Der Vorhang bleibt zu, die Saison des Teatro Palino ist vorbei. Künstlerin Stella Palino zieht Bilanz: «Wir haben drei Eigenproduktionen vorgeführt. Alle sind sehr gut angekommen.» Wobei das Herz der Transgenderfrau besonders am Stück «Gender Mutiny» (zu Deutsch «Meuterei der Geschlechter») hängt. Den ganzen Winter über habe sie an dem Stück gearbeitet. «Obwohl wir keine Fördergelder dafür erhalten haben», sagt Stella, sichtlich enttäuscht.

Das Kuratorium habe die Förderung abgesagt, bevor das Stück geplant gewesen sei. Die 20 000 Franken Subventionsgelder der Stadt wurden in die anderen beiden Eigenproduktionen «Fumigenes» und «Apropos» investiert. So arbeiteten alle Beteiligten beim Stück «Gender Munity» ohne Gage und teilten sich das generierte Geld aus den Eintritten. «Ich glaube, man hat Angst vor dem Thema ‹Transgender›. Das ist, wie als vor 25 Jahren Homosexualität in der Kunst aufgegriffen wurde.» Es sei ein heikles Thema, doch es interessiere die Menschen. So besuchten rund 600 Zuschauer das Stück im Kurtheater. «Jetzt möchte ich mit ‹Gender Munity› ins Ausland», sagt Stella. Interesse hätten bereits Theater in Paris und Quebec gezeigt, es sei aber noch nichts definitiv.

Stadt schätze das Theater nicht

Trotz der positiven künstlerischen Bilanz kann sich Stella nicht so richtig freuen. Grund dafür ist die finanzielle Lage des Theaters: Bislang erhielt das Teatro Palino noch 20 000 Franken Subventionsgelder von der Stadt. Seit Neuestem ist klar: Für die kommende Saison müssen für jedes Stück einzeln Gelder beantragt werden.

«Ich hoffe, jetzt endlich über die Landesgrenzen hinaus zu kommen»: Stella zieht Bilanz über die vergangene Saison und blickt in die Zukunft.

«Ich hoffe, jetzt endlich über die Landesgrenzen hinaus zu kommen»: Stella zieht Bilanz über die vergangene Saison und blickt in die Zukunft.

«Wir sind die einzige produzierende Theaterinstitution in der Stadt und man lässt uns austrocknen», sagt Stella. Die Stadt habe kein Interesse am Teatro Palino. Dies sei sehr enttäuschend und ernüchternd. «Ich bin seit fast 40 Jahren aktiv und habe 50 Produktionen gemacht. In dieser Zeit waren Kanton und Stadt immer meine Hauptförderer», sagt Stella. Diese Kontinuität werde aber nicht geschätzt. Was sagt die Stadt zu diesen Vorwürfen? «Die Kulturkommission hat entschieden, keine finanzielle ‹Carte blanche› mehr zu vergeben. Gelder werden von nun an auf Gesuch hin gesprochen», sagt Patrick Nöthiger, Leiter der Abteilung Kultur. Das Teatro Palino sei der Stadt deshalb nicht egal. «Seit Jahren wird das Theater von der Stadt unterstützt», sagt Nöthiger. Da die Qualität der einzelnen Produktionen aber stark schwanke, sei die Art der Förderung nun verändert worden. «Das ist auch eine Gleichstellung mit allen anderen produzierenden Künstlern, die ebenfalls Anträge stellen müssen.» Gesuche können dreimal im Jahr eingegeben werden. Anträge bis zu 5000 Franken werden laufend behandelt.

Beurteilt werden Gesuche aufgrund ihrer inhaltlichen Qualität. «Das heisst, die Kulturkommission beurteilt Produktionen aufgrund von Kriterien wie Stimmigkeit, Professionalität, Relevanz, Machbarkeit und Resonanz», sagt Patrick Nöthiger.

Bar generiert zu wenig Geld

Stella darf sich unterdessen dafür über die grosszügige Schenkung einer älteren Badenerin freuen. «Das bringt uns durch das Sommerloch.» Auch sind für die nächste Saison wieder Jazzabende in der UnvermeidBar sowie drei Produktionen geplant. «Es wird einfach sehr umständlich, wenn man für jede Produktion Geld anfordern muss», sagt Stella. Die Spontaneität gehe verloren und viel Zeit fliesse in das Schreiben von Anträgen statt in die Vorbereitung der Stücke.

Ob die UnvermeidBar nicht genug Absatz bringt, um das Theater zu finanzieren? «Nein, leider geht das Konzept nicht auf», sagt Stella. Die Bar sei zwar gut besucht, doch die Miete zu hoch, als dass ein Gewinn entstehen würde. Stella: «Zwei bis drei Vermietungen der Bar im Monat, das wäre unsere finanzielle Rettung.»