Seit Jahrzehnten ist die Galerie im Gluri-Suter-Huus im alten Dorfkern von Wettingen ein kleiner kultureller Leuchtstern der Gemeinde. Doch seit dem 40-Jahr-Jubiläum im Jahr 2012 sind die Besucherzahlen stark gesunken, um nicht zu sagen eingebrochen. Der Tiefpunkt war 2014, als die von Gemeinde und Kanton finanzierte Galerie gerade mal 937 Besucher zählte, wohingegen es zwei Jahre zuvor noch rund 6000 waren. Ein Jubiläumsjahr ist mit einem Durchschnittsjahr natürlich nicht zu vergleichen. Und doch: In den Nuller-Jahren zählte die Kunststätte jährlich zwischen 2500 und 4500 Besucher. In den vergangenen drei Jahren haben sich die Besucherzahlen bei 1200 Gästen eingependelt.

Die rückläufigen Gästezahlen haben denn auch mehrere Ursachen. Seit 2014 wurde die Anzahl Vernissagen von über acht auf vier reduziert, dafür finanziert die Gemeinde eine Teilzeitstelle für die Galerieleitung, die Rudolf Velhagen damals übernahm. Stefan Meier, Kultursekretär der Gemeinde, sagt: «Vernissagen sind ein beliebter gesellschaftlicher Event, ein schönes Ambiente und ein gemütlicher Apéro locken Gäste an.» Ausstellungseröffnungen würden den Grossteil der Besucher ausmachen, doch sie seien eben auch teuer und aufwendig, weshalb man die Zahl damals halbiert habe. «Wir wollen effizienter arbeiten, mehr Geld und Planungszeit für die Ausstellungsgestaltung und -vermittlung haben, deshalb organisieren und eröffnen wir seit damals jeweils zwei Ausstellungen gemeinsam und machen weniger, dafür längere Ausstellungen.» Kultursekretär Meier organisiert seit 2016 die Ausstellungen im Gluri-Suter-Huus.

Frauen kamen am vergangenen Wochenende für 10 statt 18 Franken in den Badener Partyclub Löschwasserbecken, wenn sie sich sexy kleideten. Das könnte doch auch für die Galerie im Gluri-Suter-Huus eine Lösung sein, um mehr Besucher anzulocken, findet unser Karikaturist:

Krux: international versus lokal

Ein weiterer Grund ist, dass der Fachbereich bildende Kunst die Galerie im Gluri-Suter-Huus in den vergangenen Jahren überregional gestärkt und auch Künstler gezeigt hat, die mit der Region nichts zu tun haben, so etwa das international renommierte Künstlerpaar Monica Studer und Christoph van den Berg aus Basel. «Das verhalf der Galerie zu überregionaler Beachtung, was für lokale Künstler wiederum attraktiv ist, weil dann folgende Ausstellungen in einem weiteren Umfeld wahrgenommen werden», sagt Meier. Doch diese Strategie habe auf der anderen Seite dazu geführt, dass die Galerie bei der Wettinger Bevölkerung nicht mehr so präsent ist, wie sie das bei Ausstellungen von ortsansässigen Künstlern wäre.

Ende 2017 wurde im Rahmen der Sparmassnahmen der Fachbereich bildende Kunst aufgelöst, welcher dem Galerieleiter und Kurator Rudolf Velhagen beratend zur Seite stand. Diese Arbeit teilen sich nun Gemeinderat Philippe Rey, der Anfang Jahr das Ressort Kultur übernommen hat, und Stefan Meier. Rey, der selber in Zürich eine Galerie führt, macht auf einen weiteren Punkt aufmerksam: «In den vergangenen Jahren hat sich die Wettinger Künstlerszene verändert. Während sich die Kunstschaffenden früher zusammentaten und etwa die legendäre Ateliergemeinschaft Spinnerei auf der Klosterhalbinsel mit bis zu 40 Künstlerinnen und Künstlern betrieben, fand seither eine eigentliche ‹Individualisierung› statt.» Durch neue Berufsfelder im Kunstbereich habe sich die Szene zusätzlich segmentiert. «Doch in Wettingen leben und arbeiten immer noch und wieder zunehmend etablierte wie auch junge Künstler, und wir sind zuversichtlich, diese zeigen zu können. Man denke nur an Beat Zoderer, Gabi Fuhrimann oder den Bildhauer Cesco Peter», sagt Rey.

Wieder näher an die Wettinger

«Wir wollen die Galerie wieder näher zu den Wettingern bringen und vermehrt lokalen Künstlern eine Plattform bieten», sagt Meier. Auch solle die Galerie stärker dazu dienen, dass sich die Bevölkerung mit Wettingen und der Region auseinandersetzt. Gerade in Zeiten des Spardrucks sei es wichtig, dass die Bevölkerung wisse, welchen Wert die Galerie für professionelles Kunstschaffen aus der Region und das kulturelle Leben in der Gemeinde habe.

Rund 150 000 Franken stehen dem Gluri-Suter-Huus jährlich zur Verfügung. 25 000 Franken davon steuert das Aargauer Kuratorium bei. Mit dem Geld werden die Ausstellungen, die Miete, die Infrastruktur und teils die Löhne finanziert. Doch damit die Bevölkerung die Galerie wieder stärker als lokale Kulturstätte im Dorf wahrnimmt, braucht es mehr als Geld und vor allem wieder mehr Ausstellungen, ist Rey überzeugt. «Mein Ziel ist es, ab 2019 wieder mehr Ausstellungen zu machen.» Dazu müsse man mehr Sammler suchen, Kooperationen mit Kunststätten oder Varianten für weitere Zusammenarbeiten aufgleisen. Rey denkt auch an ein Sponsoring für die Galerie. «Ich hoffe, dass wir dafür möglichst viele Kunstinteressierte begeistern können.»