Baden

Stella Palino wurde gekündigt – jetzt droht dem Kunstcafé «Unvermeidbar» das Aus

Wegen offener Fenster: Der Vermieter des Kunstcafés hat Stella Palino per Ende Oktober gekündigt.

«Meine Existenz ist bedroht», sagt Theaterfrau Stella Palino. Vor sieben Jahren eröffnete sie die «Unvermeidbar» an der Badener Rathausgasse. Ursprünglich als Foyer für ihr «Teatro Palino» gegenüber gedacht, entwickelte sich daraus ein Kunstcafé mit einer eigenen kleinen Bühne, auf der regelmässig Aufführungen stattfinden.

Doch jetzt droht der «Unvermeidbar» das Aus: Der Vermieter hat Stella Palino auf Ende Monat gekündigt. Sie habe die Sorgfaltspflicht verletzt, da sie die Fenster im ersten Stock regelmässig offen gelassen habe.

Stella Palino bestreitet nicht, dass sie immer wieder die Fenster geöffnet hatte, auch über Nacht. «Da wir keine Lüftung haben, können wir nur so frische Luft hereinlassen.» Die Fenster danach wieder zu schliessen, sei schlichtweg vergessen gegangen. Während der Badenfahrt seien sie offen geblieben, da sie eine Installation oberhalb der Rathausgasse im Innern des ersten Stocks befestigt habe.

«Ich überlege mir, Baden zu verlassen»

«Ich überlege mir, Baden zu verlassen»

Stella Palino hat schlaflose Nächte.

Dass ihr nun deswegen gekündigt wurde, «dünkt mich an den Haaren herbeigezogen», sagt Stella Palino. Sie habe eher das Gefühl, dass der Vermieter mehr Geld verlangen möchte. Das Haus und die «Unvermeidbar» lägen ihr am Herzen, sagt die Theaterfrau. Den Vorwurf des Vermieters, dass sie das Haus verlottern lasse, weist sie von sich. «Bis jetzt ist noch nie etwas kaputtgegangen wegen der offenen Fenster.» Und das Kunstcafé habe sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Bijou entwickelt, das sogar Touristen fotografieren würden.

Briefe blieben ohne Wirkung

Für Vermieter Rolf Schmidli ist klar: «Genug ist genug.» Seit Jahren habe er Stella Palino immer wieder mündlich und schriftlich an verschiedene Sicherheits- und Sorgfaltspflichten erinnern müssen und 2014 bereits die Kündigung angedroht. «Richtig Lüften hat nichts damit zu tun, während Tagen und Nächten in vollkommener Abwesenheit und bei Sommergewittern die Fenster offen stehen zu lassen», sagt Schmidli. «Das ist äusserst gefährlich.» In einem 500-jährigen Altstadthaus mit Holzriegelkonstruktion führe die Feuchtigkeit zu nicht wieder herstellbaren Schäden an der tragenden Bausubstanz. Zudem bestehe auch die Gefahr, dass Angetrunkene Gegenstände durch die offenen Fenster im ersten Stock werfen könnten. «Es geht somit also auch um die Sicherheit der Bewohner in den oberen Stockwerken wie auch der angrenzenden Häuser.»

Dass er gerne eine höhere Miete verlangen möchte, weist er von sich: «Ich habe Stella Palino nicht nur einen langfristigen Mietvertrag zugesichert, sondern vor drei Jahren aus eigenem Antrieb die Miete leicht reduziert.» Und Schmidli versichert: «Ich möchte keinen Kleiderladen und garantiert keinen Fast Food im Lokal.» Der Ort soll auf jeden Fall kultureller Natur bleiben. Zwar sei das Vertrauen weitgehend kaputt, dennoch wäre er gesprächsbereit, «wenn Stella Palino mir glaubhaft einen sorgfältigeren Umgang mit dem Mietlokal in Aussicht stellen kann».
Stadtrat will vermitteln

Erich Obrist, Stadtrat (Parteilos) und Vorsteher des Ressorts Kultur, wäre durchaus bereit, wenn nötig vermittelnd zwischen den Parteien zu wirken, sagt er auf Anfrage. «Es wäre äusserst schade, ginge diese wichtige kulturelle Nische in der Altstadt verloren, die Stella Palino über Jahre im Teatro und in der ‹Unvermeidbar› aufgebaut hat.»

Die Theaterfrau und ihr Anwalt Markus Leimbacher wollen in den nächsten Tagen nochmals das Gespräch mit dem Vermieter suchen. «Hier geht es nicht nur um eine kulturelle Institution, sondern auch um Stellas Existenz», sagt Leimbacher, der Stella Palino schon früher in Rechtsfragen vertrat. «Können wir uns nicht aussergerichtlich einigen, muss die Schlichtungsbehörde in einer Woche klären, ob die Kündigung überhaupt rechtskräftig ist.»

Denn Stella Palino habe es während der Badenfahrt versäumt, die eingeschriebene, ausserordentliche Kündigungsandrohung abzuholen, und habe deshalb nichts davon gewusst. «Zudem muss geprüft werden, ob offene Fenster als Grund ausreichen, um einen Vertrag auflösen zu können, der eigentlich bis 2025 läuft», sagt Leimbacher. Im schlimmsten Fall würden sie ihr Anliegen ans Bezirksgericht weiterziehen. Dass das Lokal bis Ende Oktober geräumt werde, sei illusorisch, ist er überzeugt. «Im schlimmsten Fall dauert das sicher bis Ende Jahr.»

Was Stella Palino ohne die «Unvermeidbar» machen würde, weiss sie nicht. Zwar ist das Teatro Palino auf der anderen Strassenseite nicht von der Kündigung betroffen. Dennoch: «Vom Theater alleine kann ich nicht leben.» Ohne Café und somit ohne Foyer müssten die Besucher draussen auf der Strasse warten, bis die Vorstellung jeweils beginnt. «Das geht nicht», sagt sie. Deshalb schliesst sie auch nicht aus, ihre Zelte in Baden abzubrechen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1