und fehlende Leitung der Grund?

Martin Rupf
Drucken
Teilen
Nicole Wanner und Jaqueline Bysäth – arbeiten beide nicht mehr beim Standortmarketing.

Nicole Wanner und Jaqueline Bysäth – arbeiten beide nicht mehr beim Standortmarketing.

Zur Verfügung gestellt

In knapp zwei Wochen steht in Baden das traditionelle «Liechterwecke» an – organisiert vom Standortmarketing Baden. Doch beim Standortmarketing selber stehen die Zeichen etwas überspitzt gesagt eher auf Lichterlöschen.

So zumindest lassen sich die neusten Personal-Rochaden bei diesem interpretieren. Denn mit Jacqueline Bysäth, der ehemaligen Leiterin des Tourist-Office Baden Info, und Nicole Wanner haben die Nummern zwei und drei das Standortmarketing verlassen.

Bemerkenswert: Die Stadt, die sonst jede noch so kleine Nachricht wie zum Beispiel neue Bibliotheksöffnungszeiten öffentlich meldet, hat diese beiden Abgänge nie kommuniziert. Auf Anfrage des «Badener Tagblatt» bestätigen Bysäth und Wanner ihren Abgang. «Ich bin seit 30 Jahren in der Reisebranche zu Hause. Bevor ich zum Standortmarketing gewechselt habe, war ich immer im internationalen Reisebusiness tätig», so Bysäth, die das Standortmarketing Ende September nach drei Jahren verlassen hat.

Der Wunsch, zurück in ein globales, dynamisches Umfeld zu wechseln, sei seit Anfang Jahr immer stärker geworden. «Zudem hatte ich das Bedürfnis, wieder fokussierter in einer beratenden und lösungsorientierten Funktion zu arbeiten und näher beim Kunden zu sein.» Seit Anfang Oktober arbeitet Bysäth bei American Express in Zürich als Key Account Manager.

Schon deutlich äussert sich derweil Nicole Wanner, die das Standortmarketing Ende Oktober nach sechs Jahren verlassen hat. «Der Grund für ist, dass ich mich persönlich weiterentwickeln wollte und bei der Stadt im aktuellen Umfeld momentan keine Perspektiven mehr sah.» Wanner wird Anfang Dezember eine Marketingstelle in der Privatwirtschaft antreten.

«Dynamischeres Umfeld» gesucht

Bysäth wie auch Wanner betonen, dass der fast zeitgleiche Abgang nicht abgesprochen, sonder purer Zufall sei. Wanner etwas zweideutig: «Zufall oder nicht, wir wollten uns beide in einem dynamischeren Umfeld weiterentwickeln . . .»

«Dynamischers Umfeld»? Das lässt aufhorchen. Das «Badener Tagblatt» weiss auch sicherer Quelle, dass auch schlechte Stimmung und fehlende Führung innerhalb der Stadtverwaltung mit ausschlaggebend für die Abgänge von Wanner und Bysäth waren.

Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing bei der Stadt Baden, will diese Kritik nicht direkt kommentieren, sondern äussert in erster Linie Bedauern, aber auch Verständnis für den Doppelabgang. «Die Belastung und Herausforderungen bei der ganzen Stadtverwaltung haben sicherlich zugenommen.»

Das Standortmarketing befinde sich dabei in einem besonderen Spannungsfeld. «Es gilt den Bedürfnissen und Wünschen von Wirtschaft, Bevölkerung und Gästen gerecht zu werden.» In Zeiten, in denen Leistungsreduktionen vermehrt diskutiert werden müssten, sei es nicht immer einfach, die Anspruchsgruppen zufriedenzustellen. «Diesen Spagat täglich zu machen, kann viel Energie rauben», so Lütolf.

Obwohl die beiden Stellen während der Sommermonate neu besetzt werden mussten, was laut Lütolf eher ungünstig sei, habe man eine sehr gute Nachfolgeregelung gefunden. So leitet neu Mathias Fleischmann das Tourist-Office Info Baden.

Fleischmann wohnt in der Region und war zuvor Geschäftsführer bei Obergoms Tourismus. Lütolf: «Er bringt also sehr viel Erfahrung im Bereich Tourismus mit.» Und die Nachfolge von Nicole Wanner hat Sabine Dyer Smith angetreten. «Sie war zuvor bei Alstom, später bei General Electric im Marketing tätig und kennt sich also auf dem Platz Baden bereits sehr gut aus», so Lütolf.

Dass die Personalrochade lediglich an die Geschäftspartner und nicht an die Medien vermeldet wurde, sei übrigens nichts Aussergewöhnliches. Lütolf: «Die Stadt Baden kommunziert nur Ab- und Zugänge von Abteilungsleitern an die breite Öffentlichkeit.»