Baden
Stephan Attiger: «Kurtheater und Tägi sind wichtig für die Region»

Am Neujahrsapéro musste der Stadtammann krankheitshalber passen. Inzwischen ist er wieder voll aktiv im Amt. Und es wartet wiederum ein politisch reich beladenes Jahr. Das zeigt ein Blick in die Zukunft.

Roman Huber
Drucken
Teilen
Attiger: «Tritt Beyeler nicht mehr an, wird seine Kandidatur für den Regierungsrat realistisch.»

Attiger: «Tritt Beyeler nicht mehr an, wird seine Kandidatur für den Regierungsrat realistisch.»

Corinne Rufli

Wie geht es Ihnen, Herr Attiger?
Stephan Attiger: Tipptop.
Es hat Sie ja über die Festtage ziemlich erwischt. Nachwehen eines anstrengenden Jahres 2011?
Nein, es war zuerst eine gewöhnliche Grippe, welche die ganze Familie erfasst hatte. Bei mir entwickelte sie sich zu einer Angina, sodass ich Antibiotika benötigte.
Sie hatten im Bett Zeit, um über das Jahr 2011 nachzudenken.
Eigentlich blicke ich selten zurück, sondern vorwärts. 2011 war ein sehr gutes und wichtiges Jahr. Wir sind bei manchen Projekten vorwärts gekommen.
Vor allem mit der Volksabstimmung zum Schulhausplatz.

Das war der wichtigste Schritt. Wenn man bedenkt, was eine Ablehnung bedeutet hätte, wird einem so richtig klar, wie wichtig dieses Projekt für die Stadt und ihre Entwicklung ist. So vieles hängt davon ab: Gestaltung Weite Gasse, Innenstadt, die direkte Fahrt stadtauswärts für den öffentlichen Verkehr, Entlastung der Haselstrasse, Verkehrsmanagement Baden-Wettingen, Verkehrskonzept Baden Nord, Verkehrsregime Bädergebiet.
Die Abstimmung fiel dann trotz Bedenken klar aus.
Es war eine grosse Entlastung, ja Befreiung, nach fünf Jahren harter Planung, für die Verwaltung, die Behörden, die Bevölkerung. Ich spürte in den folgenden Wochen eine gewisse Gelassenheit in mir, auch im Hinblick auf die anstehenden Vorhaben.
Vor Jahresfrist hatte man die verlorene Neuenhof-Abstimmung im Rückspiegel. Wo steht man beim Thema Zusammenschluss ?
Der Stadtrat ist grundsätzlich offen für Zusammenschlüsse. Ich bin überzeugt, dass sich in den nächsten 20 Jahren die Gemeindestrukturen verändern müssen. Gespräche mit Nachbargemeinden führen wir immer. Es wäre verfrüht, etwas Konkretes sagen zu wollen. Der Gemeinderat Ennetbaden macht sich auch seine Gedanken über die Zukunft und wird sich zu gegebener Zeit dazu äussern.
Der Kanton hat die Zusammenschlussbeiträge erhöht. Ist das ein Startsignal?
Man muss gut abwägen, was als möglicher erster Schritt erfolgen könnte. Der Zusammenschluss mit Neuenhof war nicht als Vision gedacht, sondern als erster Schritt in die richtige Richtung.
Wir haben ein Wahljahr. Was gibt es Neues von Ihrer Regierungsratskandidatur?
Da möchte ich Peter C. Beyeler nicht vorgreifen. Wenn man davon ausgeht, dass er nicht mehr antreten wird, kann für mich eine Kandidatur durchaus realistisch werden. Wenn es von mir einen Entscheid braucht, dann werde ich ihn rasch fällen.
Sie entsprechen den parteipolitischen und geografischen Anforderungen für die Beyeler-Nachfolge.
Das sagen Sie jetzt. Sicher will die FDP an ihrem Sitz festhalten. Und man wird sehen, welche Kandidaten noch infrage kommen. Ich teile aber die Ansicht, dass die Region Aargau Ost, die jetzt durch Peter C. Beyeler im Regierungsrat vertreten ist, auch zukünftig vertreten sein sollte.
Die BNO-Teilrevision am Limmatknie kommt Ende Monat in den Einwohnerrat. Entspricht das den Prioritäten der Stadtentwicklung?

Es wäre falsch, wenn man jetzt Prioritäten setzen wollte. Es kommen einige Projekte in eine ganz wichtige Phase, Teilrevision BNO Limmatknie ist eines davon. Für die Stadtentwicklung enorm wichtig ist auch die Gesamtrevision der Bau- und Nutzungsordnung, die Verkehrsprojekte, das Kurtheater und das Tägi als regionale Projekte, die symbolisch für die Entwicklung und die Zusammenarbeit in der Region bedeutend sind. Eine Gewichtung ist wohl nur aus der Optik der Interessenlage möglich.
Welche Rolle kommt im Bäderquartier künftig der Stadt zu?
Nach Genehmigung der BNO-Teilrevision durch den Einwohnerrat ist der Stadtrat Bewilligungsbehörde des Gestaltungsplans und des Baugesuchsverfahrens.
Und die Stadt als Bauherr?
Auch hier haben wir wichtige Aufgaben, erhalten wir doch den Ochsenpark - entschädigungslos - und werden diesen aufwerten. Wir werden den Kurplatz mit den Strassen im Bäderquartier gestalten, ab Casino-Kreisel ist die Neugestaltung der Badstrasse koordiniert mit Ennetbaden geplant.
Und das Bäder-Parkhaus?
Das wird von der Verenahof AG erstellt. Die Stadt hat die Absicht erklärt, das Parkhaus zu bewirtschaften. So wie wir es auch zum Beispiel beim Gstühl-Parkhaus tun.
Ist Baden nun mit dem Projekt der Verenahof AG auf der Zielgeraden?
Dem anstehenden BNO-Entscheid will ich nicht vorgreifen. Das Projekt, das vorliegt, ist zweifellos sehr gut. Seit dem Wettbewerb wurde es weiter verbessert und stark reduziert. Es lässt den historischen Ortskern bestehen und baut am Limmatknie etwas Neues. Frühere Projekte, die in alte Bausubstanz eingriffen, hätten mir persönlich weh getan.
Die Gesamtrevision soll die Stadtentwicklung fördern. Abgesehen von Galgenbuck, Brisigi und Allmend ist doch die Stadt gebaut?
Wir stellen heute die umgekehrte Frage. Früher hiess es: Wo wollen wir bauen? Heute fragen wir: Wo wollen wir Freiräume sichern und gestalten? Wie der Theater-, Trafo-, Schmiede-, Brown-Boveri-Platz, Freiräume am Martinsberg. Dann kommt die Frage, wie wir das überbaute Gebiet intelligent und gut nutzen oder neu bebauen können, auch intensiver, ohne dass die Qualität darunter leidet.
Ist eine Rückbesinnung auf Hochhäuser wie in Zürich denkbar?
In Baden Nord ist es sicher sinnvoll, die Nutzung in die Höhe zu bauen.
Und für Wohnbauten?
Wenn die Qualität stimmt und der Freiraum unten vorhanden ist, warum nicht; da denke ich ans Projekt Bel Étage im Martinsbergquartier.
Im Galgenbuck in Dättwil wird ein ganz neues Wohnquartier entstehen. Für welche Klientel?
Wohnen im Zentrum ist vor allem bei jüngeren und dann wieder älteren Leuten gefragt. Im Galgenbuck können wir gezielt Wohnraum für Familien entwickeln, der immer noch zentrumsnah ist. Somit schaffen wir ein Gleichgewicht. Dort gibt es noch keine Erschliessung, wir können völlig neu beginnen, und wollen das in verschiedener Hinsicht ausnutzen, auch energetisch.
Der Druck auf neuen Wohnraum in Baden ist zurzeit gross.
Dennoch muss man sich die Zeit für eine nachhaltige Entwicklung im Galgenbuck nehmen. Zudem haben wir ein gutes Einvernehmen mit den Eigentümern. Zuerst werden wir mit ihnen Verträge aufsetzen, bevor wir zur Einzonung schreiten.
Im Brisgi-Areal ist die Stadt mehrheitlich Eigentümerin, da soll es zügig vorwärtsgehen.
Das schon. Aber wir möchten dort ebenfalls eine Punktlandung machen. Darum braucht es auch im Brisgi Zeit, um ein ausgereiftes Projekt für Familien und andere Wohnformen zu realisieren. Zudem soll dort das Projekt gleichzeitig eine Image-Korrektur ermöglichen.
Neuer Wohnraum heisst mehr Einwohner und mehr Verkehr. Ist sich der Stadtrat bewusst, dass Dättwil bereits am Anschlag ist?
Das ist so. Es besteht dort zusammen mit Fislisbach und Birmenstorf eine Netzwerk-Strategie. Wir gehen den Verkehr gemeinsam an. Doch man muss sich bewusst sein, dass die Einzonung Galgenbuck sich weit weniger auswirken wird, als es bei den vielen Einzonungen am Rohrdorferberg der Fall ist. Wir werden den Verkehr genau ansehen, und es sind Überlegungen gemacht worden. Die Kapazitätsgrenze ist tatsächlich erreicht.
Wie geht es Baden wirtschaftlich?
Sehr gut. Die Finanzkrise hat uns kaum tangiert, die Eurokrise wird uns mehr treffen. Bei uns sind Firmen mit Zukunftspotenzial angesiedelt, in der Energie- und in der Hightech-Branche. Wir dürfen von einer hohen Standortqualität im Wirtschaftsraum profitieren.
Ein Höhepunkt wird auch für Sie das Stadtfest 2012 sein.
Ja, ich freue mich auf die 10 Tage vom 17. bis 26. August. Es ist jedoch nicht «nur» das Fest, das eine grosse Wirkung erzielt. Bereits aus den Vorbereitungen, dem Erstellen von Beizenkonzepten, Bauten, usw. ergeben sich neue Kontakte und Freundschaften. Das Fest steht für Lebensfreude aber auch für die Identität der Stadt. Ich lade alle ein, am Fest teilzunehmen.

Aktuelle Nachrichten