Baden

Statt Eisfeld hat Firmengründer jetzt Einlagen unter den Füssen

Mario Malgaroli (mit Brille) bei einer Fallbesprechung mit seinem interdisziplinären Team aus Orthopädieschuhmacher- Meister Patrick Ruckstuhl (v.l.) sowie den Bewegungswissenschaftlern Claudio Cucuzza und Manuela Crameri.

Mario Malgaroli (mit Brille) bei einer Fallbesprechung mit seinem interdisziplinären Team aus Orthopädieschuhmacher- Meister Patrick Ruckstuhl (v.l.) sowie den Bewegungswissenschaftlern Claudio Cucuzza und Manuela Crameri.

Was einst als Zweimann-Betrieb anfing, hat sich in den letzten 30 Jahren zu einer Firma mit 90 Mitarbeitenden entwickelt: die Orthopädie Podologie Malgaroli & Werne AG in Baden.

Eigentlich hätte die Laufbahn von Mario Malgaroli anders verlaufen sollen: Eishockey war sein Leben, bis ihm ein Unfall einen Strich durch die Rechnung machte. «Danach konnte ich die linke Hand nicht mehr so einsetzen, wie ich es für eine Profi-Karriere hätte tun müssen», sagt Malgaroli. «Das Eishockey war ein willkommener Einstieg in die finanzielle Unabhängigkeit. Es war mir aber immer klar, dass ich irgendwann etwas Langfristigeres aufbauen muss.» Deshalb liess sich Malgaroli nach der Lehre als Orthopädie-Schuhtechniker zusätzlich als Podologe ausbilden. Seinen Kollegen und späterer Compagnon Thomas Werne lernte er während der Ausbildung kennen.

Als sie sich später einmal an einem Kongress wieder sahen, kam die Idee auf den Tisch, gemeinsam ein Geschäft aufzuziehen. «Ich hätte zwar damals den Betrieb, in dem ich angestellt war, übernehmen können», sagt Malgaroli. «Doch ich wollte was Eigenes.» Gesagt, getan: Eine Lokalität in Ennetbaden war schnell gefunden, der Zweimann-Betrieb konnte starten.

Firma beschäftigt 90 Mitarbeiter

Der Startschuss der Firma war so erfolgreich, dass kurz darauf ein zweiter Standort in Luzern eröffnet werden konnte. Und weil man in Ennetbaden aus allen Nähten platzte, zog das Unternehmen in den Neustadthof in Baden. «Wir sind stets organisch gewachsen, sind heute an neun Standorten vertreten», betont der 56-Jährige, der sich später noch im Bereich der Biomechanik weiterbilden liess. Mittlerweile beschäftigt die Firma 90 Mitarbeitende. Dieses Wachstum habe dazu beigetragen, dass die Firma keine wirtschaftliche Krise aussitzen und deshalb auch nie Leute entlassen musste.

«Für unseren Erfolg war und ist ausschlaggebend, dass wir die Nase stets vorne haben», betont Malgaroli. «Wie etwa als erstes Unternehmen die CAD-Fertigung für orthopädische Schuheinlagen umzusetzen.» Auch als Erste hat die Firma das Managementsystem und die produzierten Medizinprodukte ISO zertifizieren lassen. Zudem arbeite sie seit Jahren mit Bewegungswissenschaftlern der ETH zusammen und lasse die Laborergebnisse in ihre Produkte einfliessen.

«Tragen soll Freude machen»

Durch die Präsenz von Malgaroli in Fachgremien bleibt der Firmenpatron nicht nur stets am Puls der Branchenentwicklung, sondern gestaltet diese auch aktiv mit. So gibt er sein Wissen an Seminaren und Fachtagungen weiter. Aber auch der interne Wissenstransfer wird stark vorangetrieben: «Wir haben mehrere Projekte am Laufen, mit dem Ziel, das Wissen in unserer Organisation zu digitalisieren und allen Mitarbeitenden zugänglich zu machen», sagt Malgaroli.

Das Unternehmen legt jedoch nicht nur Wert auf ein solides Handwerk und eine gelungene Digitalisierung, sondern auch auf Lifestyle: Der Schuh mit Einlagen soll modern, pfiffig oder aber business-ähnlich daherkommen. «Das Tragen soll Freude machen», sagt Malgaroli. Keine dicken Sohlen mehr, keine biederen Farben. Falls Einlagen in herkömmlichen Schuhen nicht möglich sind, können in der hauseigenen Werkstatt Massschuhe gefertigt werden.

Kein Problem in Nachfolgesuche

2018 ist Mitgründer Thomas Werne in den Ruhestand getreten. Ebenfalls im letzten Jahr wurde der Traditionsbetrieb Orthopädie Glauser ins Unternehmen integriert. Dabei sah sich die Firma mit der Herausforderung konfrontiert, eine langjährig bestehende Organisation mit einer bereits existenten Firmenkultur zu integrieren. «Ein solcher Kulturwandel geht nie reibungslos über die Bühne», sagt der Firmengründer. «Das hat auch nichts damit zu tun, ob es früher besser oder schlechter war.» Am Ende gehe es darum, die unternehmerische Vision und alle Disziplinen unter einem Dach zu vereinen. «Dieser Vision ist man mit der Integration der Orthopädie- und Rehatechnik ein weiterer Schritt nähergekommen.»

Malgaroli blickt zuversichtlich ins neue Jahr und will auch weiterhin die Nase vorne haben: Deshalb investiert das Unternehmen kräftig in digitale Themen — und das nicht nur in der Administration, sondern auch in der Produktion. Letztes Jahr wurde eine neue Stelle zwecks Evaluierung und Umsetzung zukunftsweisender Technologien in der Orthopädietechnik geschaffen: «Die Schwierigkeit für Unternehmen unserer Grösse ist immer auch die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt», weiss Malgaroli.

Der richtige Zeitpunkt dürfte dereinst auch für die Nachfolgeregelung kein Problem darstellen: Dafür baue man seit Jahren intern fähige Mitarbeiter auf. Auch Malgarolis zwei Töchter, eine ist Podologin, die andere studiert an der Universität St. Gallen, sind möglicherweise an der Übernahme des Unternehmens interessiert.

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