Eine Hängebrücke über die Reuss schlagen – das ist die Vision von Werner Humbel. Mit einem 165 Meter langen Bauwerk will der Unternehmer seine beiden Betriebe, den Schweinemaststall in Stetten und die Biogas-Anlage in Nesselnbach, verbinden. Dieses könnten Wanderer benutzen, aber auch Humbels Betriebe würden davon profitieren: Statt wie bisher die Schweinegülle auf der Strasse mit Traktoren via Mellingen vom einen zum anderen Ort zu transportieren, soll dies nun mit einer direkten Leitung unter der Brücke geschehen. Das Baugesuch liegt derzeit beim Kanton und bei den Gemeinden Stetten, Niederwil sowie Tägerig auf.

Gegen das Projekt regt sich jetzt Widerstand. «Wir werden ganz sicher eine Einwendung machen», sagt Johannes Jenny, Geschäftsführer von «Pro Natura Aargau». Denn die Hängebrücke würde in der Reusslandschaft zu stehen kommen, die im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) gelistet ist. «Der Steg und die dafür notwendige Rodung sind ein starker Eingriff in die Landschaft», so Jenny. Auch lebten dort viele Tierarten, die das Gebiet als Rückzugsort nutzen und dadurch massiv gestört würden.

Gülleleitung unter Reuss geht doch

Neben der Hängebrücke hat Humbel auch die Möglichkeit geprüft, an selber Stelle eine Gülleleitung unter der Reuss zu verlegen. Wie Abklärungen gezeigt haben, ist das aber aufgrund von Wasserströmungen nicht realisierbar. Jenny widerspricht: «Wir sind überzeugt, dass es doch geht.» Einfach etwas weiter flussabwärts. Denn in Künten, Eggenwil und Bremgarten seien bereits Leitungen für verschiedene Zwecke unter die Reuss gestossen worden. «Was dort ging, sollte auch da möglich sein.» Allerdings müsste Humbel wohl mit den Landbesitzern verhandeln.

Jenny ist sich sicher, dass «Pro Natura» mit der Einwendung auf «der sicheren Seite» ist. Er zieht den Vergleich mit dem Umfahrungsprojekt Mellingen, das von den Umweltverbänden an das Bundesgericht weitergezogen wurde: Dort gelte es, zwischen der Erhaltung der Landschaft und dem öffentlichen Interesse einer Umfahrung abzuwägen. Würde hingegen das private Interesse von Werner Humbel an einer Hängebrücke über der Landschaftserhaltung überwiegen, würde Jenny «die Welt nicht mehr verstehen».