Stella Palino steht wieder vor Schuldenberg

Baden Stalla kann die «Unvermeidbar» und das «Teatro Palino» nur mit Fremdgeldern retten

Erna Lang-Jonsdottir
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Die transsexuelle Stadtammann-Kandidatin Stella Palino in ihrem Theater-Restaurant in Baden an der Rathausgasse 22. Aufgenommen am 7. Dezember 2012.

Die transsexuelle Stadtammann-Kandidatin Stella Palino in ihrem Theater-Restaurant in Baden an der Rathausgasse 22. Aufgenommen am 7. Dezember 2012.

«Das kleine Kunstcafé mit dem Theaterbetrieb im Herzen der Stadt Baden ringt nach Luft.» Das schreibt die Theaterfrau Stella Palino und Betreiberin der «Unvermeidbar» und des «Teatro Palino» in ihrem öffentlichen Brief an «Theaterbegeisterte und an die Freunde der unvermeidbaren Künste». Grund für das Schreiben: Palino ist erneut in ein finanzielles Loch geraten (s. Text rechts).

Rund 80 000 Franken Schulden – «plus weitere zu erwartende gesetzliche Abgaben» – haben sich seit der Eröffnung der «Unvermeidbar» im Jahr 2010 angesammelt. Jetzt drohen dem Kunstcafé und dem Theater das Aus, sollte sich die finanzielle Lage nicht bald verbessern. «Wie konnte es nur so weit kommen, ist das Lokal doch meistens voll?», fragt sich Palino in ihrem Schreiben mit dem Titel «Die Gründe und der Plan zur Rettung».

Zu viele Mitarbeiter angestellt

«Das kleine Lokal ist schnell voll», sagt Palino und blickt zur Bar. «Ich habe den Betrieb des Kunstcafés ohne Liquidität und mit einem Rest an Umbauschulden aufgenommen», erinnert sie sich. Nach der Eröffnung habe sie zu viele feste Mitarbeiter beschäftigt. «Die Lohnkosten waren zu hoch und die vegetarische, biologische Küche rentierte nicht», erklärt sie. Ganz zu schweigen von dem Mietpreis von 6000 Franken, der auch bezahlt werden müsse.

Als Palino anfing, die finanziellen Löcher des Theaters mit Geldern aus der Kasse der «Unvermeidbar» quer zu finanzieren, kam sie erst recht ins Rudern. Sie betont: «Die Subventionen der Stadt Baden und des Kuratoriums von 70 000 Franken sowie die Beiträge von Stiftungen von rund 18 000 Franken reichen für den Betrieb des Theaters einfach nicht aus.» Vor einem Jahr musste sie sich dann endlich eingestehen, dass sie die Ausgaben der «Unvermeidbar» und des «Teatro Palino» nicht mehr decken kann. Dennoch reagierte sie nicht. «Das Stadtfest stand vor der Türe. Das Kunstcafé lief sehr gut und wir schrieben sogar schwarze Zahlen», erklärt sie.

Erste Massnahmen kommen spät

Nach einem schwierigen Herbst und einem miserablen Dezember 2012 – das Theaterstück Philosophie intim lief schlecht – ergriff Palino die ersten Sparmassnahmen: Die Küche wurde geschlossen und das Personal reduziert. «Damit können monatlich 10 000 Franken eingespart werden.» Von ehemals fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist Anita Müller heute die einzige Festangestellte. Sie führt den Betrieb der «Unvermeidbar» organisatorisch, personell und logistisch.

«Meine Fähigkeiten als Geschäftsfrau und als Wirtin sind begrenzt», gibt Palino zu. Deshalb habe sie jetzt eine Buchhalterin, die ihr auf die Finger schaue. Das habe zur Folge, dass für das Kunstcafé und das Theater separate Buchhaltungen geführt werden. «Eine getrennte Buchhaltung liegt bereits im Abschluss 2012 vor», versichert Palino. Ziel sei es dann auch, das Theater mit den Einkünften der «Unvermeidbar» zu unterstützen. «Dazu muss der Aufwand kleiner sein als der Ertrag», ist sich Palino bewusst.

Palino will die Lokale retten

Zwar werden mit der «Unvermeidbar» wegen der erwähnten personellen Einsparungen seit zwei Monaten schwarze Zahlen geschrieben, «doch ich habe zu spät gehandelt. Wir schaffen es nicht, den Schuldenberg mit eigenen Mitteln abzubauen.» Sie hätte die Insolvenz kommen sehen müssen, wirft sie sich heute vor.

Um das Badener Kunstcafé zu retten, will Palino einen Gönnerverein gründen. Weiter sucht sie Sponsoren und Firmen oder Privatpersonen, die gewillt sind, sie mit einem namhaften Beitrag zu unterstützen. «Auch ein zinsloses Darlehen wäre eine Möglichkeit.» Sollte sich die finanzielle Situation nicht bis im Juni verbessert haben, wird Baden um ein Kulturlokal ärmer sein: «Falls ich Konkurs gehe mit meinen Lokalen, werde ich möglicherweise meine Zelte hier abbrechen.»