Baden

Starkes Zeichen: 7000 Unterschriften und ein Demomarsch für den «Royal»-Erhalt

Mehrere Hundert Personen haben in der Rathausgasse in Baden ein starkes Zeichen für den Erhalt des Kulturbetriebs im «Royal» gesetzt. Stadtrat und Kulturvorsteher Erich Obrist nahm die Petition mit 7000 Unterschriften sichtlich bewegt entgegen.

Genau vor 104 Jahren wurde in Baden mit dem «Radium» das erste Kino eröffnet (siehe rechts). Kulturschaffende und «Royal»-Sympathisanten nutzten den Geburtstag, um am Donnerstagabend dem Stadtrat und Kulturvorsteher Erich Obrist (parteilos) insgesamt 7000 Unterschriften für den Erhalt des Kulturbetriebs im ehemaligen Kino zu überreichen.

Die Szenerie mit rund 400 Anwesenden erinnerte an die Kundgebung im Winter 2010, als dem Stadtrat an gleicher Stelle 4000 Unterschriften gegen den Abriss des «Royal» überreicht wurden. Mit Erfolg: Seit Ende 2011 wird das geschichtsträchtige Gebäude kulturell zwischengenutzt.

Immer wieder wurde das laufende Mietverhältnis zwischen der Grundeigentümerin Zuriba AG und der Stadt verlängert, wovon die Kulturbetreiber als Untermieter profitierten. Doch seit zwei Wochen steht fest: Ende 2017 ist definitiv Schluss. Denn ab Frühjahr 2018 plant die Eigentümerin, das angrenzende Postareal umzubauen; das entsprechende Baugesuch wird bald eingereicht. Das «Royal» soll dann als Baubüro dienen.

Im Sarg befinden sich die Unterschriften

Im Sarg befinden sich die Unterschriften

Langfristige Lösung gefordert

Das wollen und können die «Royalisten» nicht akzeptieren. In einer ersten Stellungnahme wählte der Gründungsverein Royal Baden denn auch deutliche Worte. «Die neusten Entwicklungen sind ein Armutszeugnis für die Badener Kulturpolitik.» Nachdem «Bauleiterin» und Slampoetin Patti Basler zu den Anwesenden gesprochen hatte, ergriff Gründungsmitglied Marc Angst das Wort: «Wir sind dankbar, dass wir vor rund sechs Jahren die Möglichkeit erhielten, das ‹Royal› kulturell zu nutzen.»

Heute sei das «Royal» ein etabliertes Kulturhaus, das Platz für verschiedenste Kulturformen biete. Wohlwissend, dass der Kulturbetrieb von Anfang an befristet war, sagte Angst für alle hörbar: «Wenn man Zwischennutzungen ermöglicht und fördert, fördert man immer auch Experimente. Heute können wir sagen, dass dieses Experiment verdammt gut gelungen ist. Noch nie hat man in Baden so günstig so viel Kultur erhalten.» Von der Stadt verlange man, dass mit der Eigentümerin neu verhandelt und dass der Betriebsverein aktiv und mit allen Mitteln bei der Suche nach einer langfristigen Lösung unterstützt werde.

Erich Obrist bei seiner Ansprache

Erich Obrist bei seiner Ansprache

Starke Emotionen bei Erich Obrist

Nachdem Stadtrat Erich Obrist die Unterschriften entgegengenommen hatte, ergriff er sichtlich aufgewühlt das Wort: «Es ist hier und heute ein schwieriger Moment und nicht einfach hinzustehen.» Er danke für die eindrücklichen Worte und sei sehr absolut überwältigt von der grossen Anzahl der Anwesenden und der Kundgebung. «Ich gebe ein offizielles Statement ab und ein inoffizielles – zuerst das offizielle.»

Der Stadtrat werde die Petition als Bericht entgegennehmen und dann über das weitere Vorgehen befinden. «Wir sind erst einmal froh und zufrieden, dass der Kulturbetrieb noch bis Ende Jahr erhalten werden kann und dass die Eigentümerin nicht plant, das Gebäude abzureissen.» Auch sei man erwartungsfroh, dass die Eigentümerin in diesem Gebäude wirklich etwas Gutes realisieren wolle. «Wieso nicht etwas sehr Gutes wieder in Gang setzen?», fragte Obrist rhetorisch in die Runde und erntete dafür im Publikum viel Applaus.

Danach zog Obrist den Kittel ab und kam zum inoffiziellen Teil: «Zwischennutzungen sind Bestandteil des Kulturkonzepts; diese haben immer einen Anfang und ein Ende. Und das Ende heisst Abschied nehmen und das ist extrem hart.» Umso mehr wolle er den aktuellen Betreibern dafür danken, dass sie den Bettel jetzt nicht einfach hinschmeissen. «Aber auch ich bin traurig, enttäuscht, ja wütend darüber, dass ein Kulturbetrieb einem Baubüro weichen muss.» Er sei aber überzeugt, dass dieser grosse Aufmarsch auch «bei den Herren von Zuriba» nicht spurlos vorbeigehen werde. «Ich verspreche Ihnen, der Stadtrat bleibt dran und wir setzen uns mit den Möglichkeiten, die wir im Stadtrat haben, für den Erhalt des ‹Royal› ein.

Wie wichtig das «Royal» inzwischen ist, brachte auch Nik Fischer, Leiter des Musikfestivals «One of a Million», am Rande der Veranstaltung auf den Punkt: «Die Schliessung wäre ein grosser Verlust für unser Festival und das Badener Musik- und Kulturschaffen.» Das Royal sei derzeit die wichtigste Produktionsstätte der Badener Kultur. «Hier bildet sich die Zukunft der lokalen Kunstszene aus.

Die Stadt sollte sich positionieren: Für eine lebhafte Innenstadt, eine lebensfrohe, starke Kulturszene, die auch in der Innenstadt eine Chance hat und nicht noch mehr an den Rand des Stadtzentrums gedrängt wird», so Fischer. Getreu diesem Motto feierten die Kundgebungsteilnehmer nach der Petitionsübergabe den Geburtstag ihres «Royal» in der Rathausgasse – auf dass es nicht die letzte Feier gewesen sein wird.

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