Letzten Freitag offerierte die Brauerei Müller einen halben Liter Gratis-Bier. Was grosszügig tönt, hat sich als knausrig entpuppt. Denn in einem Inserat versprach die Badener Brauerei: «Testen Sie eine Stunde lang gratis die Vielfalt der Schweizer-Original-Biere unserer Region.»

Bedingung: Man musste das Inserat mitbringen, das die Firma zwei Tage zuvor in der Aargauer Zeitung abdrucken liess.

Kleingedruckt steht dort: «Bei Abgabe dieses Inserates erhalten Sie gratis fünf Deziliter Müller Bräu.» Viele übersahen das Kleingedruckte, liessen sich vom vermeintlichen Freibierversprechen anlocken.

Felix Meier, Geschäftsleiter von Müller Bräu, verneint eine allfällige Lockvogel-Taktik: «Ich kann Ihnen garantieren, dass hinter dieser Aktion nur guter Wille steckte. Im Inserat steht klar, dass es nur ein Glas gratis gibt.»

Die Aktion war beschränkt auf die Zeit zwischen 17 und 18 Uhr. Erfahrene Biertrinker wissen es: In einer Stunde lässt sich weit mehr als ein Glas Bier trinken. Manche nahmen deshalb in weiser Voraussicht Kopien des Inserats mit — doch die zählten nicht.

So oder so hatten viele Bierfreunde keine Freude am Gratis-Test. Zum Beispiel Andreas Gut aus Lengnau: Er wollte zusammen mit fünf Kollegen endlich das grosse Sortiment von Müller Bräu degustieren: vom «Urweizen» über das «Badener Gold» bis hin zum «Zwickel». Doch gratis gab es nur ein Glas.

Gut und seine Kollegen fühlten sich vor den Kopf gestossen. «Ich habe dann trotzdem von jeder Biersorte ein Glas getrunken, aber gegen Bezahlung. Eine Sorte allein ist ja noch kein Test», sagt Gut.

Er fühlt sich verschaukelt. In einer Mail an Felix Meier und die Aargauer Zeitung schreibt er von einem «Skandal». Er sagt: «Mit dieser halbbatzigen Aktion macht sich die Brauerei lächerlich.» Das Gratis-Bier hinterlässt offenbar einen herben Nachgeschmack.

Andere waren grosszügiger

Der Gratis-Test war keine Einzelaktion der Brauerei Müller, sondern Teil einer schweizweiten Freibierstunde, angeregt von der Interessengemeinschaft (IG) unabhängiger kleiner und mittlerer Brauereien.

Zehn Brauereien kündigten ihre Teilnahme an. In einer Mitteilung von Ende Juli heisst es: «Die IG-Brauereien werden mit einer Stunde Freibier in ihren Regionen die ausgezeichneten Schweizer-Original-Biere in ihrer Vielfalt gratis ausschenken.»

Der Präsident der Interessengemeinschaft (IG), Alois Gmür, erklärt den Sinn der Aktion: «Wir leiden darunter, dass immer mehr ausländisches Bier importiert wird. Mit der Aktion wollten wir etwas unternehmen gegen die Massenbiereinwanderung.»

Denn 25 Prozent des hierzulande getrunkenen Biers kommen aus dem Ausland. Gmür bestätigt: «Die Devise der IG war schon, dass der Zapfhahn eine Stunde lang offen sein soll.» So hat der Schwyzer Nationalrat und Braumeister am letzten Freitag selbst mehr als einen Liter getrunken, als seine Brauerei Rosengarten in Einsiedeln Freibier ausschenkte.

Gleiches galt auch für die anderen teilnehmenden Brauereien, zum Beispiel die Brauerei Baar im Kanton Zug. Dort gab es sogar während zweier Stunden Freibier ohne Grenzen. Dazu musizierte auch noch das Trio Hopfemandli.

Wieso ging es im Badener Biergarten nicht derart beschwingt zu und her? «Eine Stunde lang möglichst viel Bier zu verteilen, war nicht das Ziel, sondern wir wollten den Gästen ein genussvolles Müller Bräu im grossen Glas offerieren», sagt Felix Meier.

Deshalb habe man sich mit den besten Absichten für das System mit dem Inserat entschieden. «Wir tragen auch eine gesellschaftliche Verantwortung, weshalb wir nicht am Freitagabend uneingeschränkt Bier ausschenken wollen.»

Das System mit dem Inserat hat die Brauerei laut Meier schon 2013 angewandt. Gleichwohl will er auf die Kritik reagieren: Auf Anfrage sagt er, dass er Andreas Gut zu einem exklusiven Brauereirundgang einladen wolle, wo er alle Biere degustieren könne.

Letzte Woche musste sich schon der Biergarten Kritik anhören, weil Sicherheitsangestellte den Gästen beim Eingang unter anderem Sackmesser und Wasserflaschen wegnehmen.