Shoppi Tivoli

Statt mit zum Einkauf geht es für Hunde in die Box

Hundeboxen im Shoppi Tivoli: nett gemeint, aber leider auch idealer Ort für Krankheitsübertragung durch Keime und Bakterien.zvg

Hundeboxen im Shoppi Tivoli: nett gemeint, aber leider auch idealer Ort für Krankheitsübertragung durch Keime und Bakterien.zvg

Seit neustem hat es im Shoppi Tivoli in Spreitenbach für die Kundschaft mit Vierbeinern «Hundeparkplätze». Obs Fifi in der Box ebenso freut, das sei wohl dahingestellt.

Es gibt nichts, was es nicht gibt, wenn es um des Menschen vierbeinigen Freund geht: Während Kinder mancherorts während des Einkaufs in eine Spielecke «gesteckt» werden können, denkt man nun im Shoppi Tivoli auch an die «Fellnasen». «Das grösste Einkaufscenter der Schweiz bietet der Kundschaft Hundehütten in zwei Grössen, in denen Hunde sicher und entspannt verweilen können», heisst es in der Medienmitteilung. Ziel der Anschaffung sei es, den Hunden sowie der Kundschaft einen angenehmen Aufenthalt im Shoppi Tivoli zu bieten.

«Die insgesamt sechs Hütten sind jeweils bewusst vor den grössten Lebensmittelgeschäften platziert, weil Hunde dort aus hygienischen Gründen nicht hineindürfen. Ab sofort können also die Tiere in einem mit weichen Kissen ausgestattete ‹Hundeparking› auf ihr Herrchen oder Frauchen warten.»

Das Shoppi Tivoli nimmt damit keineswegs eine Pionierrolle ein, denn bei verschiedenen Einkaufsstätten gibt es bereits solche Einrichtungen, so beispielsweise bei der Ikea. Andernorts stellte man früher ein Stück Kanalisationsrohr bereit, damit der Hund nicht ungeschützt vor dem Laden angebunden werden musste. Die Idee mag zwar im ersten Augenblick noch sympathisch anmuten. Doch da sind die Fachleute eher anderer Meinung.

«Ideal» für Keime und Bakterien

Sandra Boutellier, Tierärztin in der Kleintierpraxis Dättwil, äussert dazu aus veterinärmedizinischer Sicht Bedenken: «Auch wenn das Angebot gut gemeint ist, muss sich jeder Hundehalter bewusst sein, dass diese Boxen ideale Orte für krankheitserregende Keime oder Bakterien sind», erklärt sie. Das könne über die Ausscheidung von Kot oder Urin geschehen, aber auch allein schon über den Speichel, den ein Hund beim Bellen absetze. Boutellier erwähnt als klassisches Beispiel die Übertragung des Zwingerhustens.

Hundefachfrau und Trainerin Judith Keller aus Baden möchte die Hundehalter mahnen, sich zuerst Gedanken zu machen, ob dies der richtige Ort für ihren Hund sei. «Eine solche Hundehütte mag vielleicht das kleinere Übel sein, als wenn der Hund vor dem Ladengeschäft angebunden wird», sagt Keller. «Wie sich aber ein Hund fühlt, wenn er mitten im Einkaufsrummel in einer Box gesperrt warten muss und allenfalls von vorbeigehenden Personen, insbesondere von Kindern auf Trab gehalten wird, das ist doch die andere Seite», gibt sie zu bedenken. «Insofern wäre es wohl die klügere Entscheidung, den Hund zu Hause oder im Auto zu lassen, wo er dann auch seine Ruhe findet», fügt die Hundetrainerin an. «Wenn es sich denn nicht vermeiden lässt, den Hund in solch einer Box unterzubringen, empfiehlt es sich, eine ihm vertraute Decke und allenfalls etwas zum Kauen dazuzulegen.»

«Natürlich gehen die Meinungen über unsere neuste Anschaffung auseinander», meint Patrick Stäuble, Centerleiter des Shoppi Tivoli. Letztlich liege aber die Entscheidung, die «Hundeparkplätze» zu nutzen, bei jeder Besitzerin und jedem Besitzer selber.

Und sofern diese ihre Hunde auch genügend kennen, werden sie dankend darauf verzichten, diese in eine Box zu sperren, die mitten im Einkaufsgetümmel steht. Ob das Shoppi Tivoli vor seiner Aktion eine Fachperson der Veterinärmedizin oder des Hundeverhaltens konsultiert hatte, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

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