Steuerfuss

Steuern: Wo ist es teurer, wo billiger geworden

Jeweils Anfang Jahr müssen die Steuererklärungen ausgefüllt werden, keine erfreuliche Arbeit. wal/az Archiv

Jeweils Anfang Jahr müssen die Steuererklärungen ausgefüllt werden, keine erfreuliche Arbeit. wal/az Archiv

In Auenstein, Bad Zurzach, Remetschwil, Spreitenbach und Wettingen ist es teurer geworden. an der Spitze der Steuersenker liegt Gallenkirch im Bezirk Brugg.

So wie dieses Mal ist die Steuerfussfront im Bezirk Baden schon lange nicht mehr in Bewegung gekommen. Die Neuenhofer setzen mit ihrer Reduktion um 17 Prozentpunkte eine fast einmalige Marke. Doch sie hat weniger mit Finanzen als mit Politik zu tun. Denn bei den Neuenhofern ist es nicht eine sprudelnde, sondern eine fast ausgetrocknete Steuerquelle, die den Entscheid zur Senkung verursacht. Es ist ein Ausdruck der neuen politischen Strategie des Gemeinderates. Er will damit die Gemeinde, nach dem verunglückten Fusionsplan mit Baden, auf gesunde Füsse stellen. Ob der Abschlag von Dauer ist, ist noch offen: Gemeinde und Kanton verhandeln. Je nach Ergebnis wird der durchschnittliche Steuerfuss nicht so stark sinken.

Ehrendingen will günstiger werden

Neben den Neuenhofern können die Steuerzahler von Bergdietikon, Birmenstorf und Ehrendingen von einer Reduktion profitieren. In Ehrendingen darf das sicher auch als eine Art Fusionsdividende angesehen werden. Seit sich Ober- und Unterehrendingen zusammengeschlossen haben, ist dort ein wahrer Bauboom mit neuen Einwohnern und damit Steuerzahlern ausgebrochen. Der Gemeinderat hat sich zudem zum Ziel gesetzt, die Steuern auf das kantonale Mittel zu senken. Dieses lag 2010 bei 103%, es ist also, zumindest theoretisch, noch einiger Spielraum vorhanden. Die Birmenstorfer haben mit ihrem Entscheid, die eigene Oberstufe aufzugeben, ihre Investitionsrechnung entlastet, was eine Steuerfusssenkung erleichterte.

Wohlenschwiler halten zusammen

Den höchsten Steuerfuss im Bezirk Baden hat nach wie vor Wohlenschwil. Dabei hält der Gemeinderat unbeirrt an seinem Ziel fest, die Finanzlage möglichst aus eigener Kraft zu verbessern und eine selbstständige Gemeinde zu bleiben. In diesen Bemühungen wird er von der Bevölkerung unterstützt. So wurde der Spielplatz dank privater Initiative und mit viel Fronarbeit realisiert. Die Gemeinde steuerte eine nicht benötigte Parzelle bei.

Wettingen hat aufgeschlagen

Unter der Last der Ausgaben haben dagegen Remetschwil, Spreitenbach und Wettingen ihre Steuerfüsse erhöhen müssen. In Wettingen dürfte die Erhöhung das Ende einer langjährigen Senkungstradition markieren, es könnte sogar eine Trendwende sein. Angesichts der steigenden gebundenen Ausgaben, aber sicher auch mit einem Seitenblick auf die unaufschiebbaren Investitionen musste der Gemeinderat Gegensteuer geben. Der Einwohnerrat ist ihm gefolgt und die Stimmberechtigten haben, mit dem Verzicht auf ein Referendum, die Erhöhung akzeptiert. Einen Zickzackkurs verfolgt Spreitenbach. 2008 hatte der Steuerfuss 98% betragen. Dann wurde er für 2009 auf 101% erhöht und für 2010 wieder auf 98% gesenkt. Um den Finanzbedarf zu decken, musste der Steuerfuss für das laufende Jahr wieder auf 101% erhöht werden.

Bad Zurzach braucht Geld

Die stärkste Erhöhung im Bezirk Zurzach verordneten sich die Stimmberechtigten von Bad Zurzach. Um 5 Prozentpunkte auf 105% wurde der Steuerfuss angehoben. Eigentlich wollte der Gemeinderat das Doppelte, doch die Gemeindeversammlung fand, dass die Hälfte genüge. Als regionales Zentrum spürt Bad Zurzach die Last von zentralen Aufgaben. Verglichen mit den Nachbargemeinden fahren die Einwohner aber trotzdem günstig. Einen Abschlag haben sich Stimmberechtigten in Baldingen, Böbikon, Leuggern und Tegerfelden gegönnt. Steuerfussmässig ist der Bezirk geteilt. Entlang dem Rhein müssen die Einwohner tendenziell mehr bezahlen als im Surbtal.

Gallenkirch unterbietet Linn

An der Spitze der Steuerfusssenker im Bezirk Brugg liegt Gallenkirch. Mit einer Reduktion von 13 Prozentpunkten hat die Gemeinde ihre Nachbarin Linn deutlich hinter sich gelassen. Auch in Habsburg, Mönthal, Oberbözberg und Riniken erlaubte die finanzielle Situation eine Steuerfussreduktion, wenn auch in geringerem Masse. Spitzenreiter, nicht nur im Bezirk Brugg, sondern in der gesamten Region, bleibt mit 123% die Gemeinde Bözen. Mit diesem Wert liegt sie ganz im Bereich ihrer Fricktaler Nachbarn: In Hornussen liegt der Steuerfuss bei 125%, in Zeihen bei 122%.

Sozialkosten belasten die Budgets

Ansonst blieb es ruhig an der Steuerfussfront. Die grosse Mehrheit der Gemeinden haben ihn auf der bisherigen Höhe belassen. Die Zeit der grossen Senkungsrunden scheint für Jahre vorbei zu sein. Im Vergleich zum Vorjahr liegt die Tendenz bei den Erhöhungen. Auf das Jahr 2010 hin hatte einzig Birrhard den Steuerfuss erhöht, von 118 auf 120%. Wie eng es werden kann, lassen verschiedene Voten an Gemeindeversammlungen erahnen. Es sind vor allem die stetig steigenden Gesundheits- und Sozialkosten, die den Spielraum der Gemeinden einengen. Bund und Kanton wälzen immer weitere Kosten auf die Gemeinden ab. So entlasten sie zwar ihre Budgets, doch die Gesamtbelastung des Steuerzahlers ändert nicht. Damit steigt der Anteil der gebundenen Ausgaben im Gemeindebudget immer mehr. Sie verlieren zugleich mehr an Selbstständigkeit.

Kooperationen lohnen sich

Drei der vier Gemeinden des Zürcher Wehntals haben denselben Steuerfuss, nämlich 112% (Tabelle unten). Der negative Ausreisser, mit 122%, ist Schleinikon. Wesentlich zur Angleichung haben die verschiedenen Kooperationen der Gemeinden beigetragen. So haben sie ihre Schulen in einer gemeinsamen Schulgemeinde zusammengelegt. Ebenso arbeiten sie bei Infrastrukturaufgaben zusammen, um Kosten zu sparen. Ihr Abwasser reinigen die Gemeinden, zusammen mit Ehrendingen und Schneisingen, in der ARA oberes Surbtal in Ehrendingen.

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