Ehrendingen
Steuerfuss gesenkt, Turnhalle versenkt

Nach intensiven Diskussionen genehmigt die Gemeindeversammlung in Ehrendingen das Budget 2011.

Martin Rupf
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Die Turnhalle Chilpen platzte aus allen Nähten – besser hätte die Gemeindeversammlung für die Ehrendinger Sportvereine nicht beginnen können. Grund: Vergangene Woche forderten sie den Gemeinderat öffentlich auf, von der Senkung des Steuerfusses abzusehen und stattdessen in den Bau einer neuen Turnhalle zu investieren (az Aargauer Zeitung vom 19. November). Die rappelvolle Turnhalle hätte die Dringlichkeit dieses Anliegens nicht besser unterstreichen können.

Steuerkräftige Zuzüger gesucht

Insgesamt 285 Stimmbürger durfte Gemeindeammann Renato Sinelli zur Budget-Gmeind begrüssen. Ohne Umschweife legte er dar, weshalb der Gemeinderat eine Senkung des Steuerfusses von 113 auf 110 Prozent beantrage. «Im Bezirk Baden liegt Ehrendingen im Steuerfuss-Ranking auf dem drittletzten Platz.»

Oft habe er sich anhören müssen: «Ehrendingen ist zwar schön, aber die Steuern sind zu hoch.» Dank tieferer Steuern wolle man auch für steuerkräftige Zuzüger attraktiver werden, so Sinelli. Und: «Im Moment betragen unsere Schulden rund 3 Millionen Franken; wir können uns das leisten.»

Dass man sich etwas leisten könne, glauben auch die Sportvereine. Doch es sei jetzt allerhöchste Zeit, die dringend benötigte Turnhalle zu bauen, sagte Peter Steimer, Vizepräsident und Juniorentrainer des Handballclubs. «In Ehrendingen werden 300 bis 400 Kinder und Jugendliche bewegt», so Steimer. Doch es gebe nicht mehr genügend Trainingmöglichkeiten. «Dabei spielen Vereine für die Identifikation einer Gemeinde eine enorm wichtige Rolle.»

«Die Steuerfusssenkung von 3 Prozent entspricht rund 3,6 Millionen Franken; mit diesem Geld kann man eine Turnhalle bauen», ist Steimer überzeugt.

Auch Schule beklagt Platzmangel

Unterstützung erfuhr Steimer von den anwesenden Stimmbürgern. Die langjährige Lehrerin Irène Brogli wies darauf hin, dass die Situation auch für die Schule sehr unbefriedigend sei. «Turn-Doppelstunden für Schüler aus dem Oberdorf dauern faktisch nur eine Stunde, weil eine Stunde für den Schulweg draufgeht.»

Richard Bärtsch, Vizepräsident und Juniorenchef des Unihockeyclubs, verdeutlichte den Platzbedarf: 60 Prozent aller Juniorentrainings fänden in Hallen anderer Gemeinden statt. «Ich fordere den Gemeinderat auf, nun endlich zu handeln.»

Eine Anwesende verglich Ehrendingen mit dem Computerspiel SimCity, bei dem eine Stadtentwicklung simuliert wird. «Wenn man bei SimCity die Steuern senkt, steigt die Bevölkerungszahl rapide. Doch wenn man nicht in die Infrastruktur investiert, ziehen viele Einwohner weg. Ich will nicht, dass Ehrendingen eine SimCity wird.»

Leise Kritik an die Sportvereine

Renato Sinelli hörte sich die Voten aufmerksam an, konterte dann aber sachlich: «Nur damit das klar ist: Sie stimmen heute nicht über eine Turnhalle, sondern über das Budget 2011 ab.»

Er frage sich, wieso die Sportvereine ihr Anliegen nie bei einer Info-Veranstaltung vorgebracht hätten. Und: «Gestützt auf die bereits vorhandenen Pläne würden 3 Steuerprozente für eine neue Halle nicht reichen. Es wäre viel eher mit einem Steuerfuss von 118 Prozenten für die nächsten 8 bis 10 Jahre zu rechnen.»

Gemeinderat fasst Hausaufgabe

Bei der Mehrheit der Stimmbürger fanden die Sportvereine kein Gehör. Mit 165 Ja zu 97 Nein wurde das Budget 2011 und somit auch der Steuerfuss von 110 Prozent genehmigt, was Sinelli sichtlich freute: «Dadurch werden wir wieder attraktiver für potenzielle Neuzuzüger.»

Ganz vom Tisch ist eine neue Turnhalle aber nicht. Der Gemeinderat wurde beauftragt, bis zur Sommergemeinde abzuklären, wie eine Sporthalle realisiert werden kann.