Spreitenbach

Steuern steigen – aber eher nicht auf 118 Prozent

Im Baufieber: In den letzten Jahren sind viele neue Wohnungen in Spreitenbach entstanden. Mehr Einwohner bedeuten aber auch mehr Infrastruktur. san

Im Baufieber: In den letzten Jahren sind viele neue Wohnungen in Spreitenbach entstanden. Mehr Einwohner bedeuten aber auch mehr Infrastruktur. san

Der Finanzplan von Spreitenbach sah bis ins Jahr 2024 eine satte Steuererhöhung vor. Warum es dazu wohl nicht kommen wird

Spreitenbach schloss die Jahresrechnung 2018 mit einem stattlichen Überschuss von 3,41 Millionen Franken ab. Auch viele andere Aargauer Gemeinden schlossen mit guten Ergebnissen ab. Deshalb forderte Kurt Schmid, Präsident des Aargauer Gewerbeverbands, Steuersenkungen in den Gemeinden.

Hat das gute Ergebnis von Spreitenbach nun auch Auswirkungen auf den Steuerfuss der Gemeinde? So sind im Finanzplan 2018 – 2024 für die nächsten Jahre Steuerfusserhöhungen festgehalten: Im Jahr 2021 auf 112 und im 2024 um sechs auf 118 Prozent. Damit würde Spreitenbach zu einer der Gemeinden mit dem höchsten Steuerfuss im Kanton zählen. Finanzvorsteher und Gemeinderat Roger Mohr (SVP) sagt dazu: «Im Moment sieht es nicht danach aus, dass wir die Steuern 2024 auf 118 Prozent erhöhen müssen.» Es sei aber schwierig, dies im Detail zu beurteilen.

Fakt ist: Lebten im Jahr 2000 noch rund 9000 Einwohner in Spreitenbach, so waren es Ende 2018 11 882 Personen. Bis 2023 rechnet der Gemeinderat mit einem weiteren Wachstum auf 14 500 Einwohner. Das zieht Investitionen der Gemeinde nach sich, was auch Auswirkungen auf den Steuerfuss hat. So ist in Spreitenbach ein Neubau des Gemeindehauses geplant, das einen Zuwachs auf 15 000 Einwohner abdecken würde, schreibt der Gemeinderat im Mitwirkungsbericht zum «Zentrum Neumatt». Hier sollen einst vier fast 100 Meter hohe Türme mit insgesamt 600 Wohnungen entstehen. Dieses wie auch das geplante Projekt «Tivoli Garten» mit über 400 Wohnungen sollen die Einwohnerzahl anwachsen lassen.

Mit dem Anbau beim Schulhaus Boo-stock und dem beabsichtigten Umbau des heutigen Gemeindehauses will der Gemeinderat den erforderlichen Schulraum zur Verfügung stellen. Zudem kommen weitere Investitionen wie zum Beispiel die Sanierung des Hallenbads auf die Gemeinde zu. Auch wenn der Steuerfuss nicht ganz so stark steigen wird wie im Finanzplan festgehalten, werde deshalb eine Steuerfusserhöhung in naher Zukunft unabdingbar sein – wohl auf das Jahr 2021: «Im nächsten Jahr wird es voraussichtlich beim aktuellen Steuerfuss von 108 Prozent bleiben», so Mohr.

Mit dem neuentstandenen Wohnraum will die Gemeinde eine Klientel nach Spreitenbach holen, die Spreitenbach bisher grösstenteils fehlt – Menschen mit einem mittleren bis höheren Einkommen. Die Überbauungen Brüelpark, Sternenfeld und Kreuzäcker lockten bereits neue Einwohner nach Spreitenbach. Die dortigen Wohnungen haben aber auch einige in Spreitenbach wohnhafte Personen zum Umziehen bewogen.

Am 1. März eröffnete zudem der «Limmatspot» mit 195 Mietwohnungen, von denen noch nicht alle vermietet sind. Für die Wohnungen im mittleren Preissegment würden sich in der Regel Menschen aus der Region Zürich oder aus Spreitenbach selbst interessieren, sagt Laurence Gehrig, Immobilienberaterin der Primus Property AG. Vor allem die Aussicht auf die Limmattalbahn mache die Lage attraktiv.

Ob eine künftige Steuerfusserhöhung den Wohnsitzentscheid der angestrebten Zielgruppe negativ beeinflussen könnte? Roger Mohr ist überzeugt: «Es gibt eine Tendenz von Zuzügern aus dem Kanton Zürich, die sich zum Beispiel auch ganz andere Mietpreise gewohnt sind». Er ist sich sicher, dass der Steuerfuss für diese Personen kein Kriterium gegen Spreitenbach ist.

Die Steuerbelastung als Wohnstandortfaktor rangiere bloss im hinteren Mittelfeld, zeigt auch ein Umzugsmonitoring der Hochschule Luzern. Viel wichtiger sei Menschen, die umziehen möchten, das öV- und Dienstleistungsangebot. Für ein paar wenige Millionäre möge der Steuerfuss tatsächlich von Belang sein, doch für die grosse Mehrheit der Haushalte – auch für die gut verdienenden – gelte: Die Steuern sind nicht das Wichtigste, wie einem Bericht der Zeitschrift «Schweizer Gemeinde» zu entnehmen ist.

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