45-Stunden-Wochen, keine bezahlten Pausen mehr und eventuell sogar ein Verzicht auf den 13. Monatslohn: Dies sind die Massnahmen, mit denen die Verpackungsherstellerin Limmatdruck/Zeiler AG ihre schwierige wirtschaftliche Situation bis Ende 2015 verbessern will.

Das Hauptproblem des aktuellen Geschäftsjahres sei die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank vom vergangenen Januar, sagt Andreas Jung, CEO der Firma, auf Anfrage: «Ein Teil unserer Kunden ist im Exporthandel tätig. Durch den teuren Franken haben wir daher an Wettbewerbsfähigkeit eingebüsst.»

Bereits 2014 musste das zur deutschen rlc-Gruppe gehörige Unternehmen 30 Stellen streichen. Das Mutterhaus begründete dies bereits damals mit Währungsproblemen und Überkapazitäten. Gleichzeitig investierte die rlc in die beiden Schweizer Standorte: Die Limmatdruck/Zeiler AG richtet die Produktion in Spreitenbach seit vergangenem Jahr zunehmend auf Verpackungsmaterial für die Pharmabranche aus, am zweiten Standort Köniz wurde eine neue Druckmaschine in Betrieb genommen.

Branche kämpft mit Überangebot

Erweisen sich diese Investitionen – über deren Höhe das Unternehmen «aus Wettbewerbsgründen» keine Auskunft geben wollte – angesichts der aktuellen Situation rückblickend als Fehlentscheidung? CEO Jung verneint: «Wir sind noch mitten in der Umsetzung der Neusausrichtung. Erste Gespräche mit grossen Unternehmen laufen. Zudem haben wir bereits jetzt viele treue Kunden im Bereich der Pharmaverpackungen.»

Neben der Währungsnachteile nennt er einen weiteren Grund für den schweren Stand seiner Firma: Es herrsche in der Verpackungsindustrie grundsätzlich ein Überangebot.

Für die Geschäftsleitung bestanden laut Jung zwei Möglichkeiten, um dem gegenwärtigen währungsbedingten Marktnachteil zu begegnen: Personalkosten sparen oder zusammen mit der Belegschaft die Effizienz und Produktivität erhöhen. «Wir entschieden uns für die zweite Lösung. Und es macht uns stolz, wie die gesamte Belegschaft mitzieht», sagt Jung.

Das Massnahmenkonzept, welches die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 45 Stunden bei gleichem Lohn sowie den Verzicht auf bezahlte Pausen beinhaltet, habe das Kader der Limmatdruck mit der Personalkommission vorgängig besprochen, erklärt er.

Anschliessend hätte die Firmenleitung es der Mitarbeiterversammlung präsentiert und eine Befragung bei den Angestellten durchgeführt. «99,5 Prozent der Belegschaft haben eine Erklärung unterzeichnet, wonach sie mit den vorgeschlagenen Massnahmen einverstanden sind», so Jung. Die restlichen 0,5 Prozent entschieden sich dazu, ihre Stelle aufzugeben. «Dabei handelte es sich aber ausschliesslich um Frühpensionierungen», versichert der CEO.

Heute zählt die Limmatdruck/Zeiler AG noch 302 Angestellte. Die Massnahmen sind bis Ende 2015 befristet, dann zieht die Geschäftsführung Bilanz. Weitere personelle Konsequenzen seien bis dahin vom Tisch, sagt Jung. Was aber im Raum steht und an der Mitarbeiterversammlung diskutiert wurde, ist ein möglicher Verzicht auf den 13. Monatslohn, wie er sagt. Dazu käme es aber nur, wenn die Zahlen sich bis im Herbst nicht verbessern.

Und dies gilt auch für das Kader, sie der CEO erklärt: «Die Gehälter von Kader und Geschäftsleitung würden ebenfalls um ein Dreizehntel gekürzt, wenn sich kein positives Geschäftsergebnis abzeichnet.» Um dies zu erreichen, brauche die Limmatdruck/Zeiler AG eine Effizienzsteigerung von 10 Prozent. Kann das Unternehmen bis Ende 2015 gar Gewinn erwirtschaften, so würden die Angestellten daran beteiligt.

Eine Frage des Blickwinkels

Ein weniger harmonisches Bild der Bestrebungen, die Effizienz der Limmatdruck/Zeiler AG zu steigern, zeichnet die Gewerkschaft Syndicom. Man wisse, dass längst nicht alle Angestellten mit den neuen Arbeitsbedingungen zufrieden seien, sagt Syndicom-Zentralsekretär Angelo Zanetti: «Die Stimmung beim Personal war schlecht. Die Personalkommission hat es versäumt, sich mit den Mitarbeitern abzusprechen, und verhandelte eigenhändig mit der Geschäftsführung.»

Das habe etwa dazu geführt, dass die Forderung nach einem Kündigungsschutz als Gegenleistung für die befristeten Massnahmen nicht berücksichtigt worden sei, so Zanetti. Am Ende sei der Druck seitens der Geschäftsleitung aber so gross gewesen, dass viele unterschrieben hätten, die mit den Arbeitsbedingungen nicht zufrieden waren.